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Das Superfood aus dem Keller

Jungunternehmer Joel Borgstädt züchtet im Nebenberuf Microgemüse

Wadersloh

Microgreens ist Gemüse in einer Miniaturversion. Aus einem Samen entwickelt sich ein Keimling, aus diesem entsteht eine Keimsprosse und danach wächst diese weiter, bis sich Blattgrün, Grünkraut, Babygrün oder am international geläufigsten Microgreen entwickelt.

Von Dierk Hartleb

Joel Borgstädt setzt auf nachhaltige Lebensmittelversorgung. Foto: Dierk Hartleb

Sie sind klein, aber entwickeln innerhalb von wenigen Wachstumstagen ein Aroma, das ihre ausgewachsenen Gemüse- und Kräutergeschwister in den Schatten stellen. Joel Borgstädt züchtet Microgreens – im Keller der früheren Bäckerei Brand in Wadersloh.

Zarte Keimlinge

Was sich nach Hightech anhört. sind in Wirklichkeit zarte Keimlinge von Brokkoli, Erbsen, Radieschen oder Knoblauch. Zum Verzehr geeignet ist alles, was über der Erde auskeimt.

Borgstädt kennt die erstaunten Gesichter, wenn seine Kundschaft auf den Wochenmärkten in Rietberg und Lippstadt die Gemüse- oder Kräutersorten probiert. Erstmals vertreten war der 24-jährige Jungunternehmer auch am vergangenen Wochenende auf dem Handwerkermark in Liesborn, wo es ganz ähnliche Reaktionen bei den Besuchern gab.

Start-up

Das Thema gesunde Ernährung hat den Start-up-Gründer aus dem Langenberger Ortsteil Benteler in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kreis schon in seiner Studienzeit an der Hochschule Hamm-Lippstadt interessiert, wo er Materialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Bionik und Photonik studierte.

Anders als seine Kommilitonen strebte Borgstädt nicht einen lukrativen Job in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines Unternehmens an, sondern verfolgte die Idee der Selbstständigkeit. Im Rahmen eines Fernstudiums ließ er sich zum Ernährungsberater ausbilden.

Microgreens Wadersloh Foto: Peter Schniederjürgen

Um seinen Lebens unterhalt zu finanzieren, heuerte er bei der Post in Wadersloh als Abrufkraft an.

Von montags bis donnerstags trägt und fährt der Existenzgründer Briefe und Pakete aus, freitags und samstags ist er auf Märkten unterwegs, um sein Microgemüse direkt an den Endverbraucher zu verkaufen. Zu seinen Kunden gehören ansonsten Restaurants.

„Das könnten noch ein paar mehr sein“, findet Borgstädt. Unter „keimgold.de“ ist er auch auf beim Marktschwärmerteam Beckum vertreten und liefert auf Bestellung aus.

Biozertifiziert

„Ich verwende ausschließlich biozertifiziertes Saatgut“, versichert er. Seitdem er seine Farm im Januar dieses Jahres in Betrieb hat, musst er die Jungpflanzen regelmäßig wässern.

In der kommenden Woche will er die Aufzucht zum großen Teil auf erdlos mit einer Bewässerungsanlage umstellen. Die Pflanzen stehen dann mit ihrem Wurzelwerk direkt in einer Nährstofflösung.

Welchen Vorteil bieten Microgreens gegenüber traditionell gezogenen Gemüse- oder Kräuterpflanzen: „Sie behalten die geballte Energie der Saat, sind super geschmacksintensiv und ein echtes Superfood“, sagt der Züchter. Verwendet werden sie unter anderem im Salat, als Beilage, in Smoothies oder als Topping für Pizza, Nudeln, Brote oder Burger.

Nahrungsergänzung

Aber: Sie sind kein vollständiger Ersatz für Gemüse, sondern nur Ergänzung. Übrigens: auch Erdbeeren oder Trauben ließen sich so anbauen.

Borgstädts Vision ist klar: In fünf Jahren will er den Job als Kurierfahrer für die Post aufgeben und seine Microgreens in größerem Maßstab anbauen können – dann weiter mit Herzblut, aber im Vollzeitjob.

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