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Wie „draußen!“-Verkäufer an ihre Straßenmagazine kommen

Münster

Jeder in Münster hat sie schon mal gesehen, die Verkäufer des Straßenmagazins „draußen!“. Doch wie kommen die Verkäufer eigentlich an ihre Zeitungen – und wie viele verkaufen sie so? Wir haben es uns angeschaut.

Die personelle Situation des Vereins „draußen!“ ist eng. Daher muss auch schon mal Oliver Brand (r.), der eigentlich für die redaktionelle Arbeit beim Straßenmagazin „draußen!“ verantwortlich ist, beim Verkauf an die Straßenverkäufer mithelfen. Foto: Björn Meyer

An einem freundlichen Novembermorgen, einen Tag nach Allerheiligen, stehen um kurz nach 10 Uhr rund ein Dutzend Personen vor dem unscheinbaren Gebäude in der Von-Kluck-Straße 15. Hier residiert „draußen!“, ein Verein, der Anlaufstelle für Wohnungslose und Hilfsbedürftige ist, dessen Name der breiten Masse aber vor allem durch das gleichnamige Straßenmagazin bekannt ist, das überall im Stadtgebiet und darüber hinaus durch hilfsbedürftige Menschen verkauft wird und an jedem ersten Werktag im Monat neu erscheint.

Einer der Verkäufer des Straßenmagazins ist Constantin Romanescu. Der gebürtige Rumäne erzählt an diesem Morgen, er lebe bereits seit 16 Jahren in Deutschland. Und nicht nur für sich selbst, auch für seine Familie nimmt er an diesem Morgen kartonweise Straßenmagazine zum Einkaufspreis von 1,10 Euro mit, die er später für den Straßenverkaufspreis von 2,10 Euro verkaufen möchte. Jedenfalls noch, denn bald werden die Preise wegen gestiegener Kosten sowohl für die Verkäufer als auch die Endkunden angehoben.

Ein Euro Gewinn pro verkaufter Zeitung

Ein Nebeneffekt: Für den Verkäufer soll pro Ausgabe dann mehr hängenbleiben. Noch ist es ein Euro pro verkaufter Zeitung – wenn denn alle erworbenen Exemplare auch verkauft werden. Ein Geschäft wortwörtlich dazu geschaffen, hilfsbedürftige Menschen dabei zu unterstützen, ihre Würde zu bewahren.

Vier Projekte, ein Konto

Romanescus Landsmann Jordak Kostl, der angibt seit elf Jahren in Deutschland zu leben, erzählt an diesem Morgen aber auch von den Schwierigkeiten, mit denen die Verkäufer schon mal zu leben haben. Nicht immer sei es etwa selbstverständlich, an den vom Verein zugewiesenen Plätzen das Straßenmagazin anzubieten. Mitunter komme es demnach vor, dass ein neuer Filialleiter weniger davon begeistert ist, was der alte noch ohne Einwände erlaubte.

Nicht überall sind die Verkäufer willkommen

Anke Käfer, Geschäftsführerin bei „draußen!“, erklärt dazu, dass der Verein die Gespräche mit den Geschäften und Supermärkten übernehme, um abzustimmen, wo sich Verkäufer des Straßenmagazins positionieren dürfen. In der überwiegenden Zahl der Fälle werde das auch gestattet. Doch nicht überall sei man erwünscht. Auf der Hiltruper Marktallee etwa habe man kein Geschäft ausfindig machen können, dass einen Verkäufer willkommen geheißen habe.

Dabei haben diese sich an klare Regeln zu halten. Aufdringlich etwa dürfe niemand werden, auch Wechselgeld gelte es bereitzuhalten und natürlich sei es selbstverständlich, dass nur nüchtern verkauft werde, betont Käfer.

Anke Käfer

Immer wieder rattert an diesem Morgen die Geldzählmaschine in den „draußen!“-Räumlichkeiten. „Viele der Verkäufer kommen mit sehr viel Kleingeld“, sagt Anke Käfer mit einem Wink Richtung Maschine. Dabei sei die Menge, die ein Einzelner mitnehme, ganz unterschiedlich. Manch einer kaufe Hunderte Zeitungen, andere kämen wegen weniger Exemplare gleich mehrfach am Tag, erzählt Käfer. Ganz individuell also, so wie das Geld eben reicht – jeden Monat aufs Neue.

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