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WN-Spendenaktion: Förderverein ZNS

Zutrauen zum Leben fassen

Münster

Diagnose Hirntumor: Wie kann es danach weitergehen? Für Leonie Bergmann geht es auch dank der Hilfe durch den Förderverein ZNS weiter. Denn der half ihr dabei, die Psyche zu stärken.

Von Martina Döbbe

Leonie und Felix Bergmann zeigen Prof. Dr. Dorothee Wiewrodt (l.) das Ultraschallbild: Sie freuen sich auf ihr Baby, das im März auf die Welt kommen soll. Foto: Martina Döbbe

Sie ist gerade mal 27. Den Studienabschluss in der Tasche, die erste Stelle angetreten, so viele Pläne – endlich durchstarten und das Leben genießen. Es kommt anders. Ein epileptischer Anfall ohne jede Vorwarnung, als Notfall ins Hiltruper Krankenhaus, wenig später direkt ins Universitätsklinikum Münster: Wenn Leonie Bergmann (Name von der Redaktion geändert) heute zurückblickt, dann kann sie sich zwar an vieles, aber nicht an alles erinnern. „Ich weiß nur noch die Diagnose Hirntumor, ab da stand ich einfach neben mir, habe nur geheult.“

Acht Jahre sind vergangen. Dreimal ist Leonie Bergmann inzwischen operiert worden, der Tumor wächst jedes Mal nach. „Er liegt direkt am Bewegungszentrum für die rechte Körperseite, man kann ihn nicht komplett entfernen“, das ist ihr bewusst. Was auch bedeutet: Ein Teil der Eingriffe in ihrem Kopf wurde als sogenannte Wach-OP durchgeführt: „Ich war sediert, aber ansprechbar, wenn die Ärzte mir sagen, was ich tun soll, können sie kontrollieren, ob es mit den Bewegungen noch funktioniert.“

Kampf gegen die Tiefpunkte

Es funktioniert alles, sie hat keine Bewegungseinschränkungen, wohl aber immer wieder Tiefpunkte, aus denen sie sich zurückkämpfen muss. Wie schafft man das? Nicht verzweifeln, nicht aufgeben? Leonie Bergmann ist sicher: „Ohne Frau Wiewrodt wäre ich nicht da, wo ich heute bin.“ Prof. Dr. Dorothee Wiewrodt, Neurochirurgin und Psychoonkologin am UKM, engagiert sich im Förderverein ZNS. Gesprächsangebote, Kunst- und Sporttherapie – sind Möglichkeiten, um neben der medizinischen Seite auch die Psyche zu stärken. „Immer wenn der Tumor einen neuen epileptischer Anfall ausgelöst hat, wenn wieder operiert werden musste, dann wusste ich sofort, wo ich Hilfe bekomme“, sagt Leonie Bergmann.

Drei Projekte, ein Konto

Dazu zählt das individuelle Sportangebot für Hirntumor-Patienten, das der Förderverein anbietet. „In meiner ersten Reha durfte ich zweimal die Woche ein bisschen Rad fahren, ansonsten habe ich allein auf meinem Zimmer gesessen und fiel immer tiefer in ein dunkles Loch.“ Zurück in Münster ein erster Lichtblick: beim regelmäßigen Schwimmtraining unter Anleitung von Ralf Brandt vom Förderverein ZNS. „Er hat mich behandelt, wie jemand, der gesund ist, hat mir Mut gemacht, mir selbst etwas zuzutrauen.“ Sich etwas zutrauen – das ist für Hirntumor-Patienten besonders wichtig. Deshalb möchte der Förderverein Betroffene in diesem Bereich unterstützen.

„Dürfen wir ein Kind bekommen?“

Seit vier Jahren nun ist der Tumor „ruhig“ – keine Anfälle, keine Auffälligkeiten im MRT, das zweimal jährlich gemacht werden muss. Intensiven Gesprächsbedarf hatten Leonie Bergmann und ihr Mann Felix aber trotzdem. „Dürfen wir ein Kind bekommen?“ Der Wunsch taucht immer öfter auf, wird verworfen, lässt sich trotzdem nicht einfach zur Seite schieben. Immer begleitet von Zweifeln: „Kann man einem Kind zumuten, dass die Mutter so krank ist?“

Auch da war Prof. Wiewrodt eine wichtige Stütze. „Es ist eine sehr persönliche Entscheidung“, sagt sie. Die könne niemand einem anderen abnehmen. Wohl aber helfen, Gedanken zu sortieren, wenn es um die Verarbeitung von Schicksalsschlägen geht. Auch zu überlegen, wie es ist, wenn ein Kind mit einem Elternteil zurückbleibt. Und der Frage nachzuspüren, was bleibt von uns, wenn einer nicht mehr da ist?

Leonie

Leonie und Felix entscheiden sich für ein Kind – aber es klappt nicht. Damit scheint das Schicksal besiegelt: „Es soll eben nicht sein“, ist sich Leonie Bergmann sicher. Und hat sich geirrt . . . Im März nächsten Jahres kommt ihr Baby auf die Welt: Ein kleines Mädchen hat sich angekündigt – sehnsüchtig erwartet von seinen Eltern und der ganzen Familie. Leonie Bergmann, die sich nach vielen Herausforderungen selbst keineswegs mehr als besonders optimistisch bezeichnet, ist sicher: „Ich habe ein gutes Gefühl, ich weiß, es wird gut gehen.“

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