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So entsteht das monatliche Straßenmagazin „draußen!“

Münster

Wohl jeder in Münster kennt das Straßenmagazin „draußen!“. Aber wie entstehen die Ausgaben des Magazins eigentlich Monat für Monat neu? Und welche Aufgaben warten auf den verantwortlichen Redakteur? Ein Besuch an einem nicht ganz normalen Arbeitsplatz.

Oliver Brand ist seit drei Jahren der Redakteur hinter dem Straßenmagazin „draußen!“. Foto: Björn Meyer

Jeder Münsteraner hat die Verkäufer des Straßenmagazins „draußen!“ an der einen oder anderen Stelle in der Stadt schon mal gesehen. Wie das Magazin, das von hilfsbedürftigen Menschen verkauft wird, allerdings genau entsteht, wissen nur wenige.

Seit drei Jahren ist Oliver Brand für die redaktionellen Belange verantwortlich. Brand ist Profi, einst als freier Mitarbeiter und Volontär in Münster im Einsatz, war er anschließend Redakteur bei einer Tageszeitung im Ruhrgebiet. Ganz bewusst bewarb er sich schließlich vor etwas mehr als drei Jahren bei der „draußen!“. „Ich wollte einfach mal was anderes machen“, sagt Brand.

Am Anfang fehlte das Passwort

Drei Jahre später hat sich bei der „draußen!“ einiges verändert. Brand übernahm nicht nur das Texten, sondern überarbeitete auch das Layout. Mit einem süffisanten Lächeln erinnert er sich an die Anfänge seiner Tätigkeit in der Von-Kluck-Straße 15, wo der Verein, der hinter dem Straßenmagazin steht, seine Räumlichkeiten hat.

„An meinem ersten Tag wusste niemand das Passwort für meinen Arbeits-PC“, berichtet der heute 47-Jährige. Abschrecken ließ er sich davon jedoch nicht – aus Überzeugung: „Ich fand das Projekt einfach sehr lobenswert“, begründet er.

Besonderes Zeitung machen

Seitdem besteht seine Aufgabe darin, jeden Monat ein neues Magazin fertigzustellen. Mit Themen, die gerne aus dem sozialen Bereich stammen können, aber nicht müssen. „Ich habe da eine große Freiheit“, benennt Brand einen Aspekt an seiner Arbeit, der ihm besonders viel Freude bereitet.

Vier Projekte, ein Konto

Im abgeschirmten Büro Zeitung machen – so darf man sich den Job des „draußen!“-Redakteurs allerdings nicht vorstellen. „Ich komme schon viel mit den Menschen hier in Kontakt“, erzählt er. Da gelte es auch schon mal, beim Verkauf der Zeitungen mitzuhelfen, Spenden anzunehmen oder auch einfach nur bei einer Tasse Kaffee mit den Menschen, die beim Verein ihre „Anlaufstelle“ haben, über die Belange, die sie bewegen, zu sprechen.

Dabei könne der Ton hin und wieder „etwas rauer sein“, sagt Brand mit einem Achselzucken. Der Grund dafür, dass er sich im kommenden Jahr nun einer neuen beruflichen Herausforderung stellt, ist das aber nicht – ganz im Gegenteil: „Ich werde die Menschen hier vermissen.“

Pool an freien und ehrenamtlichen Autoren

Die Texte der „draußen!“ schreibt aber nicht nur Brand. Immer Mitte des Monats, wenn die Ausgabe für den kommenden Monat in den Druck geht, schreibt der verantwortliche Redakteur einen kleinen Pool an Autoren an, vergibt Themen oder nimmt Vorschläge entgegen. Dann beginnt die Recherche für die 40 Magazinseiten, die es zu füllen gilt.

Nur wenige Standards, wie die fest vergebene Gartenseite oder die zur Stadtgeschichte, finden sich monatlich in der „draußen!“. Die meisten Themen gilt es immer wieder neu aufzuspüren.

Ein Unterschied dabei zu Brands vorherigem Job: „Die Texte sind länger als in der Tageszeitung“, sagt Brand, der diesen zur Verfügung stehenden Raum genießt.

Oliver Brand

Nur eine Sache bedauert er: Denn ursprünglich sei mal angedacht gewesen, den hilfsbedürftigen Menschen mit dem Magazin direkt eine Stimme zu verleihen. Das gelinge nicht immer im gewünschten Maße. „Viele Betroffene sind medienscheu“, sagt Brand und schiebt hinterher: „Ich kann das natürlich verstehen.“

Trotzdem macht es Brand am meisten Freude, wenn er diejenigen in den Mittelpunkt seiner Themen rücken kann, die sonst oft außen vor sind. Diejenigen also, die das Magazin Monat für Monat verkaufen.

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