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Unwetter in NRW

40 Verletzte und „Schneise der Verwüstung“ in Paderborn

Münsterland

Bei dem schweren Unwetter am Freitag sind im Raum Paderborn mehr als 40 Menschen verletzt worden, davon einige schwer. Im Münsterland konnte am frühen Abend Entwarnung gegeben werden.

Von Ralf Repöhler, Linda Schinkels, Anna Spliethoff, Carsten Vogel, Mirko Ludwig und Lea Wolfram

Zerstörungen, wohin man blickt: In Paderborn hat das Unwetter am Freitag massive Schäden hinterlassen. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Das für das Münsterland angekündigte Unwetter mit Gewitterlagen und Sturmböen ist glimpflich verlaufen, nachdem eine erste Regenfront am Nachmittag durchgezogen war. In Teilen von NRW galt bis zum Freitagbend weiterhin eine amtliche Unwetterwarnung. Der Deutsche Wetterdienst warnte bis gegen 19 Uhr vor Blitzschlag, Starkregen, Hagel und orkanartige Böen.

Münsters Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer gab am Abend Entwarnung: „Das war’s mit der Gewitterfront“, sagte er auf Nachfrage. Das vorhergesagte Unwetter sei an Münster vorbeigezogen. „Die Gewitter sind im Schwerpunkt weiter südlich verlaufen, im Großraum Dortmund“, bilanzierte Heuer.

40 Verletzte und „Schneise der Verwüstung“

Während das Münsterland weitgehend verschont blieb, haben die Unwetter in Teilen von Ostwestfalen schwere Schäden angerichtet, wie das Westfalen-Blatt berichtet. Kaputte Dächer, Fensterscheiben und Autos, überall Zerstörungen in der Stadt: Paderborn und Lippstadt wurden vom Unwetter mit mutmaßlichen Tornados am Freitag massiv getroffen. In Paderborn gab es bis zu 40 Verletzte und Millionenschaden.

Mindestens zehn Schwerverletzte meldete die Paderborner Polizei. „Hier ist gerade Chaos“, sagte eine Polizeisprecherin am frühen Abend. Eine Windhose habe „eine Schneise der Verwüstung von West nach Ost mitten durch Paderborn gezogen“. Menschen seien unter anderem von Dachziegeln getroffen und durch umstürzende Bäume verletzt worden, hieß es. Tote gab es nach ersten Erkenntnissen der Einsatzkräfte nicht.

Im Süden von NRW tobten ebenfalls heftige Gewitter mit laut WDR mehr als 500 Blitzen pro Minute. Im Rheinland und Düsseldorf liefen Keller voll, die Einkaufsstraße Königsallee stand teils unter Wasser.

In manchen NRW-Regionen fiel am Freitag Unterricht aus - so sollten im Regierungsbezirk Köln die Schulen früher schließen. Einzelne Veranstaltungen wurden abgesagt, darunter eine Kuriosität in Solingen: Dort soll ein coronabedingt ausgefallener Weihnachtsmarkt nun erst ab Samstag und somit einen Tag später als geplant nachgeholt werden.

Unwetter beeinträchtigt Fernverkehr vor allem im NRW

Infolge der schweren Unwetter müssen sich Reisende derzeit auch auf Einschränkungen im Fernverkehr der Deutschen Bahn einstellen. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen entfallen mehrere Halte, wie der Konzern am Freitagabend mitteilte. Demnach werden etwa auf der Strecke Köln - Wuppertal - Dortmund/Hamm die ICE- und IC-Züge zwischen Köln und Dortmund über Düsseldorf umgeleitet. „Die Halte Solingen, Wuppertal und Hagen entfallen“, hieß es. Empfohlen wird der Umstieg auf Regionalzüge.

Für Samstag sagen die Meteorologen eine Wetterberuhigung voraus. Es werde bei Sonne und Wolken spürbar kühler, 21 Grad. Nach einem schönen Sonntag (bis zu 24 Grad) werden für Montag neue Gewitter vorhergesagt.

