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Münsterland

Augenzeugenberichte von Loveparade-Besuchern aus dem Münsterland

"Ich heiße Dominik Tenhaken, bin 20 Jahre alt, und komme aus Bocholt. Auch ich war am Samstag auf der Loveparade. Wir kamen um 13:45 in Duisburg an und selbst da, war der Tunnel schon sehr voll. Von den Taschenkontrollen haben wir auch nichts mitbekommen. Wir mussten unsere noch nicht einmal öffnen. Von dem schrecklichen Ünglück selber, haben wir allerdings nichts mitbekommen...

wn

Münsterland - Verschiedene Augenzeugen haben uns per Mail von ihren Erlebnissen bei der Loveparade-Katastrophe zukommen lassen. Hier lesen Sie die Mails im Wortlaut.

Augenzeugin Alice Lange aus dem Kreis Steinfurt:

Wie zusammengepferchtes Vieh in einem Graben ohne Ausweg

Als ein guter Freund und ich endlich und nach langem Gedränge und Warten durch die 2. oder 3. Absperrung in Richtung Tunnel laufen konnten, schien erstmal nichts darauf hinzuweisen, in was wir dann reingerieten. den ersten Tunnel konnte man problemlos durchqueren, danach kamen eine steile Böschung und der nächste Tunnel... Hier sah man vereinzelt Leute, die versuchten, die Böschung hinaufzuklettern (wir machten uns noch lustig darüber, ob es denen nicht schnell genug gehe..)

Nun gut, ab in den 2. Tunnel, es wurde schon enger und drängeliger, Leute liefen zurück. wir fragten diese, warum sie umkehrten und man sagte uns, das es vorne sehr voll sei, keiner auf das Gelände gelassen wird und einige hatten keine Lust mehr hatten, rumzustehen.

Naja, wir gingen trotzdem weiter, da wir nicht umsonst die Wegstrapazen auf uns genommen sehen wollten... inmitten des Tunnels wurde es immer enger und einige Meter vor dem Tunnelende kam es dann zu einem totalen Stillstand, man kam jetzt schon weder vor, zurück geschweige denn seitlich in irgendeine Richtung. Ein Umdrehen war schlichtweg nicht möglich, auch die Richtung, in die man gehen wollte, konnte man nicht mehr eigenwillig bestimmen, da von hinten stetig leute nachrückten, man wurde schubweise vorangedrückt!

Ab diesem Zeitpunkt stellte ich mir schon die Frage, was wohl wäre wenn man hinfällt, ob man eine Chance hätte oder ob es gut sei, mittig im Tunnel zu stehen oder man besser versuchen sollte, zur Tunnelwand zu kommen. Es war warm und stickig.

Bevor ich zuende überlegen konnte waren wir schon aus dem Tunnel gedrückt worden und die Enge wurde unerträglich, aber wir bekamen luft! Man unterhielt sich während des Ausharrens in dem Gedrängel, dass das ja wohl unverantwortlich sei, was hier los ist, was denn wohl passieren würde wenn es zu einer Panik oder dergleichen kommen würde...

Rechts von mir sah man den Lastwagen oder Container auf dem vereinzelt die Leute versucht haben, die Wand nach oben zu erklimmen, dort oben stand auch ein Polizist. Halblings von mir sah man die Treppe, glaube dort war noch niemand hinaufgelaufen, weiter vorn auf der anderen Seite sah man den Stahlmast und dass einige auf diesen versuchten hinaufzuklettern, dort standen erst 1/3 Polizeibeamte, welche halfen.

Keine Ahnung, wie lange wir dort standen, aber man merkte wie etwas in der Luft lag, die Treppe wurde gestürmt, der Mast war auf einmal proppevoll mit Menschen, die hinaufwollten... nix passierte bis uns auf einmal aus nordwestlicher Richtung eine Menschenmasse wegdrückte, das ganze geschah zweimal, ich hatte Mühe, mich hinter meinem freund zu halten und wurde von dem Druck seitlich erfasst und bin einbeinig hopsend halb auf die Menschen neben mir gedrückt worden.

Der Rückschwung war demendsprechend heftig und die Stimmung begann überall zu kippen, die Leute waren allmählich gereizt und ich bekam echt Angst da man nach dieser langen Zeit merkte, das man wie zusammengepferchtes vieh, welches Panik bekam, in einem Graben ohne Ausweg stand!!!

