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Hirnforscher Hans-Christian Pape aus Münster wird Präsident der Humboldt-Stiftung

Wissenschaft geht nur international

Münster

Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung ist in Deutschland eine der wichtigsten Wissenschaftsorganisationen. Sie fördert die internationalen Beziehungen der deutschen Wissenschaft. Als ihr neuer Präsident wurde jetzt der Hirnforscher Prof. Hans-Christian Pape, Direktor des Instituts für Physiologie an der medizinischen Fakultät der Universität Münster berufen. Unsere Redakteurin Karin Völker sprach mit Pape über seine neue Aufgabe.

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Prof. Dr. Hans-Christian Pape, Direktor des Instituts für Physiologie der Universität, ist zum neuen Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung berufen worden. Foto: WWU

Der Präsident der Humboldt-Stiftung wird von einer hochrangigen Wissenschaftler-Kommission berufen. Waren Sie überrascht?

Pape: Man bewirbt sich ja nicht für dieses Amt, sondern wird von einer Findungskommission angesprochen. Ich habe in der Vergangenheit Aufgaben in Wissenschaftsorganisationen übernommen, zum Beispiel im Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft und im Wissenschaftsrat, wodurch die Findungskommission wohl auf mich aufmerksam geworden ist. Ich war allerdings doch sehr überrascht.

Sie betreiben an der Universität Spitzenforschung. Haben mit dem Leibniz-Preis und dem Max-Planck-Forschungs-Preis die am höchsten dotierten Wissenschaftspreise in Deutschland erhalten. Haben Sie als Präsident der Humboldt-Stiftung für Forschung noch Zeit?

Pape: Das wird mit Sicherheit ein Spagat. Einerseits möchte ich dieses Ehrenamt mit aller Konsequenz ausüben. Andererseits ist meine Forschung wie ein Lebenselixier, das ich nicht aufgeben werde. Ich repräsentiere ja schließlich in dem Amt die Wissenschaft auf einer internationalen Bühne, muss also auf der Höhe der Forschung und auf Augenhöhe mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bleiben. Hier unterstützen mich die Universität und die Medizinische Fakultät in vorbildlicher Weise – durch Entlastung von administrativen und anderen Aufgaben, so dass ich neue Freiräume erhalte. Ich sehe den Aufgaben in der Humboldt-Stiftung mit großer Freude und mit Spannung entgegen. Wir sind eine einzigartige Organisation, die die Internationalität der Wissenschaft fördert. Wissenschaft funktioniert nur international, der Wissensaustausch über Ländergrenzen und über Fachgrenzen hinweg ist ein Motor für Forschung und Entwicklung.

Und wie bewerkstelligt die Stiftung das genau?

Pape: Die Stiftung fördert untern anderem die sogenannten Humboldt-Professuren. Deutsche Hochschulen können an die Stiftung herantreten mit einer Forschungsfrage für die sich sehr gut aufgestellt sehen und hierfür  einen  hervorragend ausgewiesene Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler aus dem Ausland vorschlagen. Die Stiftung prüft das Vorhaben in einem Wettbewerbsverfahren, sie finanziert die Besten für eine begrenzte Zeit, und die Hochschule richtet eine entsprechende Professur ein. So wird dieses Forschungspotenzial an der Hochschule genutzt und gestärkt. Ein anderes Hauptaugenmerk unserer Stiftung liegt auf der Förderung von internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für eine begrenzte Zeit in einer Forschungseinrichtung in Deutschland ihrer Wahl; die Geförderten kehren dann in ihre Heimatländer zurück, bleiben untereinander und mit den Einrichtungen in unserem Land allerdings in dauerhaftem Kontakt. Wir fördern also  ein wissenschaftliches Netzwerk weltweit, ein Wissenschaftler-Leben lang. Das befördert den internationalen Wissensaustausch und stärkt das Ansehen Deutschlands und seiner Wissenschaft weltweit.

Die Arbeit ist also ein Hebel, um hochrangige Forschung an deutschen Hochschulen zu fördern, richtig?

Pape: Exzellenz in der Wissenschaft wird durch den wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch von Person zu Person getragen. Die Stiftung unterstützt keine Programme, sondern Personen. Humboldt-Stipendiaten wählen ihre Themen frei, die Stiftung macht keine Vorgaben.

Für Freiheit der Wissenschaft steht Alexander von Humboldt, der Namensgeber der Stiftung...

Pape: Ganz genau. Die Förderung der Unabhängigkeit und Freiheit wissenschaftlicher Arbeit ist ein Kernziel der Humboldt-Stiftung. Und dieser Punkt reicht weit über den Bereich der Wissenschaft hinaus, in die Politik und die Gesellschaft. Die Humboldt-Stiftung fördert ganz konkret mit der Philipp Schwartz-Initiative Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in ihren Heimatländern gefährdet oder bedroht sind.

Ist die Weltoffenheit und Toleranz, die ein solches Verständnis von Wissenschaft voraussetzt immer ausreichend gegeben?

Pape: Ich bin ja Angstforscher – und ich muss sagen, mir machen aktuelle Entwicklungen auf der Welt schon Sorgen. Die sich verbreitende Neigung wissenschaftliche Erkenntnisse nicht mehr als wahr anzuerkennen, ist so eine Tendenz. Auch, dass überall und auch bei uns Kräfte stärker werden, die auf Isolationismus setzen statt auf Internationalität, ist eine beängstigende Entwicklung.

Sie wollen hier gegensteuern?

Pape: Das muss ein Anliegen der Wissenschaft sein. Internationale Zusammenarbeit ist eine unverzichtbare Triebfeder der Wissenschaft, ohne sie kann die Wissenschaft nicht vorankommen, ist nicht wettbewerbsfähig. Die Wissenschaft ist damit eine Art Gegenmodell der genannten aktuellen Entwicklungen. Sie ist nicht nur offen für Neues, sie schafft neue Erkenntnisse von hoher Qualität, sie baut auf Vertrauen und Dialog international. Und genau das sollten wir in der Gesellschaft besser demonstrieren. Meine Arbeit als Wissenschaftler ist von Staat und Gesellschaft sehr gut gefördert worden, in dem neuen Amt glaube ich, etwas zurückgeben zu können. Das sehe ich als große Chance

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