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Erstes Wochenende der Skulptur-Projekte

Zwischen Party und Magie

Münster

Ganz allein sein mit sich und den Skulptur-Projekten? Solche Momente sind an diesem kulturberauschten Wochenende sehr selten, aber es gibt sie.

Klaus Baumeister

Massenhaft strömten die Menschen am Wochenende zum Stadthafen, um auf dem Kunstwerk „On Water“ durch das Wasser zu schreiten. Foto: hpe

Mathilde und Christiane Närmann erleben die Magie der Ruhe am Sonntagmorgen im Sternpark, der zwischen Berg Fidel und der Bahntrasse liegt. Die beiden Schwestern bestaunen ein hochglanzpoliertes Haus-Skelett aus Edelstahl, das der Künstler Hreinn Fridfinnsson inmitten einer verwilderter Wiese installiert hat. „Es ist schön, wenn man das Kunstwerk erst suchen muss“, hat der abgelegenen Standort für die Frauen einen besonderen Charme.

Das heißt aber nicht, dass Mathilde und Christiane Närmann, die eine aus Münster, die andere aus Neukirchen-Vluyn, dem Trubel aus dem Weg gehen. Sechs Projekte haben sie sich für Sonntag vorgenommen, neun haben sie bereits am Samstag „abgearbeitet“.

Vielleicht sind sie dabei auch auf Thea Wulfert gestoßen, die am Samstagnachmittag auf dem Vorplatz des Erbdrostenhofes für die Aufsicht zuständig ist. Immer wieder muss die Architekturstudentin dafür sorgen, dass nicht zu viele Fahrräder auf dem Platz abgestellt werden. Immer wieder muss sie Kinder davon abhalten, auf der Skulptur von Nairy Baghramian herumzuklettern. „Ja, hier ist richtig was los“, freut sich Wulfert gleichwohl über großes Interesse, lebhafte Gespräche und Anfragen, oft auch in englischer Sprache.

Etwa zu dieser Zeit findet die offizielle Eröffnung im LWL-Museum am Domplatz statt. Der Andrang ist so groß, dass der Platz im Foyer nicht reicht. Hunderte Zuschauer erleben die Eröffnungsreden draußen beim Public Viewing, was bei allen Nachteilen auch einen gravierenden Vorteil hat: Die Luft ist hier nicht so stickig.

Auch draußen vor der Tür brandet Applaus auf, als Kasper König, der „Vater“ der Skulptur-Projekte, seinen langjährigen Weggefährten Prof. Klaus Bußmann begrüßt.

Kommentar: Erst schauen – dann jubeln

Vordergründig kann man die Skulptur-Projekte 2017 bereits jetzt zum Erfolg erklären. Die Stadt ist voll, die Münsteraner sind wie berauscht von den kunstsinnigen Massen, die zu den Kunstwerken strömen.

Aber stopp! Die Skulptur-Projekte sind nicht einfach eine spektakuläre Ausstellung, sondern eine seit 40 Jahren währende Langzeitstudie zur Kunst im öffentliche Raum. Die ausgestellten Werke sind somit nicht zu trennen von ihrer Umgebung und ihrer Wirkung. Kollektive Abneigung ist dabei ebenso kontraproduktiv wie unreflektierte Euphorie.

Es ist ein Unterschied, ob man begeistert ist, weil man so viele begeisterte Menschen trifft – oder ob einen die Kunst begeistert. Die Skulptur-Projekte gehen bis zum 1. Oktober. Bis dahin ist viel Zeit, um Lob (oder Tadel) auch begründen zu können. Diese Mühe ist man den Künstlern schuldig.

Klaus Baumeister

Um 17.58 Uhr soll dann der feierliche Moment kommen. Die Moderatorin Frauke Burgdorff bittet König, die Ausstellung zu eröffnen. Der wiegelt ab: „Nein, das machen wir am Hawerkamp“, verweist er auf die Party, die abends auf dem alternativen Kulturgelände starten soll.

Das ist im Sinne der Kuratorin Britta Peters, für die der Beginn der Ausstellung wie eine Erleichterung wirkt, weil „wir jetzt nicht mehr so viel darüber reden müssen“.

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