Amtliche Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am frühen Freitagnachmittag zunächst für die südwestlichen Gebiete Nordrhein-Westfalens - einem Streifen von Aachen bis nach Essen im Ruhrgebiet - amtliche Unwetterwarnungen herausgegeben.

Dort könnte es am Nachmittag zuerst zu schweren Gewittern mit heftigem Starkregen und Hagel kommen, sagte ein Sprecher. Die Menschen müssten zudem mit Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern rechnen. „Vereinzelte Tornados nicht ausgeschlossen“, heißt es in der DWD-Warnung weiter. Das Unwetter könne ab dem Nachmittag bis in den Abend hinein Gebiete im gesamten Bundesland treffen. Auch mit weiteren Warnungen der Stufen 3 und 4 vor extremen Unwettern sei zu rechnen. „Wer nichts vorhat, soll auch lieber zuhause bleiben“, so der Sprecher.

Unwettergefahr im Münsterland - auch mit Tornados

Die Menschen im Münsterland sollten sich am Freitag ab 15 Uhr auf Starkregen mit bis zu 40 Liter pro Quadratmeter, schwere Sturmböen um die 100 Stundenkilometer, Gewitter und Hagel in der Region einstellen. Das Tief werde voraussichtlich bis 21 Uhr das Münsterland überquert haben. Das sagt Meteorologe Jürgen Schmidt vom Wetterdienstleister „Wetterkontor“ am Freitagvormittag voraus. Die Unwetterfront zieht nach seiner aktuellen Prognose von 11.30 Uhr flächendeckend über das Münsterland. „Es werden nicht nur einzelne Gewitterzellen sein, sondern es wird heftiger als am Donnerstag“, warnt Schmidt.

Die vom Deutschen Wetterdienst vorausgesagte Tornado-Gefahr hält der Wetterexperte für das Münsterland zwar für möglich, rechnet aber nicht damit. Das Unwetter zieht von Rheinland-Pfalz, über NRW und Hessen, das südliche Niedersachsen weiter nach Osten.

Schmidt rät dazu, sich dann nicht in Wäldern aufzuhalten. Die Temperaturen werden ab Freitagnachmittag fallen. Die Unwetterlinie soll dann von Westen nach Osten ziehen, im Norden und Süden werde es weniger stürmisch.

Die Feuerwehr Münster geht bislang von einer normalen Lage aus und ist deshalb bislang nicht in erhöhter Alarmbereitschaft. Wie ein Sprecher betont, rechne man aktuell damit, dass die schweren Unwetter nördlich an Münster vorbeiziehen. Die Feuerwehr geht für Münster derzeit vor allem von viel Regen aus.

Appell des NRW-Innenministers

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat die Bevölkerung angesichts der Unwetterwarnungen zu besonderer Vorsicht aufgerufen. „Bleiben Sie bitte zu Hause. Vermeiden Sie Aufenthalte im Freien. Halten Sie insbesondere Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen! Gehen Sie nicht in Keller oder tiefer gelegene Geschosse“, sagte Reul am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Er appellierte an die Bürgerinnen und Bürger: „Nehmen Sie die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes sehr ernst.“ Gewarnt werde vor teils extremem Gewitter mit massiven Auswirkungen und heftigem Starkregen. Die Menschen sollten sich über Warn-Apps wie „Nina“ und „DWD Warnwetter“ informieren. Zudem sollten sie auf Sirenenalarm sowie Radio- und Lautsprecherdurchsagen achten.

Kein landesweiter Unterrichtsausfall in NRW

Trotz der Unwetterwarnungen ist für die Schulen in NRW kein landesweiter Unterrichtsausfall geplant. Das hatte das Schulministerium auf dpa-Anfrage bereits am Donnerstagabend mitgeteilt. Es sei nicht vorhersehbar, zu welcher Uhrzeit und in welchen Landesteilen das vorhergesagte Unwetter am Nachmittag auftreten werde. In solchen Fällen entscheide auf der Grundlage des entsprechenden Erlasses jede Bezirksregierung eigenständig unter Berücksichtigung der regionalen Wetterlage über einen möglichen Ausfall des Präsenz-Unterrichts, hieß es aus dem Schulministerium.

