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Weniger Auto, mehr ÖPNV und Fahrrad

Das Münsterland auf dem Weg zur Mobilitätswende - Kreise arbeiten an neuen Konzepten

Münster

Ein neuer „Masterplan Mobilität Münsterland“ soll‘s richten: Die Kreise Boken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf wollen gemeinsam mit der Stadt Münster die Mobilitätswende anschieben. Am Freitag nannten sie Details.

Das Bild zeigt eoine Umweltspur in Dortmund. Foto: www.imago-images.de

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe kam mit dem Fahrrad gerade noch pünktlich, da war Steinfurts Landrat Martin Sommer mit dem Zug („ausnahmsweise mal“) schon längst da, aber sein Coesfelder Kollege Christian Schulze Pellengahr war mit dem Dienstwagen in einen Stau geraten. Die Szene war geradezu sinnbildlich für das Thema, um das sich die „Mobilitätskonferenz Münsterland“ am Freitag drehte. Die Landräte und der OB unterzeichneten symbolträchtig eine Grundsatzerklärung, mit der sie den „Masterplan Mobilität Münsterland“ aufs Gleis setzen wollen.

Dass es nur mit regionsweit abgestimmten Bemühungen gelingen kann, akzeptierte Alternativen zum Auto zu etablieren, haben die Akteure im Münsterland schon länger verinnerlicht. Äußeres Anzeichen dafür sind die Mobilitätskonferenzen, zu denen sie sich gelegentlich treffen, um sich gegenseitig auf den aktuellen Stand zu bringen und den Spirit zu stärken.

Beispiele aus dem Münsterland

Aus allen Kreisen gibt es Beispiele für Projekte, die bereits angestoßen sind. In Gronau etwa wurden die Stadtbusse abgelöst von Linientaxis („G-mobil“), die telefonisch oder per App bei Bedarf angefordert werden. Der Schnellbus S 90 von Senden nach Münster fährt inzwischen halbstündlich, ist leichter zu erreichen und Kunden können einen Elek­tro­roller dazu buchen. Im Kreis Steinfurt werden die Überlandbuslinien gestärkt, Warendorf will die einstige Bahnlinie der WLE reaktivieren und Münster baut viele Velorouten.

„Das Münsterland gehört zusammen“

Doch all das, so schien der Tenor, könne allenfalls der Anfang sein. Um mehr und mehr Menschen dazu zu bringen, auf öffentliche Verkehrsmittel oder die Leeze umzusteigen, ist noch viel notwendig. „Wir müssen uns zu der gemeinsamen Verantwortung bekennen“, sagte Warendorfs Landrat Olaf Gericke. „Das Münsterland gehört zusammen“. Er warnte aber auch davor, „das Auto zu verteufeln und Bus und Bahn zu verherrlichen“ – im Münsterland gehe es erstmal nicht gänzlich ohne Auto.

Eine Grundsatzerklärung zur Erstellung eines Masterplans Mobilität Münsterland unterschrieben am Freitagmorgen (von links) Christian Schulze Pellengahr, Olaf Gericke, Kai Zwicker, Markus Lewe und Martin Sommer. Foto: Gunnar A. Pier

Mentalitätswechsel

Zwei Dinge, das klang am Freitag immer wieder an, sind neben den guten Ideen notwendig: ein Mentalitätswechsel – die Menschen müssen den neuen Weg mitgehen. Und Geld. Viel Geld. „Wir brauchen eine Kon­tinuität in der Finanzierung“, sagte etwa die Regionalrats-Vorsitzende Mechthild Schulze Hessing. Eine mehrfach formulierte Forderung in Richtung Bund und Land. „Wir brauchen Geld auf den Tisch des Hauses, sonst wird das nix mit der Mobilitätswende“, wurde Gericke deutlich. Nicht nur für die Renovierung etwa der WLE-Strecke, sondern auch für den Betrieb.

Verdopplung der Fahrgastzahlen

Dass eine Verdopplung der Fahrgastzahlen kein Indiz für beginnenden Mobilitätswechsel ist, erklärte vor rund 160 Besuchern Joachim Künzel, Geschäftsführer des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe. In den vergangenen 20 Jahren hätten sich die Fahrgastzahlen tatsächlich verdoppelt – „aber wir haben damit nur die Zunahme der Mobilität aufgefangen.“ Weniger Autos auf der Straße habe das nicht gebracht.

Die Grundsatzerklärung

Den Willen, gemeinsam auf eine Verkehrswende hinzuarbeiten, bekräftigen die Landräte und der OB in ihrer Grundsatzerklärung. Darin bekennen sie sich unter anderem dazu, dass die Verkehrsverbünde gestärkt werden müssen, um eine Verlagerung hin zu mehr ÖPNV-Angeboten zu ermöglichen. Dazu soll ein Masterplan erstellt werden, der „richtungsweisende Antworten“ auf die Fragen findet. Zunächst würden Gutachter den Jetzt-Zustand feststellen, damit der weiter entwickelt werden kann zu einem Konzept „mit Vorbildcharakter auch für andere ähnlich strukturierte Regionen“.

Kommentar: Alle müssen mitmachen!

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