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Krimi-Reihe 

Wilsberg stellt die Ermittlungen ein

Münster

Der beliebte Privatdetektiv Wilsberg hört auf! Zumindest, wenn es um die Roman-Vorlage von Jürgen Kehrer geht. Zum Abschluss gibt es allerdings noch eine Doppel-Folge...

Autor Jürgen Kehrer hält vor dem legendären Antiquariat Wilsbergs ersten und letzten Fall in Händen. Der schlunzige münsterische Privatdetektiv ist ursprünglich Briefmarken- und Münzhändler, nicht etwa Antiquar . . . Foto: Oliver Werner

Zehntausende kennen Wilsberg von Jürgen Kehrer. Aber Millionen kennen Wilsberg von Leonard Lansink. Darum vorab: Ja, die Buchfigur verabschiedet sich, Jürgen Kehrer hat gerade seinen 21. und letzten Wilsberg-Krimi veröffentlicht. Nein, die Fernsehfigur ist davon nicht betroffen, Darsteller Leonard Lansink kann weitermachen.

Jürgen Kehrer ist es nur recht. Schließlich ist der sympathisch-schlunzige Privatdetektiv auch in der Fernsehgestalt sein geistiges Eigentum: „Egal wo ich bin: Wilsberg kennen alle – meinen Namen leider nicht so viele“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

In Münster hängengeblieben

Warum also der Ausstieg aus der Wilsberg-Reihe? „Ich mache den Abschluss ganz bewusst. Es soll ein würdevoller Abschied werden; bevor mir nichts mehr einfällt . . .“. Vielleicht liegt es daran, dass Wilsberg und Kehrer irgendwie Verwandte sind: Beide sind nach dem Studium in Münster hängengeblieben, haben sich unkonventionell durchgeschlagen und mit Mitte 60 die Rente verdient. Im Ruhestand macht jeder für sich weiter. Der Schriftsteller mit wenigen Projekten, „zu denen ich Lust habe“. Der Detektiv als ZDF-Ermittler.

Bis dahin allerdings gilt es noch den finalen Wilsberg-Krimi zu genießen: „Sein erster und sein letzter Fall.“ Es geht darum, wie der junge Georg Wilsberg 1989 den Beruf als Rechtsanwalt aufgibt – und was 2022 aus dem pfundigen Detektiv wird. Fans dürfen sich freuen, dass dabei erstmals allerhand Privates über Wilsberg enthüllt wird.

Den 1989er-Fall habe er besonders gerne geschrieben, verrät der Autor lächelnd. Es war die bewegte Zeit, in der die Preußen in die Zweite Liga kamen, Café Schucan geschlossen wurde und ein junger Pädagoge namens Jürgen Kehrer auf einem Atari-ST-Computer seine Texte als Journalist sowie einen Krimi mit dem Titel „Und die Toten lässt man ruhen“ verfasste.

Die Veröffentlichung dieses einen Buches war für ihn das höchste der Gefühle. Auch weil das Experiment so neuartig war: Ein Krimi, der in einer Stadt wie Münster spielt – wer will denn sowas lesen? Wilsberg wurde Trendsetter in Sachen Regionalkrimis.

Wie geht es mit der ZDF-Serie weiter?

Fernseh-Wilsberg überholt die Romanfigur

Dieser erste Krimi wurde 1995 mit Joachim Król in der Hauptrolle verfilmt. 1998 stieg Leonard Lansink ein, und es folgten weitere Verfilmungen. Irgendwann verselbstständigte sich die Fernsehfigur, und der Romanschriftsteller wurde zu einem der Drehbuchautoren: „Ich schreibe lieber Originaldrehbücher. Einen Roman zu bearbeiten, ist Mehrarbeit.“

Mittlerweile gibt es fast vier Mal so viele Fernsehkrimis wie Kriminalromane. Dennoch: Das gute alte Buch ist für den Schriftsteller Jürgen Kehrer die Königsdisziplin. Sein Abschied von der Krimi-Reihe ist also mit Wehmut verbunden: „Wilsberg hat mich 32 Jahre lang begleitet und meine Familie ernährt. Er wird die für mich dominante literarische Figur bleiben.“

Jürgen Kehrer: Wilsberg – Sein erster und sein letzter Fall. Grafit-Verlag, 240 Seiten, 13 Euro.

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