In Münster werden viele Schulen den Unterricht jedoch dennoch vorzeitig beenden. Wie mehrere Schulen auf Nachfrage bestätigen, haben sich die städtischen Gymnasien entschieden, den Unterricht um 13 Uhr zu beenden. An den Grundschule wird die Betreuung am Nachmittag trotz Unwetterwarnungen angeboten. Kein Kind werde bei Gewitter alleine nach Hause geschickt, heißt es aus den Schulen.

Sturmschäden im Münsterland: Blitzeinschlag in Wohnhaus

Wie die Polizeibehörden im Münsterland am Freitagmorgen berichten, wurde die Feuerwehr bei den zahlreichen Einsätzen unterstützt. Zumeist sicherten die Beamten Bereiche ab, in denen Bäume umgestürzt und große Äste auf die Fahrbahn gefallen waren.

Am Donnerstagnachmittag ist es im Kreis Borken aufgrund der Unwetterlage an verschiedenen Orten zu Gefahrenstellen im Straßennetz gekommen, meldete die Polizei. Insgesamt kam es laut Meldung des Kreises zu 107 Feuerwehreinsätzen im Kreisgebiet. Unter anderem war in Velen-Ramsdorf an der Borkener Straße eine Baumkrone in eine Stromleitung gefallen. Die B525 musste kurzzeitig gesperrt werden, weil dort Bäume umzustürzen drohten. In Ahaus wurde zudem ein Auto von einem Baum getroffen. Der Fahrer blieb unverletzt.

Kreis Steinfurt: Blitz schlägt in Wohnhaus ein

In Neuenkirchen im Kreis Steinfurt schlug am Donnerstag gegen 16 Uhr ein Blitz in ein Wohnhaus ein, wie die MV Online berichtet. 35 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren im Einsatz, in der Umgebung war es zu Stromausfällen gekommen. In Ostbevern im Kreis Warendorf waren mehrere Bäume umgestürzt, auch hier rückte die Feuerwehr aus.

Die Polizei in Münster hatte neun Einsätze auf den Autobahnen der Region sowie fünf im Stadtgebiet. Ein Einsatzort war die Umgehungsstraße, wo die starken Regenfälle eine große Wasserlache zur Folge hatten, die eine Gefährdung des Verkehrs darstellte. Verletzt wurde bei dem Unwetter niemand, berichtet eine Polizeisprecherin. Die Feuerwehr meldete am Donnerstag acht kleine sturmbedingte Einsätze gegeben. Weder seien Keller vollgelaufen, noch habe es Verletzte gegeben, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

Acht witterungsbedingte Einsätze hatte die Polizei im Kreis Warendorf. „Zum Glück ist aber nichts Schlimmes passiert“, wie eine Sprecherin der Kreispolizei mitteilte.

Unwetterfolgen in vielen Teilen von NRW

Nicht nur das Münsterland wurde von dem Unwetter getroffen - wenn auch weniger heftig, als vorhergesagt. Bei einem Blitzeinschlag auf einem Frachtschiff in Duisburg wurde eine Person schwer verletzt. Der Flughafen in Düsseldorf stellte aus Sicherheitsgründen am Nachmittag für rund 30 Minuten seinen Betrieb ein.

Wegen der Unwettergefahr hatte die Stadt Krefeld vorübergehend die in Leichtbauhallen im Forstwald untergebrachten Geflüchteten aus der Ukraine in eine Schule gebracht. Der Düsseldorfer Wildpark und der Zoo Dortmund wurden wegen des angekündigten Unwetters am Nachmittag geschlossen.

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