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Versuch im Allwetterzoo

Ein Roboter im Ameisenbär-Gehege

Münster

Der Ameisenbär hat sein Gehege im Allwetterzoo für einen Roboter geräumt. Schlechte Nachricht für den Ameisenbären: So viel Aufmerksamkeit wie dem blutarmen Metallhund wurde ihm vermutlich noch nie zuteil.

Von Martin Kalitschke

Roboterhund „Yuki“ hielt sich zwei Tage lang im Ameisenbär-Gehege im Allwetterzoo auf. Die großen und kleinen Zoobesucher waren begeistert. Foto: Matthias Ahlke

Der jüngste Neuzugang im Allwetterzoo stammt aus den USA und wiegt bereits knapp 32 Kilogramm, obwohl er noch keine zwei Jahre alt ist. „Yuki“ – so sein Name – fristet sein Dasein als Einzelgänger und ernährt sich ausschließlich von Batteriestrom. Er ist nämlich kein Tier, sondern ein Roboter: 1,10 Meter lang und 61 Zentimeter hoch, programmiert von Informatikern der Fachhochschule (FH) Münster.

Am Dienstag und Mittwoch musste der Ameisenbär zwei Tage lang sein Gehege für Yuki räumen – im Namen der Wissenschaft: Die Informatiker wollten herausfinden, wie Roboter und Mensch aufeinander reagieren. Haben die Zoobesucher vor Yuki Angst – oder sind sie von ihm begeistert? Finden sie ihn süß – oder eher komisch? Die Ergebnisse sollen dabei helfen, Roboter wie Yuki in nicht allzu ferner Zeit zu hilfreichen Gefährten des Menschen zu machen, wie FH-Professor Dr. Gernot Bauer berichtet. Ihr Einsatz im Dienste von Polizei und Feuerwehr, für Geh- oder Sehbehinderte sei gerade mal eine Frage von zwei, vielleicht drei Jahren, schätzt der Informatiker.

Student half bei Bewegungen nach

In seinem Gehege schien sich Yuki jedenfalls pudelwohl zu fühlen. Er lief von einer Seite zur anderen, ging in die Knie und bäumte sich auf, nahm Drohgebärden ein, um sich im nächsten Moment ganz niedlich zu geben. Die Zoobesucher, egal welchen Alters, waren begeistert. Allein – nur einen kleinen Teil der Bewegungen führte der Roboter automatisch durch. Den Rest regelte ein gut versteckter Student per Fernsteuerung. Ja, sagt Bauer, man hätte noch mehr Verhaltensweisen programmieren können, aber das wäre dann doch sehr aufwenig gewesen.

Roboter macht schnell schlapp

Yuki ist übrigens mehr Lutscher als Beißer. Er läuft schnell heiß, braucht alle eineinhalb Stunden eine Pause, um mit einem frischen Akku ausgestattet zu werden. Dennoch dürfte er der vorübergehend wertvollste Zoobewohner gewesen sein: Eine sechsstellige Summe hat die FH für die Anschaffung des Roboters bezahlt, erzählt Bauer.

Mittwochabend gehörte das Gehege wieder dem Ameisenbären. Doch sowohl Zoo-Chefin Dr. Simone Schehka („Ein toller Versuch“) als auch Prof. Bauer können sich gut vorstellen, dass Roboterhund Yuki in den kommenden Monaten noch einmal im Allwetterzoo vorbeischauen und erneut für Begeisterung sorgen wird.

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