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Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz

So hilft das Münsterland in den Flutgebieten

Münsterland

Sie kommen mit Schleppern oder Baggern, mit Wasser oder Heu, mit Schippen oder Hämmern: Unzählige Freiwillige aus dem Münsterland haben Menschen in den Flutgebieten geholfen. Viele fanden kreativen Ideen, um entweder Geld zu sammeln oder vor Ort anzupacken. Einige Beispiele.

Aus unseren Lokalredaktionen

Landwirte und Bauunternehmer aus dem Münsterland sammeln Müll , die Künstlerin Gaby Kutz aus dem Ahrtal kann die Galerie Münsterland als Ersatz-Atelier nutzen, Chiropraktikerin Annette Smith aus Rheine behandelt erschöpfte Helfer, und der Prinzenschützenverein in Steinfurt-Borghorst sammelt auf dem Markt Spenden (im Uhrzeigersinn von oben links). Foto: Fotos: Lingen, Lindemann, privat, Roll

In Coesfeld waren es besonders die Gruppe „Coesfeld for Future“ und zahlreiche Landwirte, die sich im Ahrtal eingesetzt haben. Sie waren mehrere Male vor Ort und haben beim Aufräumen geholfen, die Landwirte sind mit ihren Schleppern und Schaufeln angerückt. Zusätzlich haben Nachbarn beim Nachbarschaftsfest gesammelt, Kinder haben Kuchen gebacken und verkauft oder ein Chor hat in der Innenstadt gesungen und Geld gebeten.

Dülmen: Markus Becker initiierte eine private Flutopferhilfe aus Dülmen für den Kreis Euskirchen. „Ich habe acht Aufrufe gestartet und bin mit Kolonnen an Helfern losgefahren, beladen unter anderem mit über 2000 Kisten Wasser“, erzählte er bei einem Talkabend in Dülmen.

"Schlimmer als im Kriegsgebiet"

Lüdinghausen: Gleich mehrfach waren 25 Helfer der Freien Christengemeinde „Gottes Wort“ aus Lüdinghausen in Ahrweiler und Dernau im Einsatz. Deren Pastor Andrej Stukert schilderte die Situation so: „Ich war im Kriegsgebiet in der Ukraine. Im Hochwassergebiet war es schlimmer.“ Auch das heimische THW unterstützte die Aufräumarbeiten. THW-Leiter Gerd Müller berichtete von zwei Schlauchbooten und einem Arbeitsboot mit acht Helfern in Swisttal.

Emsdetten: Ein Unternehmer, der in der Uckermark noch einen großen landwirtschaftlichen Betrieb hat, hat einen Teil seiner Heuernte ins Ahrtal gebracht, wo ein Pferdehof sein gesamtes Futter verloren hatte. Lions und Soroptimisten haben am Wochenende einen großen Flohmarkt mit Versteigerung organisiert, bei dem über 20 000 Euro zusammengekommen sind. Das Geld erhalten 24 Familien einer Firma in Ahrweiler, die zum Großteil ihren Hausstand etc. verloren haben. Zudem bekommen die Azubis der Firma ein Auto. Ihre Berufsschule ist „weggeschwommen“, jetzt müssen sie weite Wege zu einer anderen Berufsschule fahren, dafür gibt´s jetzt einen gebrauchten Opel Corsa. Der Rotary Club und der Kunstverein Emsdetten veranstalten in der Galerie Münsterland eine Ausstellung mit der Künstlerin Gaby Kutz, deren Atelier in Bad Münstereifel zerstört wurde. Die „Flutbilder“ werden ab 12. September in Emsdetten ausgestellt, schon vorher nutzt die Künstlerin die Galerie Münsterland als Ersatz-Atelier, um vor Ort Bilder fertigzustellen.

Partyservice liefert Essen

Rheine: Ein Partyservice hat mehrere Tage lang Helfer mit Fritten, Würstchen und Getränken versorgt. Chiropraktikerin Annette Smith hat sich den „Chiros for Heroes“ angeschlossen und die angestrengten Rücken und Gelenke Hunderter Helfer justiert.

