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Ein Honorarkonsul aus dem Münsterland

Der CDU-Landtagsabgeordnete Werner Jostmeiergeht ganz in seiner Arbeit für Bulgarien auf

Münster/Dülmen

 Herr Honorarkonsul. Das klingt gut. Seit Februar darf der Dülmener CDU-Landtagsabgeordnete Werner Jostmeier den Titel tragen. Jostmeier ist Honorarkonsul Bulgariens. Ein Jahr vor dem angekündigten Ende seiner Karriere als Profi-Politiker schlägt der 65-Jährige einen neuen Weg ein. Anfang des Jahres bestätigte ihn das Auswärtige Amt in der neuen Funktion. Am 1. Juli besucht der bulgarische Botschafter Radi Naidenov Münster, und führt den Dülmener offiziell ein. Herr Honorarkonsul – Jostmeier ist stolz, auf Amt und Titel.

Elmar Ries

Am 1. Juli wird der Dülmener Werner Jostmeier offiziell in sein neues Amt eingeführt. Honorarkonsul darf er sich aber jetzt schon nennen. Foto: Gunnar A. Pier

Wie aber wird man als Landtagsmitglied aus dem Münsterland konsularischer Vertreter eines osteuropäischen Landes? Die Frage liegt nahe. Es ist erstaunlich, dass selbst der Amtsinhaber nicht genau weiß, wie es dazu kam.

Womöglich hat es damit zu tun, mutmaßt Jostmeier, dass er 2008 als Leiter einer Landtags-Delegation Rumänien und Bulgarien besucht hat und dabei den heutigen Regierungschef Boyko Borisov kennenlernte. Oder dass er als Vorsitzender der deutschen Delegation im Brüsseler Ausschuss der Regionen mit den osteuropäischen Partnern über die neue Sitzverteilung verhandelte. Vielleicht hängt es ja auch mit seinem Vorsitz der Parlamentariergruppe NRW-Po­len zusammen oder damit, dass seine Lebensgefährtin aus Bulgarien stammt. „Ich weiß es wirklich nicht“, sagt er. Jedenfalls sprach ihn der ehemalige Geschäftsträger des bulgarischen Konsulates in Bonn irgendwann an. Ob er sich vorstellen könne, sich zu bewerben …

„Klar konnte ich das“, erzählt der Dülmener. Tat’s und hörte mehr als zwei Jahre nichts. Bis Ende 2015 eine bulgarische Nachrichtenagentur unerwartet von seiner Er­nennung berichtete.

In seiner neuen Funktion ist Jostmeier nun Repräsentant eines Landes, das es mit der Rechtssicherheit nicht so genau nimmt, es dafür aber auf den Feldern der Vetternwirtschaft und Korruption weit gebracht hat. Wie sieht der 65-Jährige das? Auch nach au­ßen erstaunlich kritisch. Das Land brauche „Reformen, Begleitung und Vorgaben“, damit es die EU-Standards wirklich umsetze. Dann kommt das erwarte Aber: Es lohne sich jedoch, hier Zeit, Energie und auch Geld zu investieren „und Geduld zu haben“. Bulgarien sei „europawillig“, sagt Jostmeier, so deutsch- wie gastfreundlich „und teilt in der Flüchtlingsfrage ebenso die Sicht der Bundesregierung wie in der Haltung zu Griechenland“. Dennoch kann auch er bei Bekannten und Freunden Vorbehalte spüren, wenn er von seiner neuen Aufgabe erzählt.

Honorarkonsul zu sein, ist ein Ehrenamt. Heißt: Jostmeier hat keine hoheitlichen Aufgaben. Er ist vor allem ein Mittler, jemand, der Kontakte hat und diese in beide Richtungen nutzt. Wobei er den Akzent auf die Wirtschaftsbeziehungen legen möchte, sagt der 65-Jährige. Nicht von ungefähr hat er darum auch seine Büroräume im Gebäude der Handwerkskammer in Münster eingerichtet. Im Herbst findet eine Reise deutscher Un­ternehmer nach Bulgarien statt, Jostmeier wirbt und trommelt schon jetzt dafür, kaum dass er im Amt ist.

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