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Bilanz für das Corona-Jahr 2020

Agravis kommt mit kleiner Umsatzdelle durch die Pandemie

Münster

Digitalisierung, mehr Nachhaltigkeit und ein schneller Strukturwandel in der Landwirtschaft – die Herausforderungen sind für Deutschlands zweitgrößten Agrarhandelskonzern, die Agravis Raiffeisen AG (Münster/Hannover), groß. 2020 kam noch die Corona-Pandemie hinzu.

Jürgen Stilling

Agravis ist in der Region auch auf den Straßen präsent. Foto: dpa

Dennoch hat das Unternehmen den Umsatz im vergangenen Jahr nur minimal auf 6,4 Mrd. € verringert und den Gewinn nach Verlusten im Vorjahr durch eine Kartellstrafe wieder deutlich auf über 30 Mio. € ins Plus gehievt. „Wir haben unsere ambitionierten Planungen erreicht“, zeigte sich deshalb Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff am Mittwoch in der Videokonferenz zur Bilanzvorlage zufrieden. Den Anteilseignern soll daher eine Dividende von vier Prozent gezahlt werden – so der Vorschlag des Vorstands an die Hauptversammlung am 4. Mai.

„Viele kleine Mosaiksteinchen machen uns erfolgreich“, betonte der Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Köckler. Dazu zählte er die klare Fokussierung auf das Kerngeschäft und den Bedarf der Kunden, eine stetig wachsende „operative Exzellenz“ gepaart mit einer Vertriebsoffensive. Für 2021 erwartet Köckler deshalb auch einen weiter stabilen Umsatz und einen kleinen Ertragszuwachs vor Steuern auf 31,6 Millionen €.

Unveränderte Investitionssumme 

2020 sei die fast unveränderte Investitionssumme kaum noch „in Steine und Beton“ geflossen, betonte Köckler, sondern überwiegend in die Digitalisierung. In der Pandemie habe sich der Trend zur Digitalisierung noch mal verstärkt. „Corona-Gewinner war und ist die Digitalisierung – Dinge mussten von jetzt auf gleich neu online organisiert werden“, hob der Vorstandschef hervor. „Wir sehen uns in der Landwirtschaft als Digitalisierungstreiber.“ Es sei jedoch noch ein langer Weg bis diese Notwendigkeit in den Köpfen aller Landwirte angekommen sei. „Das ist sicher auch eine Generationsfrage“, so Köckler. „Aber wir brauchen erst einmal eine vernünftige Netzabdeckung in Deutschland“, mahnte der Agravis-Chef eine bessere Infrastruktur an.

Köckler kündigte an, die Strukturen des Agrarkonzerns weiter zu optimieren und Einheiten zu bündeln. „Ich rede hier aber sicher nicht von Personalabbau“, stellte der Vorstandschef klar. Vielmehr müsse das Unternehmen sich auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft einstellen. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Akteure reduziere sich von Jahr zu Jahr um ein bis drei Prozent. Allein in den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um über 17 Prozent auf lediglich noch 266 600 gesunken. „Wir bekommen also immer weniger Kunden mit größeren Flächen“, sagte Köckler. „Dadurch und durch mehr Tierwohl wachsen die Management-Herausforderungen in der Agrarbranche.“ Dabei zu helfen, sei eine wichtige Agravis-Aufgabe.

Auch das Thema Nachhaltig sei für den Konzern entscheidend, betonte Köckler. „Nachhaltiges Handeln eröffnet Perspektiven und Chancen für unser Unternehmen und unsere Stakeholder“, blickte der Vorstandschef in die Zukunft.

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