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WN-Spendenaktion: Näherinnen

Eine Stimme für die Näherinnen

Münster

Wie die Lebenswirklichkeit in Mittelamerika aussieht, ist in Münster und auch generell in Deutschland wenig bekannt. Das zu ändern, hat sich die Christliche Initiative Romero vorgenommen.

Sie werden nicht müde, die Menschen in Münster und Umgebung über die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in Mittelamerika zu informieren (v.l.): Felizia Göltenboth, Maria Wilmer, Sandra Dusch Silva und Joana Eink von der Christlichen Initiative Romero. Foto: Klaus Baumeister

Hand aufs Herz: Die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in mittelamerikanischen Textilfabriken stehen auf der Liste der Top-Themen, über die Menschen in Münster gern mehr erfahren möchten, nicht an oberster Stelle.

Wenn der Blick ins Ausland fällt, dann meist in die Ukraine, wo Russland einen Angriffskrieg führt. Auch die Proteste gegen das Mullah-Regime im Iran oder die Menschenrechtssituation im autoritär geführten China finden eine mediale Aufmerksamkeit. Und wenn es um Hunger und Not in dieser Welt geht, ist oft von Somalia, Sudan oder Syrien die Rede.

„Er war die Stimme der Armen“

Aber Näherinnen in Mittelamerika? Joana Eink, Maria Wilmer, Sandra Dusch Silva und Felizia Göltenboth kennen diese Mühsal und arbeiten unverdrossen daran, dass sich unser Blick weitet. Die vier sind beschäftigt bei der Christlichen Initiative Romero (CIR), die ihren Sitz an der Schillerstraße nahe des Hauptbahnhofs in Münster hat. Die CIR ist eine christlich geprägte, aber kirchenunabhängige Nichtregierungsorganisation.

Benannt ist sie nach Oscar Romero, dem Erzbischof von El Salvador, der 1980 ermordet wurde. „Er war die Stimme der Armen“, erklärt Referentin Sandra Dusch Silva. In der Tradition ihres Namensgebers versuche die CIR, die Stimme der Näherinnen zu sein. Bildungsarbeit in Deutschland, wenn es beispielsweise um die Ungerechtigkeit des internationalen Textilhandels gehe, und die Unterstützung der Näherinnen in Mittelamerika seien deshalb untrennbar miteinander verbunden. „Es reicht nicht für ein Leben in Würde“, bringt Dusch Silva die Lebenssituation der Frauen auf den Punkt.

Niedriger Arbeitslohn – geringer Arbeitsschutz

Konkret gilt das Engagement den Arbeiterinnen in den großen Textilfabriken in El Salvador, Honduras, Nicaragua und Guatemala. Diese Fabriken, Maquilas genannt, führen Auftragsarbeiten für große internationale Modelabels durch, nicht zuletzt deshalb, weil die Lohnkosten und der Arbeitsschutz sehr niedrig sind.

Vier Projekte, ein Konto

Deutsche über die Probleme mittelamerikanischer Textilfabriken zu informieren, ist schon eine echte Herausforderung. Hinzu kommt noch der Anspruch, die Stellung der Frauen in den mittelamerikanischen Gesellschaften zu verbessern.

Arbeiterinnen leiden mehr als Arbeiter

„Die Situation der Frauen ist prekärer als die der Männer“, so die Referentin. Innerhalb der Fabrik-Hierarchie stünden sie unter den Männern, überdies liege die Betreuung der Kinder und älterer Familienangehöriger nahezu ausschließlich in ihrer Zuständigkeit, die klassische Doppelbelastung.

„Der Gesundheitsschutz ist katastrophal“, beschreibt Maria Wilmer die Situation in den Fabriken. Keine Fluchtwege, keine Feuerlöscher, keine funktionierende Belüftung, um in den staubigen Hallen vernünftig atmen zu können.

Das sind Informationen, die in Deutschland kaum bekannt sind. Und mit denen mancher in Münster auch nicht konfrontiert werden möchte. Doch sie werden in die Öffentlichkeit getragen – dank der Christlichen Initiative Romero.

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