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Urenco in Gronau

Atomkraftgegner gehen auf die Straße

Gronau - Mit einer Auftaktkundgebung startete am Sonntagmittag die Demonstration gegen Atomkraft in Gronau. Hunderte Teilnehmer haben sich auf dem Bahnhofvorplatz versammelt. Die Veranstalter sprechen von rund 4000 Demonstranten, die Polizei schätzt ihre Zahl auf 1500 bis 2000

Klaus Wiedau und Markus Kampmann

Hunderte Teilnehmer versammeln sich Sonntagmittag auf dem Bahnhofsvorplatz in Gronau, von wo aus nach einer Kundgebung die Demo zur Urananreicherungsanlage starten soll. Foto: Markus Kampmann

Gronau - Mit einer Auftaktkundgebung startete am Sonntagmittag die Demonstration gegen Atomkraft in Gronau. Hunderte Teilnehmer haben sich auf dem Bahnhofvorplatz versammelt. Die Veranstalter sprechen von rund 4000 Demonstranten, die Polizei schätzt ihre Zahl auf 1500 bis 2000.

Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis „Münsterland gegen Atomanlagen“, einer von rund 100 beteiligten Bürgerinitiativen, Umweltverbände und Parteien, erinnert vor der Auftaktkundgebung an die Atomkatastrophe von Fukushima vor einem Jahr. Er forderte die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen in Deutschland – auch der Urananreicherungsanlage der Urenco in Gronau. Mit vielen bunten Fahnen im Gepäck drängten sich mehr und mehr Menschen auf den Bahnhofsvorplatz. Auf der Bühne machte die Band um 13 Uhr mehreren Rednern Platz.

Darunter die 35-jährige Japanerin Naho Dietrich Nemoto, deren Familie in Fukushima lebt. Sie berichtete über das dortige Leben nach der Atomkatastrophe. „Meine Heimat wird nie mehr so sein wie früher“, sagte Nemoto. „Ich werde nicht aufhören, Teil der Anti-AKW-Bewegung zu sein, bis alle Atomkraftwerke in der ganzen Welt abgeschaltet werden.“ Antonia Kühn vom DGB NRW betonte, dass es durchaus Alternativen zur Atomkraft gebe. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien könnte deutlich beschleunigt werden“, sagte die Gewerkschafterin. Marita Wagner vom Gronauer Trägerkreis der Fukushima-Demonstration blickte auf den Ausbau der Gronauer Urananreicherungsanlage und die Erweiterung der Lagerkapazitäten. Das sei kein Ausstieg aus der Atomenergie, betonte Wagner. „Wir erzeugen täglich Müll, den wir künftigen Generationen hinterlassen. Damit muss endlich Schluss sein.“

Mit einer Schweigeminute gedachten die Demonstranten dann an die Menschen, die durch den GAU in Fukushima vor fast genau einem Jahr betroffen waren und immer noch betroffen sind. Spontane Sprechchöre skandierten dann die Forderung: „Abschalten – abschalten – abschalten“. Dass auch andernorts auf der Welt Menschen unter der Atomkraft-Industrie leiden, daran erinnerte Dirk Seifert von „Robin Wood“. Er blickte auf den Uranabbau in Afrika, durch den Menschen stürben. Er versprach der Landes- und der Bundesregierung, dass „Robin Wood“ weiter Druck machen werde: „Wenn Ihr nicht handelt, werden wir Euch aufs Dachs steigen.“ Claudia Baitinger vom BUND NRW sagte, dass vor dem Hintergrund der fehlender Endlager die Nutzung der Atomkraft „der helle Wahnsinn und in unseren Augen kriminell“ sei. Auch Vertreter von Landwirten, die mit rund 25 Traktoren zur Demonstration gekommen waren, sprachen zum Auftakt vor dem Bahnhof. Heinrich Fier aus Legden und Heiner Kohnert aus Metelen fordern den Ausstieg aus der Atomenergie, da sie Angst davor hätten, dass sich auch hierzulande ein Störfall ereignen kann und landwirtschaftliche Flächen kontaminiert werden.

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