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Erntebilanz der Landwirte

Weizen gedeiht – Mais verdorrt

Senden/Münsterland

Mehr Getreide, viel weniger Mais und Erzeugerpreise auf Erholungskurs: Kurz vor dem Ende der Erntesaison zog der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) am Mittwoch ein äußerst gemischtes Fazit.

Von Gunnar A. Pier

Weizen wuchs gut, die Milchpreise sind hoch. Wie liefen die vergangenen zwölf Monate ansonsten für die hiesigen Landwirte? Das resümierten am Mittwoch (v.l.): Julius und Christina Aundrup, Regina Selhorst (Präsidentin des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverband), Martin Bontrup (Vize-Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverband Coesfeld), Hubertus Beringmeier, Mechthild und Bernd Aundrup. Foto: Gunnar A. Pier

Das Jahr der Bauern begann im Herbst 2021 feucht genug und eher warm – das brachte gute Erträge. Dann kamen ein heißer Sommer und Trockenheit bis in den Herbst 2022 – da ging es wieder bergab. So enthält die Erntebilanz, die Bauernpräsident Hubertus Beringmeier am Mittwoch in Senden vorstellte, gleichsam Freud’ und Leid.

Neben dem Wetter beeinflusst auch die allgemeine Weltlage, allem voran derzeit die Ukraine-Krise, die Lage der Landwirtschaft. Wohl und Wehe bringt auch die, wie am Mittwoch noch einmal deutlich wurde. So ächzen auch die Landwirte unter immens steigenden Preisen für Energie und Dünger. Andererseits bescheren die Verwerfungen mitunter steigende Erlöse. Der Weizenpreis liegt nach Angaben von Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälische-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), beispielsweise derzeit rund 40 Prozent über dem Mittel der vergangenen Jahre.

Dem Weizen fehlt die Backqualität

Zuletzt erreiche der Weizen allerdings wegen fehlender Niederschläge seltener Backqualität. Das lässt zunächst aufhorchen, weil die Bäcker gerne betonen, dass sie vornehmlich heimisches Getreide verarbeiteten und deshalb die Lieferschwierigkeiten aus der Ukraine nicht fürchten. Die Versorgung sei dennoch sicher, betont der WLV-Präsident: „Wir können nicht von Knappheit reden, es ist genug für alle da“.

Sehr unterschiedlich fiel das Fazit verschiedener Bereiche aus:

Die Entwicklung bei den in Westfalen-Lippe am meisten angebauten Früchten. Foto:

Mais leidet unter der Trockenheit

Getreide: Die Erträge lagen durchweg deutlich über dem Vorjahr. Bei Weizen, Wintergerste und Triticale waren es um die zehn Prozent mehr, Sommergerste (+21,7 %) und Hafer (27,5 %) legten noch stärker zu. Die Erzeugerpreise stiegen deutlich – und Beringmeier ist sicher, dass sie hoch bleiben.

Mais: Sowohl Körner- also auch Silomais machte der trockene Spätsommer zu schaffen. Die Erträge gingen um rund ein Drittel zurück im Vergleich zum (freilich Mais-freundlichen) Vorjahr.

Schweinepreise sind eher hoch

Schweine: Die Erlöse liegen vergleichsweise hoch – die Kosten jedoch auch. Julius Aundrup, auf dessen Hof die Pressekonferenz am Mitwoch stattfand, rechnete vor, dass er alleine für Strom derzeit monatlich statt 1600 Euro weit mehr als 8000 Euro zahlt. „Besonders die Sauenhalter haben große Sorgen“, betonte Bering­meier. Denn neben den hohen Kosten bereitet die Afrikanische Schweinepest den Züchtern große Probleme.

Hubertus Beringmeier ist Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV). Foto: Gunnar A. Pier

Milch: Es ist noch nicht lange her, dass die Milchbauern pro Liter deutlich unter 30 Cent bekamen – derzeit sind es 58 Cent. „Endlich ein vernünftiger Milchpreis“, kommentierte Beringmeier. So sei die wirtschaftliche Lage in diesem Bereich trotz der enorm gestiegenen Kosten „entspannter als in den Vorjahren“.

Wenig Obstdiebe in Westfalen

Die Stimmung ist trotzdem mies

Doch trotz der mitunter guten Zahlen berichtet Beringmeier von einer großen Verunsicherung. Angesichts der Kostenexplosionen und der wirtschaftlichen und politischen Zwänge fehle vielen Landwirten eine sichere Perspektive. So behinderten noch immer strenge Bauregelungen den – wiederum häufig geforderten – Weg zu mehr Tierwohl.

Julius Aundrup, Chef auf dem Sendener Hof mit 800 Sauen und 80 Hektar Fläche, schilderte das aus seiner Sicht. Demnach beeinflussten zu viele äußere Faktoren den Alltag: „Ich habe kaum noch selbst Einfluss auf das Betriebsergebnis“.

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