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Dieselstrecke Münster - Enschede unter Strom

Auch die Niederländer haben großes Interesse

Münster/Enschede

Schon seit Jahren verfolgt der Zweckverband Schienen-Personen-Nahverkehr, kurz ZVM, beim Thema Infrastruktur ein großes Ziel: die Elektrifizierung der Strecke Münster - Enschede (RB 64). Bei diesem kostspieligen Vorhaben bekommt der Verband jetzt offiziell Unterstützung vom niederländischen Nachbarn.

Elmar Ries

Diesel-Fahrzeuge nutzt DB Regio auf der Strecke Münster - Enschede. Nach Angaben der Euregio fahren jährlich 700.000 Fahrgäste mit der RB 64 über die Grenze. Foto: Wilfried Gerharz

Die „Regio Twente“, ein Zusammenschluss von 14 Gemeinden, ergänzte den Plan unlängst bereits um zwei Ideen. Falls die Strecke auf der deutschen Seite unter Strom gesetzt werde, sollten die Niederländer parallel das restliche Stück bis Enschede elektrifizieren – dann könne die RB 64 darüber hinaus auch gleich bis nach Zwolle durchfahren.

Das klang schon gut. Und noch besser klingt es, dass sich jetzt die offiziellen Gremien in der Regio Twente dafür ausgesprochen haben, das Vorhaben in ihre „vordringliche Lobbyar­beit“ aufzunehmen. Das hat Euregio-Geschäftsführerin Dr. Elisabeth Schwenzow am Wochenende mitgeteilt. „Das Nutzen-Kosten-Verhältnis im Hinblick auf die Durchbindung und Verknüpfung der Züge ist sehr positiv“, heißt es in einer Stellungnahme der Regio Twente.

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Volle Züge am Morgen

Laut ZVM wäre eine Elek­trifizierung frühestens nach dem Auslaufen des Vertrags mit DB Regio über den Dieselbetrieb im Dezember 2026 möglich. In den vergangenen Jahren sind die Fahrgastzahlen auf der Strecke Münster - Enschede erheblich gestiegen, von täglich rund 4000 im Jahr 2000 auf inzwischen fast 10.000 Reisende pro Wochentag. Das ist der stärkste Zuwachs auf allen ZVM-Strecken. Die Folge: In den Zügen ist es vor allem morgens proppenvoll.

Strecke unter Strom setzen

Auf der eingleisigen Dieselstrecke einfach einen weiteren Triebwagen anhängen funktioniert aber nicht. Das gesamte Gespann wäre dann länger als jeder Bahnsteig. Also gebar der ZVM schon vor einigen Jahren die Idee, die rund 65 Kilometer lange Strecke unter Strom zu setzen. Dann könnten sogenannte Doppelstock-Triebwagen eingesetzt werden, die über 600 Sitzplätze verfügen und damit eine Entlastung böten. Die drei aneinandergekoppelten Talent-Dieseltriebwagen, die DB Regio auf der Strecke fährt, haben zusammen 400 Sitzplätze.

Nach einer ZVM-Vorlage aus Oktober bekaufen sich die Kosten ei­ner Elektrifizierung von Münster bis Enschede auf insgesamt 76 Millionen Euro. Wobei durch den Wechsel von der Diesel- auf die Strom-Variante bei den Energiekosten jährlich fast 900.000 Euro eingespart werden könnten.

Abschnitt Enschede - Zwolle steht bereits unter Strom

Die Vorteile ei­nes sogenannten Durchbindens der RB 64 über Enschede bis nach Zwolle wollen die Niederländer in ei­nem Folgeschritt unter die Lupe nehmen. Die „Euregio“-Bahn bis dort fahren zu lassen, ist naheliegend. Schließlich steht der Abschnitt Enschede - Zwolle längst unter Strom.

In die Wirtschaftlichkeitsberechnungen für die Elektrifizierung solle die deutsche Seite unbedingt den „positiven Effekt einer grenzüberschreitenden Verbindung mitbetrachten“, heißt es in der Mitteilung der Regio Twente. Der bemesse sich unter anderem in prognostizierten Fahrgast-Zuwächsen von jährlich 40.000 Reisenden auf der dann umsteigefreien Strecke Zwolle - Münster und 70.000 allein auf dem Abschnitt Gronau - Enschede.

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