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Naturschützer kritisieren Straßen-NRW

„Das ist ja Kahlschlag“

Münsterland

Mit Holzschnittarbeiten an deutschen Straßen macht man sich keine Freunde. Entweder verursacht man Staus oder sorgt für Kahlschlag entlang den Straßen. Bernd Löchter, Sprecher von Straßen-NRW, kennt die Vorwürfe.

Stefan Werding

Und er kann verstehen, dass Laien mit „Ach du meine Güte, das ist ja Kahlschlag“ auf die Arbeiten reagieren, die noch bis Samstag entlang der Straßen durchgeführt werden. Aber er beruhigt: Nach einem Jahr hätten sich die betroffenen Areale wieder berappelt. Außerdem seien die Arbeiten notwendig für die Sicherheit der Autofahrer.

2013 haben das NRW-Bauministerium, der Landesbetrieb Straßen und der Landesbetrieb Wald und Holz neue Richtlinien zur Gehölzpflege an Straßen erarbeitet. Ziel sei es gewesen, „großflächiges ,auf den Stock setzen‘ von Straßenbegleitgrün zu vermeiden und durch eine gezieltere Pflege zu ersetzen“, wie es ein Sprecher des NRW-Umweltministeriums formuliert. Dabei wird das Prinzip der „Läuterung“ eingesetzt, also der gezielten Entnahme von Gehölzen, teilt das Umweltministerium mit.

Bernd Löchter von Straßen-NRW zu Vorwürfen, beim Holzschnitt gegen Richtlinien zu verstoßen

Daran hält sich Straßen-NRW nach Löchters Worten allein schon deswegen, „weil wir keine Lust haben, deswegen in Düsseldorf anzutanzen“. Der Landesbetrieb könne sich gar nicht erlauben, gegen Vorschriften zu verstoßen, sagte er angesichts der sehr genauen Beobachtung der Arbeiten durch Autofahrer. Unter anderem deswegen müssten sich die Unternehmen, die die Arbeiten entlang der Autobahnen und Bundesstraßen im Auftrag von Straßen-NRW erledigen, Kon­trollen durch den Landesbetrieb gefallen lassen.

Den Vorwurf, dass es die beauftragten Firmen mit dem Erlass nicht so genau nehmen und aus wirtschaftlichen Gründen zur großen Säge greifen, weist Löchter von sich. „Wirtschaftliche Argumente treten völlig in den Hintergrund“, sagt er zu den Arbeiten.

Dr. Jürgen Baumanns, Nabu-Vorsitzender im Kreis Coesfeld

Trotzdem gibt es unübersehbar Bereiche, in denen von einer „Läuterung“ wenig zu sehen ist. Das findet etwa Heinz Kowalski, stellvertretender Landesvorsitzender des Naturschutzbundes NRW (Nabu). Er kritisiert, dass sich die Arbeiter nicht darauf beschränken, nur 100 Meter lange Abschnitte abzuholzen und dann 100 Meter stehen zu lassen, sondern auf deutlich längeren Abschnitten zuzuschlagen. „Das sieht in der Praxis immer mal wieder anders aus, als es geregelt ist“, meinte er. Oft würde das mit angeblichen Verkehrsgefährdungen begründet. Das aber sei nicht leicht zu widerlegen. Immerhin: Die Ergebnisse des Holzschnitts seien „nicht mehr ganz so schlimm wie früher“.

Auch Dr. Jürgen Baumanns, Nabu-Vorsitzender im Kreis Coesfeld, hat seine Zweifel. „Die Arbeiten werden nicht fachgerecht durchgeführt“, urteilt er.

Den Naturschützern liegt der abschnittsweise Schnitt am Herzen, weil Tiere so wenigstens einen Teil ihres Lebensraums behalten würden. Zwar ist es dort laut – nach Kowalskis Worten kann ornithologisch nachgewiesen werden, dass Vögel, die in den Hecken an den Straßen brüten, lauter singen – und die Wahrscheinlichkeit, an einer Windschutzscheibe zu verenden, größer. Dafür gebe es in den Hecken mehr Nahrung. Weil dort kein Dünger und somit auch keine Pestizide verteilt werden, leben dort zum Beispiel mehr Mäuse.

Die Witterung erlaube es Straßen-NRW, dieses Jahr viel mehr Hecken auszudünnen als in früheren Jahren. „Bei dem vielen Schnee in den vergangenen Jahren konnten wir ja gar nichts machen“, sagt Löchter.

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