Man hatte keine Wahl, irgendetwas selbstbestimmt dagegen zu unternehmen, man fühlte sich zunehmends erdrückt wie von Betonwänden, die dich (ob man wollte oder nicht) fremdbestimmt von links nach rechts schoben.

Ich hatte das gefühl, dass da gleich etwas passiert, Leute schrien um Hilfe und auch ich musste mir irgendwie Platz verschaffen und fuchtelte wild mit meinen Armen, um mit aller Kraft die Leute von mir weg zu stoßen, mir ist es erst dreimal passiert, dass ich einfach nur irgendwie handeln musste..

Mein freund bemerkte dies und legte zum Glück seine Arme um mich, um mich vor ihn zu stellen, wir wollten irgendwie zum Mast, Hauptsache raus. Leute, die in die entgegengesetzter Richtung liefen sprachen wir an, ob diese nicht sehen, dass es nicht geht.. keine Ahnung wie lange wir bis zum Mast brauchten, dort angekommen sahen wir hoch. Ein Polizist zeigte mit seinen Armen das wir, die unten standen, links der Mauer entlang hoch auf das Gelände sollten. Aber dadurch, dass man plözlich wieder Platz hatte und Luft bekam, setzten wir uns erstmal hin, wir überstiegen umgetretene bauzäune und setzten uns. Neben uns klappte jemand zusammen und fiel auf einen der bauzäune, sein freund hob ihn auf, doch er schien bewusstlos. Eine polizistin eilte zu ihnen und fragte noch nach Wasser, aber es gab ja nichts in diesem Tunnel oder auf dem Weg hoch!!!

Nun saßen wir da und schnappten mehrmals nach Luft, hatten Durst und wollten nur weg und sind dann einfach nur auf das Gelände hoch ohne zu gucken was da sonst so passiert, wir ahnten, dass das nicht gut gehen würde... Oben angekommen kämpften wir uns durch den "super" Schotterweg, tranken erstmal etwas und sahen dann die dicken Kratzer auf dem Arm meines freundes, Dreck auf unseren Füßen und Beinen sowie Kratzer und Flecken....

Gegen halb 8 gingen wir Richtung Bahnhof, also runter vom Platz ging super, weite Flächen-- dort sahen wir aber Menschen, die weinten, nicht telefonieren konnten. Wir sagten noch so zu uns "Mensch, sind die fertig".. In der Nähe des Bahnhofes bekam ich dann eine Sms von meiner Mutter, ob ich noch lebe, es hätte Tote gegeben. Allerdings konnte ich nicht zurückschreiben...

Uns wurde alles zu viel und wir wollten nur noch weg. Da wir es vermeiden wollten, eventuell am Bahnhof nächtigen zu müssen, weil dieser bestimmt gesperrt werden würde, wenn alle vom Platz gehen, sind wir in einen Zug Richtung Düsseldorf eingestiegen, um von dort Duisburg zu umfahren. Es dauerte zwar wegen der Vielzahl der Personen am Gleis ca. eine, anderthalb Stunden, aber letztenendlich klappte es!!! Nach uns wurde der Bahnhof gesperrt...

Von Düsseldorf Richtung Wuppertal, in Hagen umgestiegen und über Unna nach Münster. Um halb 1 waren wir schlussendlich Zuhause und waren froh, dass uns nichts passiert ist und wir nichts sehen mussten. Denn diese Bilder, die andere sahen oder auch was die Menschen, die umkamen, gedacht haben müssen möchte ich mir nicht vorstellen müssen, vergessen wird man es nie!!!

Dabei hätten Lautsprecherdurchsagen, die der Menge Anweisungen hätten geben können, bestimmt deeskalierend gewirkt!

Stattdessen standen wir alle dort hilflos, machtlos wie Gefangene in einem Kessel, der überzuschwappen begann und oben um uns herum die Wärter, die zusahen und auch nichts dagegen unternehmen konnten....

Wenn man sich nun Momentaufnahmen im Netz anschaut, wird einem bewusst, wo man stand, was alles hätte passieren können und leider assiert ist. Ich danke dafür, dass wir heil da rausgekommen sind und ich einen lieben freund hatte, der auf mich aufgepasst hat.

Tränen für die Seelen die es nicht schaffen konnten und zurück blieben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Augenzeugin Julia Badenhausen aus Borken:

Am Bahnhof herrschte Panik, keiner wusste was genau passierte!

Augenzeuge aus Dülmen:

Wir haben unterwegs Eltern getroffen die ihre Kinder gesucht haben.

