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Schwester-Laudeberta-Weg offiziell benannt

Zivilcourage am Ufer der Aa

Münster

Der Seitenweg entlang der Aa hat seit Dienstag einen echten Straßennamen. Der Schwester-Laudeberta-Weg hat zwar keine einzige Hausnummer, steht aber für eine elementare Botschaft.

Von Karin Völker

Der Aa-Seitenweg zwischen Petrikirche und Siegelkammer heißt Jetzt Schwester-Laudeberta-Weg. Der Großneffe der für ihre Zivilcourage geehrten Ordensschwester, Johannes Bakthesen (vorn mit Fahne), enthüllte das Straßenschild Foto: Oliver Werner

Den Zaun auf der Mauer zum Bischofsgarten am Aa-Seitenweg, der heute ungebetene Besucher weitgehend fernhält, stand vor gut 80 Jahren noch nicht. Sonst wäre es für die Clemensschwester Laudeberta am Abend des 2. August 1941 schwer geworden, zum Bischof und späteren Kardinal von Galen zu gelangen, um ihm vom Vernichtungsfeldzug der Nazis gegen Behinderte zu erzählen.

Laudeberta war damals Stationsleiterin in der westfälischen Provinzialheilanstalt Marienthal – und wähnte viele ihrer Patienten ganz zurecht durch das Euthanasie-Programm der Nazis in Lebensgefahr. In Lebensgefahr begab sie sich auch selbst, als sie – längst unter Beobachtung der NSDAP – am späten Abend an der Aa entlang in den Bischofsgarten schlich, um von Galen davon zu berichten, dass in den nächsten Tagen wieder Kranke deportiert werden sollten. Der Bischof hielt tags darauf seine berühmte Predigt, in der er gegen die Ermordung geistig Behinderter und psychisch Kranker seine Stimme erhob.

Neuer Weg hat keine einzige Hausnummer

Die Geschichte kennt Johannes Balthesen, Großneffe und Patensohn der mutigen Ordensschwester, von Laudeberta selbst. Am Dienstag war Balthesen aus seinem hessischen Wohnort nach Münster gereist, um ein neues Straßenschild zu enthüllen. Der Aa-Seitenweg heißt jetzt „Schwester-Laudeberta-Weg“. Auch wenn der neu benannte Weg keine einzige Adresse hat – ein sehr wichtiger Weg sei er gleichwohl, wie Bischof Dr. Felix Genn und LWL-Landesdirektor Dr. Georg Lunemann übereinstimmend feststellten.

Schwester Laudeberta habe Zivilcourage und großen Mut bewiesen, so Lunemann. Wie viele Menschen Laudeberta vor der Ermordung rettete, ist nicht bekannt. Lunemann erinnerte daran, dass rund 2000 Patienten in der Vorläufer-Institution der heutigen LWL-Klinik durch das Euthanasie-Programm der Nazis ermordet worden seien.

Die Bezirksvertretung griff den Vorschlag auf

Die Idee, die mutige Ordensschwester zu ehren, hatte Dr. Markus Köster, heute Leiter des LWL-Medienzen­trums. Er freute sich bei der Einweihung über das große positive Echo. Die Bezirksvertretung (BV) Mitte griff den Vorschlag auf, alle Fraktionen unterstützten die Benennung des Aa-Seitenweges im Herzen der Altstadt.

Kai Meyer vor dem Esche sprach als Mitglied der BV und stellvertretender Bezirksbürgermeister davon, wie Schwester Laudeberta als „kleines Zahnrad“ das große Getriebe gestört habe – und so ein Beispiel gebe auch „für alle, die heute in einer Demokratie leben.“

Zur Person

„Die, die so was machen, sterben niemals aus“, zitierte Großneffe Johannes Balthesen seine Großtante. Sie habe ihm als jungem Mann kurz vor der Einberufung zum Dienst in der Bundeswehr von ihren Erfahrungen in der Nazizeit erzählt und gemahnt: „So was darf nie wieder passieren.“ Energisch sei sie gewesen, ein bisschen streng – „aber von großer Barmherzigkeit“.

Brücke zwischen Deutschland und den Niederlanden

Die gebürtige Niederländerin – ihr Heimatland wurde von den Nazis überfallen – habe keinen Hass gegen die Deutschen generell in sich getragen und so eine Brücke zwischen den Menschen beider Länder geschlagen, erinnerte Bischof Felix Genn. Auch der niederländische Honorarkonsul Dr. Eduard Hüffer freute sich, dass die Niederländerin Johanna van Hal alias Schwester Laudeberta in Münster geehrt wird. Ein QR-Code am Straßenschild liefert Informationen über sie.

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