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Netzagentur genehmigt Teilverlauf der NRW-Höchstspannungsleitung

Die unterirdische Stromautobahn

Kreis Borken

Bis 2027 soll er fließen, der Windstrom von der Nordsee nach Nordrhein-Westfalen. Die Bundesnetzagentur gab am Montag bekannt, welchen Weg die Stromautobahn, die den amtlichen Namen A-Nord trägt, nehmen wird. Durch den Kreis Borken und das westliche Rheinland wird die Trasse demnach verlaufen.

Von Elmar Ries

Raesfeld: Das Foto zeigt auf einer Amprion Baustelle ein Kunststoffrohr, durch das ein Strom-Erdkabel gezogen wird. Für die Energiewende müssen in Deutschland Tausende Kilometer neuer Stromleitungen gebaut werden. Foto: picture alliance / Roland Weihrauch/dpa

Für das Rheinland und Teile des Kreises Borken steht seit gestern relativ genau fest, wo der südliche Abschnitt der westlichen Stromautobahn verlaufen wird, über die ab 2027 Windstrom aus der Nordsee bis nach Osterath in NRW fließen soll. A-Nord, so heißt die Trasse, wird sich an Xanten, Geldern, Kempen und Willich vorbei Richtung Süden schlängeln und den Rhein bei Rees im Kreis Kleve queren. Das hat die Bundesnetzagentur am Montag mitgeteilt.

Die Genehmigungsbehörde folgt damit weitgehend dem Vorschlag des Dortmunder Netzbetreibers Amprion, der die Stromleitung plant und baut.

Genehmigungsbehörde folgt Netzbetreiber Amprion

Im nun folgenden Planfeststellungsverfahren muss Amprion einen Vorschlag erar­beiten, wo genau innerhalb des jetzt festgelegten 1000 Meter breiten Korridors die Kabel im Erdboden verlegt werden. „Bis spätestens 2024 soll das feststehen“, sagte Projekt-Sprecher Jonas Knoop auf Nachfrage. Für die anderen Abschnitte der über 300 Kilometer langen Verbindung von Emden nach Osterath ist der Trassenkorridor bislang noch nicht bestimmt. „Wir gehen davon aus, dass die Bundesnetzagentur den sogenannten Abschnitt C in den Kreisen Steinfurt und Borken im Juli bestimmen wird“, sagte Knoop.

Bereits 2027 will der Netzbetreiber Strom durch die Höchstspannungsleitungen schicken. Von Osterath soll die verstromte Windenergie über das sich anschließende Ultranet bis nach Philippsburg in Baden-Württemberg weitergeleitet werden.

Strom über große Entfernungen schicken genauso wie Güter per Lastwagen über die Autobahn: Es ist noch gar nicht so lange her, da war das unvorstellbar. Strom wird dort verbraucht, wo er produziert wird. Sätze wie dieser galten in Stein gemeißelt.

Projekt-Sprecher Jonas Knoop

Nun ist die Energiewende längst beschlossen und elek­trische Energie verschickbar. Um die in der Nordsee gesammelte Windkraft in den Süden zu befördern, durchziehen künftig Gleichstromverbindungen Deutschland von Nord nach Süd. Die westlichste ist die Trasse A-Nord, die den Windstrom der Off-shore-Anlagen in der Nordsee über Niedersachsen und NRW bis nach Baden-Württemberg bringt.

Zwei weitere Trassen sollen künftig im sogenannten Korridor B ebenfalls das Münsterland passieren. Die eine ist von Wilhelmshaven über Osnabrück und durch den Kreis Warendorf bis nach Hamm geplant, die andere von Heide in Schleswig-Holstein über die Kreise Steinfurt, Coesfeld und Recklinghausen bis nach Marl.

Netzbetreiber Amprion rechnet mit Kosten von zwei Milliarden Euro

Der Korridor A im Westen passiert in ganzer Linie das Westmünsterland. Über zwei Gigawatt elektrische Leistung sollen A-Nord durchströmen. Auf gesamter Länge übrigens durch Erdkabel – so steht es im Netzausbaubeschleunigungsgesetz. Amprion rechnet mit Kosten von zwei Milliarden Euro.

Und mit Ärger. Vor ein paar Jahren hat das Unternehmen im Münsterland mit dem Bau von Höchstspannungsleitungen begonnen. 380-kV-Verbindungen auf riesigen Masten und an drei Stellen unter der Erde so wie bald A-Nord. Anwohner waren wegen der Masten auf den Barrikaden, Landwirte wegen der Kabel.

Der Ärger soll sich, wenn möglich, nicht wiederholen. Denn Verzögerungen sind teuer. Solange die Nord-Süd-Verbindungen fehlen, müssen die Netzbetreiber häufig ins Netz eingreifen, konventionelle Kraftwerke zuschalten, Windparks abklemmen. Eine Milliarde Euro kostete das zuletzt – pro Jahr, versteht sich.

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