"Hallo, auch ich war auf der Loveparade und bin geschockt. Wir waren schon auf dem Gelände und haben dann von unseren Freuden erfahren was passiert war.Wir haben sms bekommen wir sollen uns melden ob es uns gut geht??wir haben uns erst gefragt warum schreiben die leute solche sms.Wir haben sms empfangen konnten aber nicht antworten und auch nicht telefonieren.Es kam dann eine sms das es Tote durch Massenpanik gab und uns war klar wir verlassen die Party sofort um unseren Verwandten und Bekannten mitzuteilen das es uns geht.

Als wir gingen waren alle Notausgänge geöffnet und der Rückweg gestaltet sich nicht so schwierig die Polizei stand an den Gleisen sperrte alles ab.Wenn man nach dem Rückweg fragen reagierten sie genervt und sagten einfach den andern hinter her.Wir wurden dann am Ende dieser Tunnel geleitet wo wir dann die ganzen Ärzte , Krankenwagen und Hubschrauber stehen sehen haben und ich glaube da war uns das erste mal klar was da passiert sein muss.Wir haben unterwegs Eltern getroffen die ihre Kinder gesucht haben.

Sie waren am weinen und es war einfach nur schrecklich.Ich hatte beschlossen mit dem Auto zur Loveparade zu fahren und bin froh das dies eine richtige Entscheidung war.Wir waren um ca 12.30 in Duisburg und ca 14uhr am Eingang wo unsere Taschen kontrolliert wurden.Es wurde kurzeitig abgesperrt weil ein krankenwagen durch fuhr und somit waren wir die ersten die im Tunnel waren und dieser war leer es waren höchstens 100 Leute im Tunnel weiter unten zum Gelände stauten sich die leute wieder aber ich glaube lang nicht so wie das was man im Tv sieht.

Ich bin 30 Jahre es war meine 7 Loveparade und an sich war diese Veranstaltung einfach nur enttäuschend und wie man liesst war dies alles vorauszusehen.Ich senden an allen Angehörigen mein Beileid."

Augenzeugenbericht von Christina Lang aus Ibbenbüren:

Werde Bilder nicht so schnell vergessen

Ich habe mitten in den Anfängen der Panik gestanden. Mein Freund, unsere Freunde und ich sind zum Glück mit leichteren Blessuren davongekommen. Auch schon die Anfänge waren kaum auszuhalten, aber schrecklicherweise haben wir die ersten Toten noch miterlebt.

Ich werde diese Bilder nicht so schnell vergessen so wie viele andere. Die Rückfahrt gestaltete sich schwierig. Der Hauptbahnhof war für eine ungewisse Zeit gesperrt. Als wir dort angekommen sind, wurde es gerade bekannt gegeben. Die Polizei hat dann gesagt, dass Busse bereit stehen, die uns zu den nächsten Bahnhöfen bringen würden und von da aus dann nach Hause. Dies war allerdings auch ein Chaos, da natürlich alle in die Busse wollten, um da wegzukommen. Wir haben geschlagene 3 1/2 Stunden auf einen Bus zum Essener Hauptbahnhof gewartet.

Dort angekommen, sind wir nach Münster und von dort nach Rheine. Da mein Freund in Meppen wohnt und ich ihn besucht habe, mussten wir von da aus eigentlich weiter nach Meppen. In Münster hat man uns gesagt, in Rheine sei jemand, der Bescheid wüsste, allerdings wusste der Herr kein bisschen Bescheid und so mussten wir drum betteln, dass wir kostenlos Richtung Emsland kommen, da ca. 20 Weitere in die Richtung Lingen, Meppen, Haren, Lathen, Leer und Papenburg mussten.

Es war sehr chaotisch und schlecht organisiert, aber wir sind heile zu Hause angekommen. Nur der Schock sitzt tief, genau wie die Bilder. Mein Beileid den Opfern, den Verletzen und den Angehörigen. Es war der schrecklichste Tag in meinem bisherigen Leben und ich hoffe, es bleibt der vorerst letzte.

Augenzeuge aus Rheine:

Es war sehr verstörend

"Ich heiße Andreas Büker und komme gebürtig aus Rheine und wohne seit drei Jahren in Duisburg. Luftlinie nur 800m vom LoPa-Gelände entfernt.

