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Häusliche Gewalt

Zehn Prozent mehr Beratungen beim Frauennotruf in der Pandemie

Münster

Im Corona-Lockdown steigt die Gefahr häuslicher Gewalt – das ist die Befürchtung vieler Fachleute. Die Beratungsstelle Frauennotruf Münster hat jetzt ihre Jahresbilanz veröffentlicht.

Karin Völker

Gerlinde Gröger leitet die Beratungsstelle Frauennotruf. Foto:

Nimmt die häusliche Gewalt gegenüber Frauen in der Zeit des Lockdowns zu? Gerlinde Gröger, Leiterin der Beratungsstelle Frauennotruf Münster, hat im Corona-Jahr während der Lockdown-Phasen beobachtet, dass sich zunächst weniger Frauen melden – in den Öffnungsphasen die Beratungsgesuche aber wieder signifikant zunahmen. Insgesamt hat der Frauennotruf im vergangenen Jahr 1442 Beratungen und damit 130 und knapp zehn Prozent Gespräche mehr geführt als im Vorjahr. Die Zahl der Klientinnen, die Hilfe suchten, blieb aber mit 305 Frauen und Mädchen ab 14 Jahren in etwa gleich, so Gröger.

Damit decken sich die Erfahrungen der Beraterinnen des Frauennotrufs mit denen anderer Beratungsstellen, die schon Ähnliches berichtet haben. Gröger findet es nachvollziehbar, dass betroffene Frauen sich nur schwer melden und per Video längere Beratungsgespräche führen können, wenn Kinder und eventuell auch der Partner, von dem Gewalt ausgeht, ebenfalls in der Wohnung sind.

Sexualisierte Gewalt geht oft vom Partner aus

Der Grund, warum Frauen und Mädchen die Nummer des Frauennotrufs wählten, war 2020 in 53 Prozent aller Fälle eine erlebte Vergewaltigung, heißt es im gerade veröffentlichten Jahresbericht der Beratungsstelle. 22 Prozent aller ratsuchenden Frauen kamen aufgrund eines zurückliegenden oder aktuellen sexuellen Missbrauchs, 17 Prozent der Klientinnen haben sexuelle Belästigung erfahren, und sechs Prozent aller Anfragen bezogen sich auf Vergewaltigungen im Zusammenhang mit K.o.-Tropfen.

Sexualisierte Gewalt, so die Erfahrung der Beraterinnen, findet zum überwiegenden Teil im sozialen Nahbereich statt. Fast die Hälfte (48 Prozent) aller betroffenen Frauen erlebte sexualisierte Gewalt in der Ehe, Partnerschaft und Familie. Über ein Drittel (35 Prozent) der Taten ereignete sich zudem im nahen sozialen Umfeld der Betroffenen, so der Bericht. Lediglich in acht Prozent der Fälle handelte es sich um einen fremden Täter, so Gröger.

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