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WN-Spendenaktion: Fahrräder für Geflüchtete

Werkeln für das Wir-Gefühl

Münster

Willkommen im Maschinenraum des Integrationsforums: In der Fahrradwerkstatt werden gespendete, defekte Fahrräder instandgesetzt und Flüchtlingen überlassen. Damit ausreichend Öl für die Maschine vorhanden ist, benötigt das Projekt Spendengelder.

Peter Hoerster (o.l.) arbeitet schon seit 2016 in der Fahrradwerkstatt des Integrationsforums an der Von-Esmarch-Straße (o.r.) mit. Auch Reza Sajadi (u.r.) ist Teil der zehnköpfigen Werkstatt-Crew. Der Afghane profitierte einst selbst von dem Projekt, nun hilft er mit. Foto: Pjer Biedserstädt

Noch eine halbe Umdrehung, dann sitzt die Mutter fest. Reza Sajadi zieht den 15er-Schlüssel behutsam zu sich, gibt dem Hinterrad mit der Hand noch einmal Schwung, um zu prüfen, ob es reibungslos zwischen den neuen Bremsklötzen läuft. Fertig. Kaum hat Sajadi das Fahrrad an seinen neuen Besitzer übergeben, liegt ein „neuer Patient“ auf seinem Tisch.

Die Fahrradwerkstatt in den Garagen an der Von-Esmarch-Straße in Gievenbeck ist so etwas wie die Herzkammer des Integrationsforums Münster. Hier werden mittwochs und freitags gespendete Räder instandgesetzt und als Dauerleihgabe an Geflüchtete ausgegeben. Teilhabe durch Mobilität – das ist seit 2015 das Ziel des Vereins.

Vom Hilfesuchenden zum Helfer

Reza Sajadi gehört schon seit vier Jahren zum zehnköpfigen, ehrenamtlichen Werkstatt-Team. Das Besondere: Der 2016 mit seiner Familie nach Münster geflüchtete Afghane wurde vom Hilfesuchenden zum Helfer. In der Hoffnung, ein Fahrrad zu bekommen, kam er einst zum Integrationsforum. Die dort geleistete Flüchtlingshilfe hat ihn so beeindruckt, dass der gelernte Schlosser kurzerhand mit einstieg. „Mir macht die Arbeit Spaß und es ist schön, anderen damit zu helfen“, sagt der Vater von vier Söhnen. Zwei von ihnen – Mohamad Ali Sajadi und Mohamad Javad Sajadi – sind ebenfalls zur Werkstatt gekommen, um ihren Vater zu unterstützen – beim Schrauben und mit Dolmetscher-Diensten.

Reza Sajadi (M.) mit seinen Söhnen Mohamad Ali Sajadi (l.) und Mohamad Javad Sajadi Foto: Pjer Biederstädt

Sie sind nicht die einzigen Geflüchteten, die in der Werkstatt mitarbeiten, aktuell packt auch ein Ukrainer regelmäßig mit an, wie Peter Hoerster erzählt. Der Münsteraner ist schon seit 2016 dabei und hat seither über 1000 Räder für Geflüchtete repariert. Er habe sich während der Flüchtlingswelle 2015 gefragt, wie er helfen könne. Als Mitbegründer einer Firma für Liegeräder sei die Leezen-Werkstatt das Naheliegendste gewesen.

Geldspenden für Ersatzteile benötigt

Bevor die gespendeten Fahrräder in der Werkstatt landen, müssen sie jedoch erst einmal abgeholt werden. Drei ehrenamtliche Mitarbeiter fahren zu den Spendern. „Noch besser ist es für uns aber, wenn die Spender die Räder zu uns bringen“, sagt Dirk Hache vom Vereinsvorstand. Danach werden die Räder erfasst, die Rahmennummern aufgeschrieben, Defekte notiert und bei der Polizei sichergestellt, dass es sich nicht um gestohlen gemeldete Leezen handelt.

Vier Projekte, ein Konto

Etwa 95 Prozent der gespendeten Räder seien defekt oder nicht verkehrssicher, sodass kleinere und manchmal auch größere Reparaturen nötig seien, erzählt Hoerster. „Birne, Bowdenzug, Bremsbelag – solche Sachen sind es meistens.“ Und genau für solche Ersatzteile, sind neben Fahrradspenden auch Geldspenden überlebenswichtig für den Verein.

Helfende Hände gesucht

Sind die Räder repariert, werden sie an der Ausgabe, direkt neben der Werkstatt, an Geflüchtete abgegeben. Die Neu-Münsteraner werden namentlich registriert, dann dürfen sie auf ihren neuen Leezen losradeln.

Hoerster freut sich jedes Mal, wenn er dabei geholfen hat, jemandem mit einem Fahrrad etwas mehr Teilhabe am Leben in Münster ermöglicht zu haben. Dafür gebe es meistens „ein Lächeln als Lohn“ von den dankbaren Abnehmern, so Hoerster.

Neben Geldspenden freut sich der Verein auch über neue Helferinnen und Helfer sowie über Fahrradspenden. Kontakt unter 0176/50 69 20 12 oder info@­integrationsforum-muenster.de.

Ein Flüchtling schaut genau hin, als sein zukünftiges Fahrrad verkehrssicher gemacht wird. Foto: Pjer Biederstädt
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