Da wir so nah wohnen, sind wir schon um 12h zum Gelände gegangen. Wir konnten zu der Zeit noch ohne Probleme überall hingehen, es gab auf dem gesamten Gelände noch ausreichend Platz. So gegen 16.15, also ca. eine halbe Stunde bevor das Unglück geschah, sind wir mal runter zum Eingang gegangen, um zu schauen, wie viele Leute noch von dort kommen. Wir haben uns an den Rand gesetzt und uns das Treiben angeschaut. Aber noch kurzer Zeit haben wir uns nur noch gewundert, wie viele Leute immer noch nachkamen.

Wir sind dann rüber zur anderen Seite des Geländes, rechts neben der Hauptbühne in Richtung Bahnhof. Dort war komischerweise richtig viel Platz, man konnte sich frei bewegen. Wir haben dann auch den Anruf erhalten, dass es dieses schreckliche Unglück gab. Wir waren total geschockt, weil wir einfach nur viel Platz hatte und feiern konnten, obwohl auf der anderen Seite die Menschen gestorben sind, weil sie dort zerquetscht wurden. Das war einfach nur ein seltsames Gefühl, auch weil um einen herum die Leute am Tanzen waren und die Party normal weiterging. Die meisten Leuten wussten überhaupt nicht, was passiert war.

Wir haben uns dann auch auf Heimweg gemacht, weil unsere Partylaune direkt in Fassungslosigkeit umgeschlagen ist. Das Problem auf dem Rückweg war, dass die Polizei gesamte Straßenzüge gesperrt hatte, so musste man für kurze Wege riesen Umwege laufen. Als Ortsfremder war man komplett auf sich selbst gestellt.

Als wir wieder zu Hause ankamen, liefen den ganzen Abend noch die Menschen in unsere Straße rum, weil der direkte Weg zum Bahnhof versperrt war. Die meisten wussten überhaupt nicht, wo sie hinmussten. Dann war die ganze Zeit über die Sirenen zu hören und die Rettungshubschrauber. Das war ein verstörendes Bild, weil im Hintergrund immer noch die Bässe wummerten. Ich kann nur sagen, dass wir überhaupt nichts von der Panik mitbekommen haben und auch weitergefeiert hätten, wenn wir nicht den Anruf bekommen haben. Es war wirklich sehr verstörend.

Augenzeugenbericht bvon Dominik Tenhaken (20) aus Bocholt:

Die Fete ging ganz normal weiter

"Ich heiße Dominik Tenhaken, bin 20 Jahre alt, und komme aus Bocholt. Auch ich war am Samstag auf der Loveparade. Wir kamen um 13:45 in Duisburg an und selbst da, war der Tunnel schon sehr voll. Von den Taschenkontrollen haben wir auch nichts mitbekommen. Wir mussten unsere noch nicht einmal öffnen. Von dem schrecklichen Ünglück selber, haben wir allerdings nichts mitbekommen.

Erst als wir eine SMS bekamen, wo es drin stand haben wir es erfahren. Die Fete an sich ging allerdings ganz normal weiter. Wir haben uns dann so gegen 21 Uhr entschlossen, zum Bahnhof zu laufen, und zurück zu fahren. Allerdings standen wir 10 minuten vor dem Bahnhof, als uns gesagt wurde, dass wir den anderen Eingang nutzen müssten. Vor diesem staute sich jedoch wieder alles.

Nach ca. 2 Stunden konnten wir dann in den Bahnhof. Alle wollten hinein, und haben daher stark gedrängelt. Als wir oben am Gleis standen, haben wir einen Mitarbeiter der DB gefragt ob es der Zug nach Wesel sei.. Er sagte allerdings nur Nach Oberhausen, dort würde sich dann vor Ort entscheiden ob dieser nach Wesel durchfährt, oder jedoch Richtung Gelsenkirchen fährt.

Wir sind dann in Oberhausen ausgestiegen. Der Zug nach Wesel sollte eigentlich um 23:52 fahren, dieser fuhr jedoch bereits um 23:46 ab. Da wir diesen verpasst hatten, mussten wir auf den Nächsten warten. Der sollte um 00:08 fahren, allerdings fiel dieser aus. Der nächste sollte dann um 00:26 fahren, kam jedoch mit mindestens 30 minuten Verspätung.

Um 01:20 Uhr waren wir dann endlich in Wesel. Dort wurden wir abgeholt. Das Bahnpersonal an sich war sehr unkooperativ und total unfreundlich. Kundenzufriedenheit ist der DB wohl nicht so wichtig. "

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