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„Größte Kirmes im Münsterland“

Der Titel ist den Städten angeblich egal

Münsterland

Was soll‘s? „Auch der drittgrößte kann der Beste sein“, sagt Johannes Lammers von der Stadt Münster. Jeden Herbst beginnt ein liebevoller Wettbewerb, welche Kirmes die größte des Münsterlands ist. Die Kandidaten: die Ibbenbürener Großkirmes, die Rheiner Herbstkirmes, die Bocholter Herbstkirmes und der Send in Münster. Aber einen Sieger gibt es nicht.

Stefan Werding

Der Send, der am Samstag beginnt, hat die meisten Zuschauer, muss dafür aber auch drei Mal im Jahr stattfinden. Die meisten Fahrgeschäfte stehen in Bocholt: 302 – im Vergleich zu 220 in Ibbenbüren, 200 in Münster und 220 bis 250 in Rheine. Kurz blitzt das alte Spielchen wieder auf: „Immer einer mehr als in Bocholt“, sagt der Rheiner Marktmeister Thomas Lehmkuhl lachend auf die Frage nach den Schaustellern, die jedes Jahr nach Rheine kommen.

Und Claudia Kösters mischt fröhlich mit. „Wir sind die schönste“, behauptet die Pressesprecherin des Verkehrsvereins Rheine. Dort schlängelt sich die Kirmes durch die Innenstadt. Wie bei einem Knochen stehen an den beiden dicken Enden die großen Fahrgeschäfte, dazwischen flanieren die Gäste.Die verschiedenen Kirmessen seien ohnehin nicht zu vergleichen. Sie kenne keine Stadt, in der sowohl Kinder als auch Erwachsene die Kirmes so sehr herbeisehnen. Sie ist der Ort, an dem die Rheinenser alte Freunde treffen. Sie muss es wissen. Sie kommt aus Ibbenbüren.

Foto:

Der Superlativ hat bestenfalls noch den Sinn, Schausteller zu locken, die sich zwischen verschiedenen Städten entscheiden müssen. Wer 16 Tage am Stück in Bremen stehen kann, überlegt sich, warum er nur für vier Tage nach Bocholt oder Rheine kommen soll.

Auch Ludger Dieckhues vom Stadtmarketing in Bocholt ist der Wettbewerb egal. Mit seinen 302 Schaustellern könnte die Kirmes noch am ehesten mit seiner Größe prahlen. Aber Dieckhues hält sich zurück. „Jeder setzt unterschiedliche Maßstäbe“, sagt er. Vom alten Werbespruch „Die Superlative im Münsterland“ haben sich die Veranstalter längst verabschiedet, lieber werben sie mit der „Attraktion mit Tradition“. Schließlich habe das Schaustellergewerbe genau die vorzuweisen. Und für eine Lobhudelei, zu der er an dieser Stelle ermuntert wurde, sagt er: „Ich finde die Kombination aus großem Platz und Innenstadt sehr reizvoll“. Kirmesbesucher landen irgendwann mitten in der City, können neben Bratäpfeln noch in den Geschäften vor Ort einkaufen. „Bei uns wird Kirmes gelebt. Sie erleben hier zu jeder Zeit einen vollen Platz. Dann feiert die ganze Stadt und ist hier vier Tage im Ausnahmezustand.“

Die Größe des Jahrmarkts findet auch Heinz Elfers von der Stadt Ibbenbüren zweitrangig. „Ob eine Kirmes 20 Beschicker mehr oder weniger hat, sagt nichts über ihre Attraktivität aus“, findet er. Nach Ibbenbüren kommen Besucher von Niedersachsen bis Holland, die Kirmes plätschert als eine der wenigen echten Straßenkirmessen durch die Innenstadt. Die Leute kommen aus 30 Gassen und Straßen aufs Gelände. Und mit den Häusern in direkter Nähe ist der Blick aus der Riesenrad über die Stadt noch eindrucksvoller.

Wenn man‘s so sieht, bekommt Ibbenbüren für den Titel „Größte Kirmes des Münsterlands“ plötzlich wieder Außenseiterchancen.

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