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WN-Spendenaktion: Ruanda

Damit Teenager-Mütter eine Zukunft haben

Ostbevern

„Mama Courage“ ist ein Sozialprojekt, dass jungen alleinerziehenden Mütter in Ruanda eine berufliche Zukunft für sich und ihre Kinder ermöglicht. Denn in Ruanda werden jährlich rund 20.000 Mädchen im Alter von elf bis 18 Jahren schwanger – oft ungewollt.

Bei dem Projekt „Mama Courage“ lernen junge, alleinerziehende Mütter nähen, um so auf eigenen Beinen stehen zu können. Foto: Privat

In Ruanda werden jedes Jahr rund 20 000 junge Mädchen im Alter von elf bis 18 Jahren schwanger. Dabei sind die Umstände die zu frühen und ungewollten Schwangerschaften führen, vielfältig. Allerdings spielt Armut und mangelnde Bildung eine wesentliche Rolle. Die wenigsten Teenagermütter haben eine abgeschlossene Schulausbildung und damit in der Regel keine Chance auf Arbeit oder die Möglichkeit, einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten.

„Spätestens zur Geburt des Kindes brechen die meisten die Schule ab“, sagt Janine Frönd, erste Vorsitzende des Vereins „1000 Hügel“. Grund genug für die Mutter aus Ostbevern, mit ihren Mitstreitern an dieser Stelle ein ganz besonderes Projekt zu initiieren: „Mama Courage“.

Mindestens eine warme Mahlzeit für den Nachwuchs

Unter diesem Namen hat der Verein ein Haus eröffnet, in dem junge Mütter zu Näherinnen ausgebildet werden, um so selbstständig für sich sorgen zu können. Bei „Mama Courage“ gibt es ein besonderes Konzept. „Wir arbeiten bedarfsorientiert“, sagt Janine Frönd. Will heißen: Die Unterrichtszeiten kommen den Müttern entgegen. „Sie können sich aussuchen, ob sie lieber vormittags oder nachmittags kommen“, sagt die Vorsitzende. Außerdem können die Schülerinnen ihre Kinder mitbringen. Und nicht nur das. Die Kleinen werden bei „Mama Courage“ rundum versorgt. „Sobald sie nicht mehr gestillt werden, kommt es häufig zu Mangelernährung“, weiß Janine Frönd. So gibt es für den Nachwuchs täglich mindestens eine warme Mahlzeit, Porridge, Milch und Obst.

Ein Konzept mit Erfolg: „Es hat noch niemand die Ausbildung abgebrochen“, so Frönd, der gerade die Kinderbetreuung und -versorgung am Herzen liegt. Denn dadurch sei die Ausbildung der Mütter gesichert.

Der Hilfebedarf ist riesig

Insgesamt dauert die Ausbild bei „Mama Courage“ sechs Monate. Ursprünglich sei die Planung einmal anders gewesen – länger, wie Frönd erzählt. „Aber der Bedarf ist so riesig, da sollen möglichst viele partizipieren.“ Auf dem Stundenplan der jungen Mütter – ab 16 Jahren können sie zum Projekt kommen – steht jedoch nicht nur das Fach Nähen. Je nach Wissens- und Ausbildungsstand werden die Frauen in verschiedene Gruppen aufgeteilt. „Einigen fehlen wirklich noch ganz grundlegende Basics“, weiß Frönd. So werde Mathe und Englisch ebenso unterrichtet, wie Verhandlungstaktik, Kalkulation, in Grundzügen Bilanzrechnung und kaufmännische Grundregeln.

Vier Projekte, ein Konto

Nach den sechs Monaten gebe es auch eine schriftliche und eine praktische Abschlussprüfung. „Da muss eine Art Meisterstück gefertigt werden“, erklärt die erster Vorsitzende, die bei einem Besuch selbst völlig verblüfft war, denn „die Stücke sahen aus wie aus dem Laden.“ Und sie schiebt sogleich hinterher: „Ich bin mega stolz, dass die Mütter das so rocken.“

Gewalterfahrungen keine Seltenheit

Im Mai diesen Jahres sei die offizielle Eröffnung in dem umgebauten Einfamilienhaus gefeiert worden. Der erste Jahrgang habe aber schon 2021 dort beginnen können.

Neben der schulischen Ausbildung, biete „Mama Courage“ aber noch mehr. „Viele der jungen Mütter fühlen sich allein gelassen. Sie werden stigmatisiert und sind gesellschaftlich nicht anerkannt“, sagt Frönd. Auch Gewalterfahrungen seien keine Seltenheit. Deswegen gebe es innerhalb des Projektes auch Therapieangebote und Informationen zur HIV-Prävention, zur Familienplanung und zur Hygiene – hier im speziellen unter dem Stichwort „Wie pflege ich mein Kind“. Auch Kochkurse mit Obst und Gemüse aus dem hauseigenen kleinen Garten ergänzen das Angebot.

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