1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Eine rätselhafte Flucht

  6. >

Autofahrer rast in Biergarten

Eine rätselhafte Flucht

Coesfeld

Als er die Polizei sah, gab er Gas: Ein 29-jähriger Coesfelder hat sich am Freitagabend eine wilde Verfolgungsjagd mit einem Streifenwagen geliefert. Warum er flüchtete, ist völlig unklar. Jetzt ermittelt eine Mordkommission. Der Tatverdächtige sei noch nicht gefasst, erklärte die Staatsanwaltschaft Münster am Montag. 

Detlef Scherle

Die Polizei stellte das Fahrzeug später sicher. Foto: privat

Ein 29-jähriger Coesfelder soll der Fahrer gewesen sein, der sich Freitagabend in der Innenstadt von Coesfeld eine gefährliche Verfolgungsjagd mit der Polizei lieferte. Davon geht Ulrich Bux aus. Er leitet die vorläufige Mordkommission die beim Polizeipräsidium Münster gebildet wurde, weil ein versuchtes Tötungsdelikt nicht ausgeschlossen werden kann.

Die Polizei hat noch in der Nacht zum Samstag den Kleinwagen, einen Fiat Punto, gefunden, mit dem der Mann völlig hemmungslos durch den Biergarten des Hotel-Restaurants Haselhoff an der Ritterstraße gerast war und dabei bepflanzte Kübel gerammt und durch herumfliegende Teile zwei Menschen leicht verletzt hatte. Das Fahrzeug wurde noch in der Nacht zu Samstag am Burgring sichergestellt. Zur näheren kriminaltechnischen Untersuchung ließen die Beamten es abschleppen. Von dem Fahrer fehlte aber auch am Sonntag noch jede Spur.

Motiv ist unklar

„Die Fahndung läuft“, erklärte Dirk Ollech, Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Sonntag. Er ging davon aus, dass sich der Tatverdächtige nicht mehr in Coesfeld aufhält. „Wir suchen mit Nachdruck nach ihm und sind zuversichtlich, seinen Aufenthaltsort zeitnah ermitteln zu können“, erklärte der Erste Kriminalhauptkommissar Bux. Der Fahrer sei aufgrund von Zeugenhinweisen identifiziert worden, hatte die Polizei erklärt.

In einen Biergarten raste ein Autofahrer bereits am Freitagabend. Foto: Fritz Rulle

Die Motivlage des Mannes ist noch völlig unklar. Fest steht nach Angaben von Ollech, dass er den Wagen vor kurzem wohl rechtmäßig erworben hatte – allerdings war er nicht zugelassen. Zudem hatte der Mann ein gestohlenes WAF-Kennzeichen angebracht. Anlass dafür, dass ihn eine Polizeistreife am Freitag gegen 19.15 Uhr an der Friedrich-Ebert-Straße kontrollieren wollte, war aber, dass der Mann nicht angeschnallt war. Ollech: „Beim Erblicken der Beamten ist er direkt mit hoher Geschwindigkeit geflüchtet.“ Ob noch weitere Straftaten Grund dafür sind, dass er sofort das Weite suchte – „das wissen wir noch nicht, das ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, so Ollech.

Reaktionen von Zeugen

Die Verfolgungsfahrt ging nach Darstellung der Polizei kreuz und quer durch die Innenstadt. Die Polizeistreife blieb ihm auch noch in der Fußgängerzone dicht auf den Fersen, brach die Verfolgung dann aber am Biergarten aus Sicherheitsgründen ab. Weitere Ermittlungen ergaben, dass der Mann nach der Kollision bei Haselhoff auf dem Fluchtweg zwei weitere parkende Autos beschädigte. In einem Fall konnte ein Kind sich nur durch einen Sprung zur Seite vor dem herannahenden Fahrzeug retten, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Auch Ollech ist zuversichtlich, dass der Mann früher oder später gefasst werden kann. Eine breite Öffentlichkeitsfahndung mit genauer Personenbeschreibung hat die Ermittlungsbehörde zunächst nicht herausgegeben.

Vielen Coesfeldern, die die Verfolgungsjagd am Freitagabend mitbekamen, sitzt der Schrecken auch am Sonntag noch in den Gliedern. „Da kamen sofort Erinnerungen an Münster hoch“, berichtete Bürgermeister-Kandidatin Eliza Diekmann, die gerade aus ihrem Büro an der Bernhard-von-Galenstraße trat, als der Wagen gefolgt von der Polizei an ihr vorbei raste.

Startseite
ANZEIGE