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1. Westfälische Bildungsgespräche der IHK Nord Westfalen

„Die Digitalisierung ändert alles“

Münster

Wenn Anja Karliczek über das duale Ausbildungssystem in Deutschland redet, merkt man, dass sie eigene Erfahrungen einbringt. Kein Wunder, denn die Bundesbildungsministerin hat zwei Berufsausbildungen und dann ein Studium absolviert.

Jürgen Stilling

In einer Podiumsdiskussion tauschten die Experten ihre Argumente aus (von links): IHK-Vizepräsident Lars Baumgürtel, Carsten Taudt (Geschäftsbereichsleiter für Bildung und Fachkräftesicherung der IHK), Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und Trendforscher Prof. Dr. Peter Wippermann. Foto: Gunnar A. Pier

Bei den 1. Westfälischen Bildungsgesprächen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen berichtete Karliczek am Donnerstagabend in Münster über ihre internationalen Erfahrungen. „Viele Bildungsminister aus aller Welt haben mich gefragt: Können wir das auch haben?“, so die Ministerin. „Das zeigt, dass wir auf unsere berufliche Bildung in Deutschland verdammt stolz sein können.“

Ausbildungssystem vor neuen Herausforderungen

Doch in Zukunft stehe das deutsche Ausbildungssystem vor ganz neuen Herausforderungen. „Die Digitalisierung ändert alles“, weiß Karliczek. Die Rahmenbedingungen für 25 Berufe habe die Bundesregierung bereits modernisiert. Aber künftig käme es zunehmend nicht nur auf Fachwissen, sondern auch auf „Soft Skills“ an, also weiche Faktoren, an wie etwa Durchhaltevermögen.

Ein kulturelles Problem sieht indes der Trendforscher Prof. Dr. Peter Wippermann auf dem deutschen Arbeitsmarkt. „96 Prozent der Deutschen sagen, digitale Bildung ist wichtig“, referierte Wippermann Forschungsergebnisse. „Gleichzeitig sagen aber 81 Prozent, dass sie davon nicht selbst betroffen sind.“

Trendforscher Prof. Dr. Peter Wippermann

Für die Ausbildung junger Menschen ist dem Trendforscher zufolge die Erkenntnis sehr wichtig, dass sich soziale Beziehungen mehr und mehr in den virtuellen Raum verlagern. „In Deutschland trifft jeder Zweite seine Freunde lieber virtuell“, so Wippermann. In anderen Ländern wie den USA und Großbritannien sei diese Quote sogar noch viel höher. Und noch eine erstaunliche These stellte der Zukunftsexperte auf: „Ein Großteil der jungen Menschen wird künftig in Berufen arbeiten, die wir heute noch gar nicht kennen.“

Batterieforschung existenziell für deutsche Volkswirtschaft

Nicht ganz so weit will der Gelsenkirchener Unternehmer und IHK-Vizepräsident Lars Baumgürtel gehen: „Im Kern müssen die Mitarbeiter in der Industrie auch in Zukunft verstehen, was da zusammengebaut wird“, betonte Baumgürtel. „Selbst wenn das Roboter machen.“

Die Bildungsgespräche berührten indes auch noch kurz ein anderes Thema: die Batterieforschung. IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer lobte Ministerin Karliczek dafür, das Batterieprojekt nach Nordrhein-Westfalen, also nach Münster, Ibbenbüren und Aachen, geholt zu haben. Karliczek verwies auf „die große Verantwortung“, die mit diesem Projekt einhergehe. „Die Batterieforschung ist existenziell für unsere Volkswirtschaft.“

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