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Ärztekammer-Präsident und Uniklinik-Direktor

„Wir werden die vierte Impfung brauchen“

Münster

Von den Corona-Infizierten mit der Omikron-Variante kommen nur 0,8 Prozent ins Krankenhaus – bei Delta waren es bis zu vier Prozent. Dennoch fürchten Uniklinik und Ärztekammer, dass es bald eng wird in den Krankenhäusern. 

Von Gunnar A. Pier

Ein Symbol auf einer Intensivstation für Corona-Patienten weist auf den Covid-Bereich hin.  Foto: Sebastian Gollnow/dpa (Symbolbild)

Der neue Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Direktor der Universitätsklinik Münster (UKM) ist seit drei Wochen im Amt. Eins, erklärte Dr. Alex W. Friedrich am Freitag, ist ihm gleich aufgefallen, als er aus den Niederlanden ins Münsterland kam: „Ich war beeindruckt von der hohen Impfquote im Vergleich zu anderen Landstrichen.“ Sie sei Grund dafür, warum die Delta-Variante hier weniger präsent gewesen sei als anderswo. Aber ob das bei Omikron auch hilft? Zusammen mit Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, äußerte sich der UKM-Chef zur Corona-Lage.

Der neue Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKM, Prof. Alex. W. Friedrich, und der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Hans-Albert Gehle, haben ein Corona-Update zu verschiedenen Aspekten der Pandemie gegeben. Foto: UKM

Varianten: „Im Grunde haben wir zwei Epidemien“, erklärte Friedrich: Delta und Omikron. Das sei „verwirrend“. Während inzwischen 90 Prozent der Infizierten Omikron hätten, gebe es auf den Intensivstationen fast nur Delta-Fälle. Das belege, dass Omikron weniger schwere Verläufe verursache. Gehle ergänzte, dass Omikron-Patienten im Schnitt drei bis fünf Tage in der Klinik blieben, jene mit Delta sieben bis zehn Tage.

„Die Situation ist und bleibt angespannt“

Krankenhäuser: „Die Situation ist und bleibt angespannt“, erklärte Gehle. Zwar kämen nur 0,8 Prozent der Omikron-Infizierten ins Krankenhaus und bei Delta waren es bis zu vier Prozent – aber die explodierende Gesamtzahl stelle auch das „robuste Gesundheitssystem“ in Deutschland vor Probleme. Vermutlich seien es weniger die Intensivstationen als die normalen Stationen, die voll würden.

UKM-Chef verspricht „Raum zum Atmen“

4. Impfung

4. Impfung: Dr. Friedrich geht „davon aus, dass wir die in jedem Fall brauchen“. Die Erfahrungen in Israel, wo sie bereits fortgeschritten ist, zeigten, dass die Corona-Ausbreitung kaum gehemmt werde, es den Patienten aber besser gehe. Es gelte aber, den angepassten Impfstoff abzuwarten. Gehle betonte: „Wenn wir den Impfstoff haben, werden wir ihn in kürzester Zeit impfen müssen.“ Die Hausärzte stünden zwar bereit – „aber wir werden die Unterstützung der Impfzen­tren brauchen“.

Rat: Nicht absichtlich infizieren!

Infektion statt Impfung? „Nichts!“ sagt Gehle auf die Frage, was er davon hält, sich absichtlich mit Omikron zu infizieren, um nach einem vermutlich milden Verlauf immun zu sein. Eine überstandene Omikron-Infektion schütze nicht vor anderen Varianten. Friedrich warnte zudem vor dem möglichen Long-Covid-Syndrom.

Impfpflicht: „Haben wir die nicht schon und nennen sie nur nicht so?“, fragte Gehle. Er halte den aktuellen „Impfdruck“ für richtig – eine Pflicht aber nicht für zielführend: „Sie werden keinen Arzt finden, der einem Patienten gegen seinen Willen die Impfe setzt.“ Und: „Bei den absoluten Impfgegnern werden wir damit nichts erreichen.“

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