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Hochwasserschutz und Hilfe in betroffenen Gebieten

Wo Münster sieben Jahre nach dem „Jahrhundert-Regen“ steht

Münster

Ein Unwetter hat am 28. Juli 2014 in Münster kleine Gewässer in reißende Flüsse verwandelt, Keller  geflutet und Menschenleben gekostet. Sieben Jahre später blickt die Stadt auf das, was seitdem passiert ist - und hilft aktuell dort, wo die Not nach der Hochwasserkatastrophe besonders groß ist.

 

Viele Menschen in Münster waren am 28. Juli 2014 von den schweren Regenfällen betroffen. Es kam zu teils schweren Unfällen, Keller und Wohnungen wurden überflutet. Foto: Matthias Ahlke (Archivbild)

Aachen, Hagen, Wuppertal – zerstörte Existenzen, unermessliches Leid und Bilder einer Naturkatastrophe, die sich einprägen. "Leid lässt sich nicht in Zahlen bemessen", sagt Oberbürgermeister Markus Lewe, "unsere Erfahrungen von 2014 haben uns besonders sensibilisiert. Wir haben damals aber auch erlebt, dass man in schweren Zeiten auf die Unterstützung vieler Menschen bauen kann. Es steht außer Frage, dass Münster helfen wird, wo es nur eben möglich ist."

Damals – das war der 28. Juli 2014, also vor genau sieben Jahren. 292 Liter Regenwasser pro Quadratmeter sind da laut einer städtischen Pressemitteilung binnen weniger Stunden über Münster gefallen - es war das sogenannte "Jahrhundert-Unwetter". Der Vergleich mit den heute betroffenen Gebieten hinkt. Die Folgen sind weitaus dramatischer.

Münsteraner helfen im Hochwasser-Gebiet

Zahlreiche Münsteranerinnen und Münsteraner haben in den vergangenen Tagen nicht nur Kleider- wie Sachspenden geleistet und mit Geldspenden aus der Ferne unterstützt, sondern auch aktiv vor Ort mit angepackt. Zu den ersten Helfenden in der Städteregion Aachen und Eschweiler gehörte am 14. Juli die Feuerwehrbereitschaft Warendorf/Münster.

Ihre Betätigungsfelder wurden den 22 Frauen und Männern aus Münster direkt zugeteilt. "In unserem Einsatzbereich hatten wir weder eingestürzte Gebäude, noch vermisste oder tote Menschen zu beklagen", sagt Marc Greshake, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr und selbst vor Ort, in einer Pressemitteilung, "aber der überwiegende Teil der Einsatzstellen war so arbeitsintensiv, dass die Schichten bis zu ihrer Ablösung oft nicht mal einen Straßenzug bewältigt hatten. Vieles ähnelte dem münsterschen Hochwasser von 2014."

600 Tonnen Sperrgut von den Straßen geholt

Das bestätigen auch die 25 Mitarbeitenden der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM), die am vergangenen Wochenende umfangreiche Unterstützung in Krisenregionen geleistet haben. In einer gut vorbereiteten Aktion kamen in Hagen und Wuppertal elf münsterische Fahrzeuge (Sperrguttransporte und Hakenlifte) zum Einsatz.

Rund 600 Tonnen Sperrgut wurden nach Angaben der Stadt am Samstag und Sonntag von den Straßen geholt und abgefahren – also etwa ein Zehntel des münsterschen Jahresschnitts. "Zum Teil sind unsere Anhänger auch von Anwohnenden und Helfenden vor Ort beladen worden", sagt Manuela Feldkamp, Sprecherin der AWM. Aktuell befinde man sich in Abstimmung ob eines möglichen weiteren Einsatzes in Hagen und Wuppertal.

Diesen Eigenschutz empfiehlt die Stadt Münster

Selbstlose Hilfe 2014 für Münster

Ebenfalls im Hilfseinsatz sind immer noch zwei Mitarbeitende des städtischen Kanalbetriebs – in Swisttal unterstützen sie mit einem Kanalreinigungsfahrzeug und einem Transporter bei der Kanalreinigung. Vorgesehen ist die tatkräftige Unterstützung zunächst bis zur kommenden Woche, weitere Einsatzmöglichkeiten sind in Abstimmung.

