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Nager auf dem Vormarsch

Der Biber erobert sich verlorenes Terrain zurück

Münsterland

Biber gab in Deutschland über Jahrzehnte nicht. Sie waren im 19. Jahrhundert ausgerottet worden. Jetzt erobern die Nager verlorenes Terrain zurück - auch in NRW. Dabei stehen die Tiere auch an der Grenze zum Münsterland. Dass sie auch hier bald wieder heimisch werden, steht außer Frage, sagte Holger Sticht, Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Elmar Ries

Der Biber ist nach Nordrhein-Westfalen zurückgekehrt (Archivfoto). Foto: dpa

Der Biber ist in NRW auf dem Vormarsch. Mit großen Schritten, immer den Flüssen und Bächen entlang. Im Münsterland richtig heimisch geworden ist er allerdings noch nicht. „Das ist jedoch nur noch eine Frage der Zeit“, sagt Holger Sticht, Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) NRW, auf Nachfrage.

Im Süden Niedersachsens hat der Nager bereits ei­ne stabile Population gegrün­det. Noch scheint er die Grenze zu NRW aber zu respektieren: Bisher wurden allenfalls vereinzelt Biber bei Ibbenbüren gesichtet.

Nach Angaben des Landesamtes für Natur, Umweltund Verbraucherschutz NRWsind in den vergangenen Jahren rund 1000 Tiere wieder in NRW heimisch geworden. 2018 hat das Amt landesweit 340 Biberreviere gezählt. Sehr zur Freude von Naturschützern.

Erste Wiederansiedlungen

Bis ins 19. Jahrhundert hinein lebten Biber an nahezu allen Flüssen Europas. Dann rottete der Mensch sie nach und nach aus. Ihres Fleisches und ihrer Felle wegen, sagt BUND-Mann Sticht. Und weil sie als „Ökosystemingenieure“ Konkurrenten der Menschen waren. 1966 gab es in Deutschland die ersten Wiederansiedlungen.

NRW setzte mit dem Beginn der 1980er Jahre die ersten zwölf Biber aus. Ein Förster in der Eifel tat das. Warum, weiß heute niemand mehr so genau. Ab 2002 folgten erste Wiederansiedlungen im nördlichen Rheinland. Daneben gibt es noch Tiere in den Niederlanden. Sie alle wandern nun aus verschiedenen Richtungen Richtung NRW.

Der BUND hat eine NRW-Biberkarte erstellt. Die grünen Punkte zeigen die Stellen, an denen der Nager wieder heimisch geworden ist. Foto: WN

Der Bund hat eine Biberkarte für Nordrhein-Westfalen entwickelt. Danach gibt es vor allem am Niederrhein größere Populationen sowie in und um Hamm. In Ostwestfalen nagen die Nager nur bei Paderborn und bei Bad Oeynhausen. Noch.

Biologische Vielfalt "explodiert"

„Der Biber breitet sich glücklicherweise wieder in ganz NRW aus“, sagt der BUND-Vorsitzende Sticht. Indem sie das machen, wofür sie bekannt sind, seien die Tiere für Flora und Fauna von unschätzbarem Wert. Biber bauen bekanntlich Dämme. Damit sorgen sie dafür, dass Flächen gerodet werden und wieder andere unter Wasser stehen. Zudem nehmen sie mit den Barrieren Flüssen und Bächen die Geschwindigkeit. All das helfe, „dass die biologische Vielfalt explodiert.“ Weil andere Arten entweder von den Wasserflächen profitierten – wie etwa bestimmte Libellenarten. Oder eben von den offenen Flächen – die zum Beispiel für Insekten wich­tig seien.

Dass die kleinen Nager mit ihren teils großen Dämmen letztlich auch dafür sorgen, dass Moore und Sümpfe entstehen, die wiederum Massen CO2 speichern, ist ein weiterer Effekt.

Das Landesamt spricht von einer dynamischen Ausbreitung der streng geschützten Biber. Und erwähnt natürlich auch die Schattenseiten. Dass sich Tiere und Menschen in dicht besiedelten Regionen schon mal in die Quere kommen können. Um alle Interessen unter einen Hut zu bekommen, arbeitet Düsseldorf darum an einen „Bibermanagement-Plan“.

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