Offen gelagerter Plastikmüll am Hessenweg

Wertstoff vom Winde verweht - Remondis sagt Reinigung zu

Münster-Gelmer

Man muss es dem Gelben Sack lassen: Er hat zumindest die schlimmsten Müllverwehungen verhindert. Die Firma Remondis hat den Inhalt der Wertstofftonnen bislang ungeschützt unter freiem Himmel gelagert; weshalb es seit Beginn der Sturmsaison im Gewerbegebiet Hessenweg ein Problem mit herumfliegendem Plastikmüll gibt.

Lukas Speckmann

So sah es am 20. Februar am Hessenweg aus. Ein Großteil des vom Sturm verwehten Mülls wurde inzwischen eingesammelt. Foto: Katja Klippstein

Stefan Schäfer ist zerknirscht. „Es sieht bei uns sonst sauber aus“, betont der Remondis-Niederlassungsleiter, „das hat mich echt geärgert.“

Der Ärger ist begründet. Rund um das Remondis-Gelände im Gewerbegebiet Hessenweg hängt Plastikmüll herum – am Straßenrand, im Gebüsch, auf dem Acker, in den Zäunen der Nachbarbetriebe. Das Müllproblem ist offenbar inzwischen viel kleiner als noch vor ein paar Tagen, aber immer noch deutlich erkennbar. Es handelt sich um den Inhalt münsterischer Wertstofftonnen, der bei Remondis gelagert wurde – offen und ohne Schutzhülle.

Anfang des Jahres war der Gelbe Sack durch die Tonne abgelöst worden; Remondis kümmert sich seitdem um die Entsorgung in den Außengebieten der Stadt. Die offene Zwischenlagerung am Hessenweg ging auch einige Wochen lang gut, wie Ursula Lütke­hermölle von der als Aufsichtsbehörde zuständigen Bezirksregierung berichtet: „Dann kam ,Sabine’.“ Der Sturm wirbelte mit seinen schweren Böen alles durcheinander.

Die Gelmeranerin Dagmar Gast ist zornig: „Das Problem ist nicht neu, dass große Mengen Plastikmüll über den Hessenweg bis weit über die anliegenden Felder und Wälder verweht werden“, berichtet sie. „Seit den letzten Stürmen ist es aber wieder einmal sehr extrem.“ Dagmar Gast und weitere Anwohner meldeten sich umgehend bei Remondis, auch die Bezirksregierung wurde eingeschaltet. „Völlig zu Recht“, wie Ursula Lütkehermölle betont. Der zuständige Mitarbeiter suche seitdem gemeinsam mit Remondis nach einer Lösung.

Derselbe Ort am 2. März – deutlich weniger Müll, aber noch nicht picobello. Am 3. März soll endgültig aufgeräumt werden, verspricht der Remondis-Niederlassungsleiter. Foto: spe

Leichter gesagt als getan: Der Müll ist nach wie vor über ein großes Gebiet verteilt und ist in Bäumen und Sträuchern nicht immer leicht erreichbar. Die Firma ließ schon in der vergangenen Woche Hubsteiger kommen und schickte mehrere Mitarbeiter in den Sammeleinsatz. „Wir haben versucht, so schnell wie möglich zu reagieren“, berichte Niederlassungsleiter Schäfer, „die allergrößten Verunreinigungen sind weg.“

Dass die offene Lagerung des Abfalls keine gute Idee war, räumt Schäfer ein: „Sicher hätten wir das im Voraus bedenken können. Aber wir ziehen das jetzt gerade.“ Erster Schritt: Der Lagerplatz sei vorläufig abgedeckt und mit massiven Containern versperrt worden. Die aktuelle Ladung der Müllfahrzeuge wurde wegen drohender Sturmböen am Wochenende gar nicht erst entladen.

Zweiter Schritt: Ein bislang für Altpapier reservierter überdachter Lagerplatz werde in Kürze für die Wertstoffe freigeräumt. Damit sollte das Problem dauerhaft in den Griff zu bekommen sein, meint Stefan Schäfer. Dritter Schritt: Eine ganz neue Halle soll gebaut werden. Schäfer betont, dass den Schritten zwei und drei ein kompliziertes Genehmigungsverfahren vorausgehen müsse, dass aber die Bezirksregierung im Boot sei.

Am heutigen Dienstag soll ein Remondis-Team ausrücken, um die letzten Müllreste rund um den Hessenweg einzusammeln. Für einen weiteren Einsatz rund um das Klärwerk müsse man sich noch mit dem Tiefbauamt verständigen.

Anwohnerin Dagmar Gast hat Zweifel: Das Müllproblem am Hessenweg sei schon lange bekannt, doch bislang sei immer nur zu wenig oder unvollständig eingesammelt worden: „Daher sind viele Anwohner jetzt sehr skeptisch, ob etwas passiert.“ Es könne einfach nicht sein, dass bei der Aktion „Sauberes Münster“ in einigen Wochen Gelmeraner Grundschulkinder den Müll aus dem Gewerbegebiet einsammeln.

Kommentar: Kein Meisterstück

Kein schöner Anblick. Das Müllproblem am Hessenweg ist nach wie vor ärgerlich, auch wenn der größte Teil des verwehten Wertstoffs schon eingesammelt werden konnte. Die Firma Remondis ist verständlicherweise bemüht, den Schaden zu begrenzen. Man wird sie daran messen, wie nachhaltig die Reste jetzt beseitigt werden – und wie erfolgreich solche Sturmschäden künftig vermieden werden können.

Die Wertstofftonne hatte in Münster keinen guten Start: Es gab Kommunikationsprobleme und Lieferschwierigkeiten, manche Tonnen wurden von den Müllwagen komplett verschluckt – und nun die offene, windanfällige Lagerung der Wertstoffe. Auch kein Meisterstück. Peinlich, aber es passt ins Bild.

Man mag sich über all das aufregen; viel schlimmer ist doch eigentlich die Tatsache, dass wir Verbraucher solche Unmengen an Verpackungsmüll überhaupt produzieren, auch weil wir zu bequem sind, über Alternativen nachzudenken. Höchste Zeit, damit anzufangen.

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