1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Drogenumschlag im Münsterland

  6. >

Internationaler Dealer-Ring muss sich vor Gericht verantworten

Drogenumschlag im Münsterland

Münster

Ihr Hauptumschlagplatz war das Münsterland – doch sie agierten international. So sehr, dass die entscheidenden Hinweise schließlich aus Frankreich kamen. Jetzt müssen sich sechs Drogenhändler vor dem münsterischen Landgericht verantworten.

Von Jannik Tillar

Am Montag begann vor dem Landgericht der Prozess gegen Drogendealer, die unter anderem bei einer Razzia im Dezember in Emsdetten festgenommen worden waren. Foto: Ralf Schacke

Sie verkauften mutmaßlich Drogen für Millionenbeträge, bauten ein europaweites Handelsnetz auf – und operierten aus dem tiefsten Münsterland. Am Landgericht Münster begann am Montag der Prozess gegen fünf Angeklagte aus Emsdetten, Greven und Saer­beck sowie einen schwedischen Staatsbürger. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Unerlaubtes Handeln mit Betäubungsmitteln sowie Bildung einer kriminellen Vereinigung. Dazu kommen Drogengeschäfte mit Waffen.

Vier der sechs Beschuldigten wurden am Montag aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Dort sitzen sie seit Ende 2020, nachdem ihnen die Staatsanwaltschaft durch die Auswertung von Chat-Verläufen auf die Spur gekommen war. Diese Chat-Verläufe im Messenger „EnchroChat“ kamen bei einer Infiltration französischer Behörden ans Licht und wurden an die deutschen Behörden weitergegeben.

Die Weitergabe und Verarbeitung solcher Kommunikationsdaten ist immer kritisch – gerade länderübergreifend. Kein Wunder also, dass hier auch die Verteidigung ansetzte: Ist es rechtlich sauber, dass die in Frankreich erhobenen Daten in Deutschland genauso belastbar sind, fragte Strafverteidiger Christian Lödden. „Mit dem Federstrich eines französischen Richters, angesiedelt unterhalb der deutschen Amtsgerichte, wurden damals 32 000 Mobiltelefone abgehört“, kritisierte er und beantragte die Aussetzung des Verfahrens. Zunächst müsse der Verteidigung volle Akteneinsicht in die EnchroChat-Verläufe und Rohdaten gewährt werden. Das lehnt die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt bislang allerdings ab. Der Grund: Es handele sich um eine „militärische Verschlusssache“. „Wir haben in Europa unterschiedlich strenge Regeln für einen Eingriff in die Kommunikation. Möglicherweise konnte man die Daten in Frankreich so erheben, aber den deutschen Behörden so nicht weitergeben“, ergänzte Lödden. Eine Entscheidung des Gerichts über den Antrag fällt möglicherweise schon am Mittwoch. Die Oberlandesgerichte Hamburg, Bremen und Rostock haben ähnliche Argumentationen aber bereits zurückgewiesen.

Zur Sache äußerte sich zum Prozessauftakt niemand. Aber schon die Anklageschrift hatte es in sich: In mindestens elf Fällen sollen die beiden Hauptangeklagten, ein 29-jähriger Schwede und ein 26-jähriger Emsdettener, zwischen März und Dezember 2020 gemeinsam einen schwunghaften Handel mit Betäubungsmitteln betrieben haben.

Die Chatprotokolle gaben dabei ein detailliertes Bild vom Ablauf. In den meisten Fällen wurden demnach Drogen, darunter Marihuana, Kokain und Amphetamine – aus den Niederlanden nach Deutschland oder Schweden transportiert und dort weiterveräußert. Auch in die Schweiz und nach Spanien soll es Kontakte gegeben haben. Der Schwede soll 650 000 Euro, der Emsdettener 1,1 Millionen Euro mit Drogengeschäften umgesetzt haben.

Umschlagsplatz der Geschäfte war in der Regel das Münsterland – beispielsweise in der Neuenkirchener Autowerkstatt eines Angeklagten, der zur Tatzeit in Emsdetten wohnte. Doch auch in Saerbeck und Greven habe es Lagerstätten bei weiteren Angeklagten gegeben. Ein sechster Beschuldigter soll als Fahrer agiert haben. Er ist aktuell auf freiem Fuß und will sich am Mittwoch zur Sache äußern. Auch der zweite Beschuldigte, der aktuell nicht in Untersuchungshaft sitzt, zeigte sich gesprächsbereit. Alle anderen Angeklagten wollen im Prozess schweigen.

Startseite
ANZEIGE