"Auf selbstlose Hilfe in höchster Not konnte auch Münster nach den Unwettern in 2004 und 2014 vertrauen, die Unterstützung aus anderen Städten und Bundesländern war über Wochen hinweg immens", heißt es in der Mitteilung der Stadt. Trotzdem haben die damaligen Starkregenereignisse Narben in der hiesigen Stadtgesellschaft hinterlassen – selbst ein Jahr nach dem Jahrhundert-Unwetter waren die Folgen noch längt nicht alle bewältigt. "Ein vollständiger Schutz vor Wassermassen und schwerwiegenden Folgen ist schlicht nicht möglich", so die Stadtverwaltung. Denn: Für Wassermassen, wie sie 2014 auftraten, seien Kanäle nicht ausgelegt.

Diese Vorkehrungen hat die Stadt seit 2014 getroffen

Seit 2014 ist in Sachen Hochwasserschutz in Münster dennoch viel passiert. Die Stadt hat sieben Jahre nach dem Unwetter Beispiele aufgelistet, welche Vorkehrungen gegen Überflutungen getroffen wurden:

  • Beispiel Gewässer: Die Renaturierung von Gewässern dient neben der Wiederherstellung natürlicher Gewässerauen dem Erosionsschutz sowie dem Hochwasserrückhalt. Aa, Canisiusgraben, Hunnebecke, Igelbach und Edelbach wurden ökologisch verbessert, mit Retentionsräumen (also Überschwemmungsbereichen) versehen, vielfach Durchlässe vergrößert oder Entrohrungen vorgenommen.
  • Beispiel Kanalsanierung: In den am schwersten betroffenen Bereichen wurde die Kanalisation nachberechnet und für folgende Straßen bereits vergrößert: Kanalstraße, Peter-Wust-Straße/Wilhelmstraße, Im Hagenfeld, Eimermacherweg, Ohmweg oder auch Adolf-Reichwein-Straße. Die Reinigung der Straßenabläufe wurden in Folge des 2014er Unwetters deutlich erhöht.
  • Beispiel Ausbau Pumpwerke: Pumpwerke und Kläranlagen wurden umgebaut mit dem Ziel der Erhöhung der Betriebssicherheit bei Starkregen.
  • Beispiel Überwachung: An einigen problematischen Gewässern (so Igelbach, Hunnebecke und Aa) wurden Pegel eingebaut, die zur Information der Anliegenden dienen, aber auch die Betriebsabläufe stützen. In kritischen Infrastrukturbereichen ist eine Online-Überwachung mit Alarmierungssystem im Aufbau; Messstellen zur Niederschlags- und Durchflussmessung liefern überdies stadtweit verlässliche Ergebnisse. Eine entsprechende Software unterstützt mit diesen Echtdaten die hiesigen Simulationsmodelle und erlaubt realitätsnahe Aussagen zum Überflutungsschutz, die dann wiederum zur weiteren Optimierung der Gegenmaßnahmen beitragen.
  • Beispiel Baugebiete: Regenwasser-Bewirtschaftungskonzepte bei Neuerschließungen und Nachverdichtungen sorgen nach dem Prinzip der sogenannten "Schwammstadt" dafür, dass Niederschlagswasser versickern und verdunsten oder auch verzögert oberflächig abfließen und in Mulden zwischengespeichert werden kann – somit nicht direkt in den Kanal abgeleitet wird. "Diese Konzepte entzerren das Ungleichgewicht zwischen den Extremwetterlagen und verbessern das Mikroklima", sagt Berthold Reloe vom Amt für Mobilität und Tiefbau. Beispielhaft seien hier die Konversionsflächen auf dem Gelände der Oxford-Kaserne genannt. Auch das neue Wohnquartier auf dem ehemaligen Beresa-Grundstück an der Weseler Straße verfügt über genannte und so vorgeplante Retentionsräume.
  • Beispiel Kooperationen: Über verschiedene Projekte (Bsp.: "Wasserrobuste Städte") und Klimapartnerschaften erfolgt ein steter Austausch zum aktuellen Stand der Forschung und zur möglichen Anpassung an Extremwetterlagen.

Darüber hinaus sind nach Angaben der Stadt weitere Maßnahmen in Planung - unter anderem die Neugestaltung der Innenstadt-Aa.

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