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WN-Spendenaktion: Obdachlose

Anlaufstelle in der Not: Vitamine, Wäsche und eine Dusche

Münster

In den Vereinsräumen von „draußen!“ haben hilfsbedürftige Menschen unter anderem die Möglichkeit, ein Badezimmer zu nutzen. Doch es gibt einen Haken.

Sascha Dürmaier hilft ehrenamtlich beim sogenannten Brunch mit, den der Verein „draußen!“ hauptsächlich mit Lebensmitteln auf die Beine stellt, die andernorts durchs Raster gefallen sind. Foto: Björn Meyer

Das Straßenmagazin „draußen!“ kennt beinahe jeder in Münster, doch das monatliche Heft, mit dessen Verkauf sich bedürftige Menschen bei jedem Wetter ein paar Euro dazuverdienen, ist längst nicht alles, was der gleichnamige Verein in der Von-Kluck-Straße für diejenigen auf die Beine stellt, die sonst nicht viel haben.

Zwei Mal in der Woche etwa wird warm gekocht, jeden Donnerstag gibt es zudem einen sogenannten Brunch. Brunch? Das klingt nach Laisser-faire, nach großer kulinarischer Auswahl und Sektgläsern. Doch dieser Brunch läuft ein bisschen anders ab, als es viele Münsteraner vielleicht gewohnt sind. Aufgetischt wird hier vor allem, was andere übrig lassen. Und dafür bedarf es erstmal einer Menge ehrenamtlichen Einsatzes.

Gratis-Lebensmittel reichen nicht immer

Zum Beispiel dem von Sascha Dürmaier, der mittwochs hilft, den Aufschnitt vom Markt zu besorgen. Der ist umsonst, denn „draußen!“ bekommt dort das, was nicht in den Verkauf geht, also den Verschnitt. Kleine Stücke und Scheibchen Käse etwa sind an einem Donnerstag Anfang Dezember in dem kleinen Schälchen auszumachen, das auf der Theke in der Von-Kluck-Straße steht.

Donnerstags, kurz vor dem Brunch bringt Paulina, eine weitere Ehrenamtliche, Lebensmittel aus der „fairTeilbar“. Je nachdem, wie ergiebig das Gratis-Angebot ist, muss zugekauft werden, erklärt „draußen!“-Geschäftsführerin Anke Käfer.

Vier Projekte, ein Konto

Doch die Lebensmittel, die den Menschen in den kleinen Räumen des Vereins zur Verfügung gestellt werden, sind nicht der einzige Grund, warum die Von-Kluck-Straße eine wichtige Anlaufstelle ist.

In der Mitte des Aufenthaltsraumes führt eine kleine Treppe in den Keller. Dort findet sich neben Regalen mit abgegeben Spenden ein Bad sowie ein Raum mit ei­ner Waschmaschine. Hierhin können sich hilfsbedürftige Menschen für die Körperhygiene zurückziehen, nur die Waschmaschine darf nicht mehr alleine bedient werden. „Erfahrungswerte“, sagt Anke Käfer achselzuckend.

Wasser steht vor der Toilette

Doch die Waschmaschine ist in diesem Keller nicht wirklich das Problem – es ist der Keller selbst. „Stand Wasser vor der Toilette?“, fragt Anke Käfer, als der Redakteur das erste Mal allein den Nassbereich anschaut. Stand nicht. Passiere aber öfter, versichert die „draußen!“-Geschäftsführerin, um dann gleich eine ganze Reihe weiterer Missstände in dem Raum aufzuzählen.

Einige sieht man auf den ersten Blick. Ein paar stillgelegte Rohre ragen in den Raum, daneben ist ein Loch in der Wand notdürftig geflickt. Andere bauliche Sorgen liegen tiefer und sind um so komplizierter.

Feuchte Wand, Sanierung notwendig

Nebenan in einem Lagerraum würde der Verein gerne einen weiteren Arbeitsplatz einrichten, denn die Räumlichkeiten in der Von-Kluck-Straße sind, das ist an beinahe jeder Stelle zu merken, beengt. Doch der Arbeitsplatz wird wohl erst einmal nicht kommen. Die Außenwand ist erkennbar feucht – vorsichtig formuliert.

„Hier kann niemand arbeiten“, sagt Käfer. Und genau hier, im Keller der Vereinsräumlichkeiten, will der Verein mit dem Geld aus der Spendenaktion daher ansetzen. Oberste Priorität habe die komplette Sanierung des Badezimmers.

„Wenn noch Geld übrig bleiben würde, hätten wir eine ganze Menge weiterer Dinge, die gemacht werden müssen“, sagt Anke Käfer.

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