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Deutlicher Rückgang der pharmazeutischen Präsenzbetriebe

Apothekenschwund auch in Westfalen

Münsterland

Mehr als jede sechste Apotheke ist in Westfalen-Lippe in den letzten zehn Jahren verschwunden. Die Ursache dafür sieht ein Sprecher der Apothekenkammer nicht in der Online-Konkurrenz.

Von Laura Scheffelmaier

Vor Ort oder digital? Auch in Westfalen-Lippe gibt es immer weniger Apotheken. Foto: dpa

Die Anzahl der Apotheken ist in Westfalen-Lippe innerhalb der letzten zehn Jahre um 17,7 Prozent zurückgegangen, wie die Apothekerkammer Westfalen-Lippe berichtet. Damit ist der Schwund regional noch deutlicher zu spüren als in ganz Nordrhein-Westfalen, wo im gleichen Zeitraum ein Rückgang von rund 16 Prozent verzeichnet wurde.

In Westfalen-Lippe gibt es derzeit 1 811 Apotheken – am 1. Januar 2011 waren es noch 2 201. Insgesamt 135 Neueröffnungen stehen 525 Schließungen gegenüber. Die Standortwahl für Neueröffnungen – in einem städtischen oder ländlichen Gebiet – hing, laut Sebastian Sokolowski, Pressesprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, von individuellen Faktoren und Vorlieben der Betreiber ab.

Ländliche Standorte nicht zwangsläufig bevorzugt

Wie Sokolowski sagt, würden ländliche Standorte, trotz der häufig geringeren Kosten vor Ort und einer höheren Kundenbindung, nicht zwangsläufig vor städtischen Standorten bevorzugt: „Ein wirklich lukrativer Standort findet auch heute noch einen Nachfolger.“

Zum Teil sei dennoch eine Verschiebung der Apothekenstandorte von 1a-Lagen in 1b-Lagen zu beobachten. Beispielsweise eine Standortverschiebung vom Prinzipalmarkt in den Stadtgürtel, durch einen erhöhten Kostendruck, als Folge der politischen Entscheidungen der letzten Jahre.

Keine Lust auf Selbstständigkeit 

Die Auswirkung der wirtschaftlichen Einbußen durch Medikamentenkäufe im Internet schätzt er derzeit noch als eher gering ein, da Apotheken 80 bis 90 Prozent ihres Umsatzes mit verschreibungspflichtigen Medikamenten machen, die wiederum aus der Apotheke vor Ort bezogen werden.

Als Hauptgrund für den regionalen Apothekenschwund nennt Sokolowski die zunehmend mangelnde Bereitschaft, sich selbstständig zu machen. Eine Selbstständigkeit setzt – auch bei einer Pauschalvergütung zur Aufrechterhaltung der Patientenversorgung – die Bereitschaft voraus, viel zu arbeiten. Darunter leidet häufig die Work-Life-Balance. Für viele junge Menschen wird diese jedoch immer wichtiger, was sich mittelbar auch auf die Zahl der Apotheken auswirkt.

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