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Brennelemente-Zwischenlager

Atomaufsicht prüft Urenco

Elmar Ries

Gronau/Düsseldorf - Vor dem Hintergrund der Reaktorkatastrophe in Japan und der im Anschluss daran erfolgten bundesdeutschen Atomkraft-Debatte hat der Landrat des Kreises Borken, Dr. Kai Zwicker, gestern eine neuerliche Sicherheitsüberprüfung für das Brennelemente-Zwischenlager (BZA) in Ahaus und die Urananreicherungsanlage im benachbarten Gronau gefordert.

„Ich erwarte, dass die im Rahmen des Laufzeit-Moratoriums von der Bundesregierung angeordnete Überprüfung der Sicherheitsstandards in deutschen Kernkraftwerken auch auf Anlagen ausgeweitet wird, die in irgendeiner Form mit Kerntechnik zu tun haben“, sagte Zwicker gestern auf Nachfrage. Seiner Ansicht nach gehört das Ahauser BZA ebenso dazu wie die wenige Kilometer entfernt stehende Anreicherungsanlage.

Dort lagert der Betreiber Urenco das für die Anreicherung benötigte Uranhexafluorid zwar in speziellen Behältern, die aber stehen im Freien. Von ihnen geht angeblich keine radioaktive Ge­fahr aus, weil die unter anderem aus natürlichem Uran gewonnene Verbindung nur schwach strahlt. Gleichwohl halten die Behälter einem Flugzeugabsturz nicht stand, räumte Urenco-Geschäftsführer Dr. Joachim Ohnemus ein. Im Fall einer Leckage sei nicht ausgeschlossen, dass aus dem Fluorid in Verbindung mit Sauerstoff die gefährliche Flusssäure entstehen könnte. „Das gehört zum Restrisiko“, erklärte Ohnemus - wenngleich sein Unternehmen­ natürlich alle gesetzlich definierten Sicherheitsvorgaben erfülle.

Auf die hob gestern auch BZA-Sprecher Burkhard Rosen ab. „Wir haben eine gültige Genehmigung nach dem deutschen Atomgesetz“, sagte er. Die besage unter anderem, dass die Castoren, in de­nen in Ahaus der radioaktive Müll lagere, Flugzeugabstürzen trotzen müssen. „Falls die Bundesregierung die Sicherheitsstandards nicht nur für Kernkraftwerke, sondern auch für die Zwischenlager heraufsetzt, werden auch wir die dann möglicherweise neu­en Anforderungen natürlich erfüllen“, sagte Rosen.

In seiner Funktion als Atomaufsicht kündigte das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium gestern Nachmittag eine vorgezogene Sicherheitsüberprüfung der Urananreicherungsanlage in Gronau an. Darüber hinaus forderte Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger das Bundes­um­weltministeri­um in Berlin auf, Kontrolleure des Bundesamtes für Strahlenschutz in das Ahauser Zwischenlager zu schicken und zudem etwaige Verschärfungen der für die Kernkraftwerke geltenden Sicherheitsstandards automatisch auf die Zwischenlager zu übertragen.

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