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„Axel Fischbacher Trio“ in der Stadthalle

Jazz-Durststrecke beendet

Ahlen

Mit Jazz-Standards spielen anstelle sie einfach nur nachzuspielen: Damit beeindruckte das „Axel Fischbacher Trio“ seine Zuhörerinnen und Zuhörer im Foyer der Stadthalle.

Von Martin Feldhaus

Das „Axel Fischbacher Trio“ mit (v.l.) Tim Dudek, Nico Brandenburg und Axel Fischbacher begeisterte im Foyer der Stadthalle mit seinen „Bebop Sketches“. Foto: Martin Feldhaus

Wann gibt es denn mal wieder Jazz? Eine Frage, die in den letzten Monaten viele Ahlener an die Kulturgesellschaft adressierten. Das sehnsüchtige Warten der offensichtlich zahlreichen Jazz-Fans in der Ahlen fand am Donnerstagabend nach neun Monaten sein Ende: Zum Auftakt ins Jahr 2023 gastierte im Rahmen der Reihe „Get Jazzed in Ahlen“ das „Axel Fischbacher Trio“ im Foyer der Stadthalle und verwandelte dieses für einen Abend wieder in einen urigen, exklusiven Jazz-Club.

Eigene Improvisationen

Axel Fischbacher (Gitarre), Tim Dudek (Schlagzeug) sowie Nico Brandenburg (Kon­trabass) boten dabei zahlreiche echte Jazz-Leckerbissen ihrer LP „Bebop Sketches“, bei der sie eigene Improvisationen auf der Basis sehr bekannter Jazzstücke entwickelten, die sich als „Standards der Standards“ – zwischen Woodstock und Bebop – bezeichnen lassen. Nur was für echte Kenner? Auf keinen Fall. Viele der vorgetragenen Kompositionen kamen auch „Nichtjazzern“ vom Hören irgendwie bekannt vor.

Auch für echte Jazz-Spezialisten war es indes nicht immer ganz einfach herauszuhören, um welches Original es sich handelte. Denn die drei Musiker spielten eher mit den Jazz-Standards als sie einfach nur nachzuspielen: So intonierten sie einige Passagen eher abstrakt und skizzenhaft, bewegten sich dann zeitweise aber wieder nahe an den bekannten Originalklängen. Dieser Stil zeigte sich etwa bei „There Will Never Be Another You“, ei­nem Lied, das von Mack Gordon und Harry Warren geschrieben wurde und 1942 erschienen ist. Die Musicalkomposition entwickelte sich seinerzeit schnell zu ei­nem beliebten Jazz-Standard. „Man erkennt es erst am Ende“, kündigte Axel Fischbacher angesichts der eigenen Akzente und Interpretationen des Trios an.

Spaß an der Sache

Wie ein roter Faden zog sich durch den Abend, was Andreas Blechmann zu Beginn bei der Vorstellung des Trios angekündigt hatte: „Das hat was mit Spaß an der Sache zu tun.“ Damit spielte er auf die Entstehung von „Bebop Sketches“ im Jahr 2020 an. Zum „Runterkommen“ schlossen sich die drei Musiker seinerzeit im Studio ein und jammten dort einfach drauflos. Diese Leichtigkeit und Freude transportierten sie auch am Donnerstag quasi mit jedem Ton.

Dabei verriet Axel Fischbacher zwischendurch auch, wie die teils lustigen Titel der einzelnen Stücke zustande gekommen waren. So wie bei „Stropmütze“, dem Namen eines Parkplatzes zwischen Hilden und Düsseldorf. „Das hörte sich für mich so komisch an, dass ich dem einen Song widmen wollte“, schilderte Fischbacher mit einem Augenzwinkern.

Zum Ende rasant

Rasant wurde es kurz vor Ende des Konzerts bei „Lobby Call“, einem neuen Stück, welches das Trio erst zum dritten Mal zum Besten gab: Virtuos flitzten Nico Brandenburgs Finger über die Saiten des Kontrabasses und auch Tim Dudek lief am Schlagzeug zur absoluten Höchstform auf. Im Zusammenspiel versetzten die drei Instrumentalisten ihr Publikum gedanklich in eine Hotel-Lobby mit den dort teils auch üblichen Jazz-Klängen.

„Das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente überzeugt“, fand etwa Norbert Hoffmann. Beeindruckt zeigte sich auch Axel Ronig. „Schön, wie die Klänge aus­ein­anderlaufen und dann wieder zusammenfinden“, konstatierte der in Ahlen bekannte Musiker. Positive Bewertungen der fast zweistündigen Jazz-Einlage, die die anderen Gäste teilten. Denn nach dem letzten Stück prämierten sie das Gehörte mit langanhaltendem Applaus – und durften sich dann nach der vielfach monierten langen Jazz-Pause sogar noch über eine Zugabe freuen.

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