Wettringen: Der Wettringer Unternehmer Jan Plass (Erdbau und Abbruch) hat von Ende Juli bis Mitte August vor Ort (in mehreren Orten entlang der Ahr) mitgeholfen, mit schwerem Gerät: drei Bagger, Radlader, Lastwagen.

Schlamm beseitigt und Geld gespendet

Steinfurt: In Steinfurt hat es mehrere Landwirte gegeben, die mit ihren Schleppern mehrere Tage in den Flutgebieten waren und Schlamm und Müll beseitigt haben. Der Prinzen-Schützenverein hat 20.000 Euro durch verschiedene Aktionen wie Schrott sammeln, Verkaufsstände auf den Wochenmärkten und ähnliches, zusammenbekommen. Das Geld soll direkt vor Ort übergeben werden. Die Schützengesellschaft der Patrioten hat aufgerufen zu einem Arbeitseinsatz. Mit einem gesponserten Bus ging es für ein Wochenende ins Krisengebiet, wo dann kräftig mitangepackt wurde.

Steinfurt/Warendorf: Auf Initiative von Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf, wurde die landesweite Initiative gestartet „Handwerk hilft Handwerkern“. Inzwischen werden nicht nur Werkzeuge etc. gespendet. Es fließt auch viel Geld.

Sendenhorst: Der Inhaber der mobilen „Futterkiste“ holte den örtlichen Metzger und den Geschäftsführer eines Sendenhorster Supermarktes ins Boot. Beide füllten ihm einen Lkw mit Lebensmitteln. Mit Helfern brach er auf, um rund 1000 Hilfskräfte in Hagen mit Essen zu versorgen.

Telgte: Der städtische Kindergarten „Abenteuerland“ gab Boxen mit Kuchen und Süßigkeiten gegen eine Spende ab und unterstützte mit dem Erlös von 536 Euro die Spendenaktion unserer Zeitung.

Viel Unterstützung auch aus Warendorf

Kreis Warendorf: Auf Initiative der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf werden vor allem Elektrogeräte gesammelt und in die Flutregion gebracht. die Kreisjägerschaft Warendorf ist einem Aufruf eines Berufsjägers aus dem Ahrtal gefolgt, der berichtet hatte, dass es dort zwar große Gebinde an Desinfektionsmitteln, allerdings keine Desinfektionsmittelspender gab. Das hat Marcus Lenz, Geschäftsführer bei Frontmatec in Beckum auf den Plan gerufen. Er ist selbst Jäger und hat mit seinem Unternehmen spontan 40 Desinfektionsmittelspender zur Verfügung gestellt, die per DHL ins Krisengebiet geschafft und dort durch Jagdkollegen per Jeep in von der Außenwelt mehr oder weniger abgeschnittene Ortschaften wie Rech, Dernau oder Brück gebracht wurden.

Warendorf: Bei den Räumungsarbeiten im Hochwassergebiet haben Matthias Tönnissen (Vellerner Agrarservice), Aike Schweppenstedde (Garten-und Landschaftsbau Lippetal) und Patrick Wesemann (Gartenbau Horstmann, Ennigerloh) geholfen. Sie fuhren zur Ahr und stellten Schlepper und andere Fahrzeuge bereit.

Flutwein wird in Hiltrup verkauft

Borken: Die Borkener Zeitung hat mit dem Lionsclub eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Der Erlös geht direkt an Flutopfer in Bad Münstereifel und wird über die dortige Bürgerstiftung ausgezahlt. Darüber sind bisher über 100 000 Euro zusammengekommen. Die Spedition Weddeling in Borken lagert gespendete oder geliehene Waschmaschinen und Bautrockner, die ein Unternehmer aus Bad Münstereifel in den kommenden Wochen abholen soll. Außerdem sind seit mittlerweile sechs Wochen Landwirte und Bauunternehmer aus dem Raum Borken im Ahrtal im Einsatz.

Münster-Hiltrup: Drei Unternehmer haben aktiv in Ahrweiler mitgeholfen, haben eine Gitterbox mit 500 Flaschen Flutwein mitgebracht, die verkauft wurde.

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