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Stadtwerke-Chef steht Unternehmern Rede und Antwort

Wie sicher ist die Energieversorgung?

Münster

Eine Gasmangellage und ein großflächiger Blackout sind in Münster nach Einschätzung von Stadtwerke-Chef Sebastian Jurczyk äußerst unwahrscheinlich. Warum das so ist und welche Preise künftig zu erwarten sind, diskutierte er mit Unternehmern bei einer IHK-Veranstaltung.

Von Karin Höller

Sie diskutierten mit münsterischen Unternehmern Befürchtungen und Erwartungen angesichts der extrem hohen Energiepreise (v.l.): IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel, IHK-Regionalausschussvorsitzende Isabel Habla und Stadtwerke-Chef Sebastian Jurczyk. Foto:

Die Furcht vor einer akuten Gasmangellage oder einem möglichen Blackout beim Zusammenbruch des Stromnetzes bestimmt seit Wochen die Diskussionen. Wie sicher ist die Energieversorgung für Unternehmen in Münster? Bei einer Informations- und Diskussionsveranstaltung im Bildungszentrum der IHK Nord Westfalen konnte der Chef der münsterischen Stadtwerke, Sebastian Jurczyk, am Donnerstag manche Sorgenfalte glätten. „Ein großflächiger Blackout und eine regionale Gasmangellage sind extrem unwahrscheinlich.“

Diesem Winter sieht Jurczyk angesichts der gut gefüllten Gasspeicher entspannt entgegen. Höchstens im März oder April, wenn die Speicher auf niedrigem Niveau seien, könne es im Fall einer späten Kältewelle möglicherweise zu einer temporären Gasmangellage kommen.

Selbst verursachter Blackout mit Heizlüftern

Einen selbst verursachten lokalen Blackout konstruierte Jurczyk nur für den Fall, dass etwa alle Haushalte im Kreuzviertel ihre 2000-Watt-Heizlüfter morgens oder nach Feierabend gleichzeitig einschalten.

Trotz des aktuell gefallenen Gaspreises auf dem Spotmarkt müsse man mit weiterhin hohen Energiepreisen bei Bestellungen für die nächsten Jahre rechnen. Jurczyks vorsichtige Prognose: ein Strompreis von 20 Cent pro Kilowattstunde in den nächsten ein, zwei Jahren.

Ein Preis von 27 Cent sei jedenfalls für die Wirtschaft mittelfristig nicht tragbar, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel in der anschließenden Diskussion. Der Staat müsse auf Abgaben und Steuern verzichten, um Unternehmen zu entlasten.

Die alleinige Fokussierung auf erneuerbare Energien sei indes keine Lösung, gab Jurczyk zu bedenken. Denn je mehr erneuerbare Energien im Netz, desto größer der Bedarf an Gaskraftwerken als Äquivalent, um Produktionsschwankungen mit Wind- oder Sonnenenergie auszugleichen.

Alternative für das Heizkraftwerk

Beim Thema Versorgungssicherheit richtete ein Diskussionsteilnehmer den Blick auf das Gasturbinenkraftwerk am Hafen. Denn Gasspeicher haben die Stadt Münster nicht, wie Jurczyk zuvor ausgeführt hatte. Angesichts eines gut gefüllten Heizöltanks könne das Gaskraftwerk bei mangelnder Gaslieferung umgestellt werden und so bis zu sieben Tage überbrücken.

Mit Erleichterung wurde der Gaspreisdeckel aufgenommen – für Unternehmen 7 Cent/kWh für 70 Prozent des Vorjahresverbrauchs für eine Laufzeit von 16 Monaten. Zum Vergleich: Bei den Haushalten sind es 12 Cent/kWh für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs und 14 Monate.

Einen großen Vorteil für die Gasversorgung sieht Jurczyk in den riesigen Speicherkapazitäten in Deutschland. 25 Prozent des Jahresverbrauchs-Volumens könne gespeichert werden – „das bedeutet Platz vier weltweit“. Jurczyk: „Und Münster hat gute Voraussetzungen, da viele Erdgasspeicher in der Nähe sind.“

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