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Tag des Ehrenamts

Ziemlich beste Freunde

Münsterland

Laut Bundesinnenministerium sind die Ehrenamtlichen „ein besonderer Schatz unserer Gesellschaft“. Unser demokratisches Gemeinwesen werde durch das Engagement aktiver Bürgerinnen und Bürger stärker – erst recht in Krisenzeiten.

Von Marion Bulla, Thomas Austermann und Stefan Werding

Ehrenamtliches Engagement zeigt sich in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Foto: dpa

Das zeigen auch Ehrenamtliche, die durch ihren Einsatz Menschen treffen, die sie sonst nie kennengelernt hätten – und aus denen wertvolle Beziehungen entstehen können. Wir stellen drei solcher Teams vor.

Tierische Besuche

Von Marion Bulla

Gerlinde Schikowski (82) freut sich über den Besuch von Hündin Abby. Foto: Marion Bulla

Ganz vorsichtig streichelt Gerlinde Schikowski den wuscheligen Australien Shepard. Die 82-Jährige strahlt den Vierbeiner an. Der springt auf ihren Schoss und lässt sich die Streicheleinheiten gerne gefallen. Seit einem halben Jahr ist die alte Dame Bewohnerin im Warendorfer Marienheim. „Mir gefällt es hier sehr. Vor allem mit den Hunden“, sagt Gerlinde Schikowski. Abby, so der Name der Hündin, kommt regelmäßig auf die Stationen des Seniorenheims – im Rahmen des Malteser Besuchs- und Begleitdienstes mit Hund.

Wer gerne Besuch von den kuscheligen Vierbeinern möchte, pinnt eine Pfote an die Tür. So weiß das Begleitdienst gleich Bescheid. „Die Hunde wecken Erinnerungen an die Zeit in ihrem Zuhause. Das macht die Bewohner und Bewohnerinnen glücklich“, erzählt Anne Lütke-Föller, Malteser-Gruppenleiterin und Frauchen von Abby, von ihren Erfahrungen.

Auch Pflegedienstleiterin Natalia Kautz ist froh über den ehrenamtlichen Dienst. „Den meisten zaubern die Hunde ein Lächeln ins Gesicht. Vor allem die an Demenz erkrankt sind, leben richtig auf, wenn der tierische Besuch kommt“. „Wir hatten früher einen weißen Spitz, die hieß Molly“, wirft da Bewohner Horst Wels ein, während er den zweiten Hund, der an diesem Tag im Marienheim zu Gast ist, zärtlich streichelt. Frieda ist ein 55 Kilogramm schwerer Pyrenäenberghund. Der 90-Jährige freut sich sehr über diesen tierischen Dienst. „Das ist eine ganz tolle Idee. Da kommt Leben in die Bude“, lacht der rüstige Senior und sagt Danke an alle engagierten Ehrenamtler.

Nähe durch Nachhilfe

Von Stefan Werding

Lea Wieben und Heva Mohammed Ali sind durch Nachhilfe Freundinnen geworden. Foto: Stefan Werding

So unterschiedlich – und sich doch so nah: Lea Wieben, 23, groß geworden in Hamburg und zum Studium weg von zu Hause nach Münster. Und Heva Mohammed Ali, 21, geboren in Aleppo, 2015 geflüchtet nach Deutschland. Sie lebt mit ihren Eltern und einem ihrer Brüder in Angelmodde. Durch die Englisch-Nachhilfe, die die angehende Lehrerin der Kurdin gegeben hat, haben sich die beiden angefreundet. Seitdem Heva das Abitur hat, gehen die beiden gemeinsam ins Theater oder auf den Weihnachtsmarkt. Und ihre Mutter hat Heva aufgefordert, die Studentin mal zu ihnen nach Hause einzuladen. Völkerverständigung im Kleinen.

Lea Wieben bereitet das „Ehrenamt“ Unbehagen. „Geht ja nicht um Ehre“, sagt sie. Ihr gefällt die Aufgabe, weil sie eingewanderten Menschen eine Hilfe sein will. „Ich sehe, welche Wirkung die Herkunft auf den Erfolg in der Schule hat. Das ist ungerecht und unfair,“ sagt sie. Es sei ein Privileg, ehrenamtlich arbeiten zu können.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt haben die meisten Engagierten in Deutschland ein Abi oder ein Studium hinter sich. Als Heva Mohammed Ali nach Deutschland kam, war sie überrascht über die Freiheit,die die Kinder hier haben. Für sie war es selbstverständlich, dass die Kinder bis zur Hochzeit bei den Eltern wohnen. Das ist nun anders: In einem Jahr will sie in der Stadt Architektur studieren, in die sie sich auf einer Klassenfahrt verliebt hat. Und aus der ihre deutsche Freundin stammt. 

Wer ebenfalls Flüchtlinge begleiten möchte, kann sich an die GGUA Flüchtlingshilfe in Münster wenden: info@ggua.de oder Telefon 0 25 1/ 1 44 86-0.

Jana freut sich auf ihren Einsatz im Jugend-Team

Von Thomas Austermann

Ute Zahlten (l.) hat Jana Homann motiviert, sich beim USC Münster im „J-Team“ zu engagieren. Foto: Thomas Austermann

Als Volleyballerin des USC Münster und Fußballerin des TuS Saxonia Münster hat Jana Homann sportliche Verpflichtungen in ihrem eng getakteten Wochenplan unterzubringen. Die elfjährige Gymnasiastin packt jetzt noch eins drauf: Als einer der Jüngsten im „J-Team“ des USC engagiert sie sich neuerdings auch ehrenamtlich für den Verein. Stress bereitet ihr das nicht. Die Frage, wie sie den Zusatzaufwand wuppt, kontert sie keck: „Belastung? Welche Belastung?“

Viel Engagement

Genau so sollte es klappen mit dem Heranführen der jungen Menschen ans Ehrenamt, wünscht sich die Sportjugend im Landessportbund NRW, die „J-Teams“ unterstützt und deren Projekte fördert. Als Ute Zahlten, die Vorsitzende des Jugendausschusses des USC und Jugendwartin der Westdeutschen Volleyballjugend (WVJ), das „Jugend-Team“ beim Bundesligisten gründete, in dem sich aktive Sportlerinnen um die vielen organisatorischen Aufgaben der funktionierenden Vereinsarbeit kümmern wollen, „meldeten sich gleich 15 Freiwillige. Viel mehr, als ich erwartet habe.“

Guter Draht zum Nachwuchsteam

Ute Zahltens gutem Draht zu den Nachwuchsteams ist das zu verdanken – und ihrem persönlichen Einsatz, der motivierend wirken kann. Jana Homann hat Freude daran, „etwas zu organisieren. Das kann ich ganz gut.“ Die Weihnachtsfeier des Vereins zum Beispiel steht an. Spenden für die Nachwuchsabteilung wurden auch schon gesammelt. Dass sie Gleichgesinnte an ihrer Seite hat, die den Sport lieben und zugleich wissen, dass er niemals ohne Einsatzfreudige im Drumherum funktioniert, ist umso besser. „Ich will ja auch wissen, was alles so läuft in einem Verein, neben Training und Spiel,“ sagt Jana Homann.

Ute Zahlten führt die altersmäßig gemischte Gruppe langsam heran. An die vielen Jobs, an neue Projekte. Spaß machen soll das alles unbedingt. „Wir sammeln Ideen und gucken dann, was wir umsetzen können“, sagt Jana Homann, als könne sie es kaum abwarten, richtig loszulegen.

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