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Mord und Totschlag in Mehrfamilienhaus

„Wir haben dort alle in Angst gelebt“

Münster

Es habe oft Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten gegeben – sowohl untereinander in der gemeinsamen Wohnung als auch gegenüber anderen Familien im Haus. Das berichteten Nachbarn des Angeklagten, der im April den Lebensgefährten seiner Mutter in dem Mehrfamilienhaus in Mecklenbeck getötet haben soll.

Renée Trippler

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Weil er den Lebensgefährten seiner verstorbenen Mutter getötet und dessen Verwandten mit einem Hammer verletzt haben soll, muss sich ein 52-Jähriger aus Mecklenbeck vor dem Landgericht verantworten. Nachbarn des Angeklagten und des Opfers berichten, dass es schon vor dem Tattag oft zu Streit und auch zu Handgreiflichkeiten gekommen war.

Als er am 25. April vormittags lautes Geschrei aus der Wohnung des Angeklagten gehört habe, habe er zunächst nicht reagiert, „weil das öfter vorkam“, sagte ein 33-Jähriger, der mit seiner Familie über der Wohnung des Angeklagten wohnt. „Irgendwann habe ich dann doch die Tür aufgemacht und da war alles voller Blut“, schilderte der Familienvater weiter. „Das war wie im Schlachthaus“, erinnerte sich auch seine Frau. Sie machten die Tür zu und alarmierten die Polizei.

Mann kam blutend die Treppe herunter

Das Blut im Treppenhaus stammte von dem 77 Jahre alten Lebensgefährten der verstorbenen Mutter des Angeklagten. Dieser hat an jenem Tag Möbel aus der gemeinsamen Wohnung holen wollen, zusammen mit seiner Nichte und deren Sohn. Die Situation soll Ermittlungen und bisherigen Aussagen zufolge so eskaliert sein, dass der Angeklagte den 28-jährigen Großneffen seines Mitbewohners mit einem Hammer verletzte und den 77-Jährigen selbst mit einem Messer in den Hals stach.

Wie der Mann blutend, von seiner Nicht gestützt, die Treppe herunterstieg, hat nach eigenen Angaben auch ein 17-Jähriger gesehen, der im Erdgeschoss wohnt. Er war mit seiner jüngeren Schwester alleine zu Hause und sagt, er habe das Geschehen durch den Türspion und das Fenster beobachtet. Wie die Mutter des 17-Jährigen kurz darauf schilderte, soll dies nicht das erste Mal gewesen sein, dass der 52-Jährige aggressiv wurde.

Man habe versucht, ihm aus dem Weg zu gehen, „wir haben dort alle in Angst gelebt“ sagte die 47-Jährige. Vor ein paar Jahren hatte sie Anzeige erstattet, nachdem der Angeklagte sie wegen einer Beschwerde über nächtlichen Lärm in ihrer Wohnung angegriffen haben soll. Auch habe seine an Demenz erkrankte Mutter mehrfach um Hilfe gebeten, weil sie schlecht behandelt werde.

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