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Verein Freifunk Münsterland

Freies Wlan für alle

Münsterland

Auf dem Dach der münsterischen Bezirksregierung steht ein hüfthoher Mast, daran hängen eine unauffällige graue Box und drei handflächengroße Antennen. Kleine Technik, große Wirkung: Diese Anlage genügt, um auf dem kompletten Domplatz Wlan anzubieten. „Stück für Stück wollen wir die ganze Innenstadt versorgen“, sagen Matthias Walther und Christian Ulitzny. Deshalb engagieren sie sich für den Freifunk Münsterland. Das Ziel: Internet für alle – kostenlos, unlimitiert, überall.

Gunnar A. Pier

Der Platz vor dem münsterischen Dom ist mit Wlan versorgt – dank einer kniehohen Antennenanlage auf dem Gebäude der Bezirksregierung. Foto: Wilfried Gerharz

Nachrichten lesen, Fotos posten, E-Mails checken, Videos schauen: Zum Jahreswechsel nutzten laut einer Studie unter der Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministerium 81 Prozent der Deutschen das Internet. Der Anteil derer, die mit dem Smartphone statt mit dem Computer surfen, steigt rasant – zwei Drittel der Bundesbürger nutzen derzeit das Netz mobil. Und vornehmlich um jene kümmert sich der Förderverein freie Infrastruktur mit seinen Freifunk-Bemühungen.

Seinen Ursprung nahm der Gedanke schon vor einigen Jahren mit einem solidarischen Konzept: Nutzer, die zu Hause einen Internetanschluss haben, bieten ein offenes Wlan an, das Menschen in der Umgebung nutzen können – seien es Handysurfer auf der Straße oder Nachbarn, deren Leitung beispielsweise gerade tot ist. „Ein Netz von Bürgern für Bürger“, bringt es Matthias Walther auf den Punkt.

Geschwindigkeit und Netzstabilität verbessern

Über die Jahre sind im Münsterland knapp 4500 Zugriffspunkte freigeschaltet worden. Meist sind es Privatleute, die dafür einen zusätzlichen Router gekauft und mit Hilfe des Vereins passend eingerichtet haben. Aber auch Gaststätten nutzen die Technik, um ihren Besuchern kostenloses Wlan anbieten zu können.

Christian Ulitzny Foto: Gunnar A. Pier

Nutzen können es alle Menschen mit Wlan-fähigen Geräten. Das Schöne am Freifunk-Gedanken: Der Zugang ist einheitlich. Wer sich einmal eingewählt hat, nutzt automatisch die Wlan-Angebote, wann immer ein Sender in Reichweite ist. Lästiges Netz wählen und AGBs bestätigen entfällt.

Doch der Verein will mehr erreichen. Mit viel Verve bemühen sich die ehrenamtlich Aktiven, mit Hilfe von öffentlichen Institutionen und öffentlichen Fördergeldern beispielsweise die münsterischen Innenstadt auf Dauer flächendeckend zu versorgen. Nicht nur auf dem Dach der Bezirksregierung stehen Antennen, sondern auch am Hauptbahnhof, am Landgericht und bald am Stadthaus 2. Die Standorte sollen per Richtfunk miteinander verbunden werden, um die Geschwindigkeit und Netzstabilität zu verbessern. „Wir holen Fördergelder in die Region“, erklärt Walther und hantiert mit fünfstelligen Beträgen, die hier und dort wieder investiert werden.

Der Bandbreitenbedarf steigt

Doch woher rührt dieser Idealismus? „Das Internet ist die interessanteste Erfindung unserer Generation“, findet Matthias Walther. „Das gesamte Wissen der Menschheit steckt in meiner Hosentasche. Wir setzen uns dafür ein, dass jeder das nutzen kann.“ Und sein Vereinskamerad Christian Ulitzny verweist zudem auf „technisches Interesse“. In der Welt von Routern, Bandbreiten, VPN-Tunneln und Firmware-Installationen finden die beiden, die auch beruflich in der IT unterwegs sind, Hobby und Herausforderung.

Matthias Walther Foto: Gunnar A. Pier

Dass die immer schneller werdenden Mobilfunknetze irgendwann die Wlan-Bemühungen überflüssig machen, sehen sie derweil nicht. „Der Bandbreitenbedarf steigt“, sind sie sicher. Immer mehr Leute schauen übers Internet Videos, die per E-Mail verschickten Fotos werden rasant größer – da komme auch der nächste Mobilfunkstandard schnell an seine Grenzen.

Freifunk - wie geht das?

Zum Konzept der Freifunker gehört es, dass ihr Angebot möglichst einfach zu nutzen ist. Wo auch immer ein Gerät, beispielsweise ein Smartphone, also ein Freifunk-Netz entdeckt, kann sich der Nutzer damit verbinden – ohne Kosten, ohne Passwort, ohne Bestätigung von Nutzungsbedingungen. Praktisch: Das Einloggen klappt fortan in alle verfügbaren Freifunk-Netze. Wer solidarisch sein möchte, kann auch selbst ein Wlan zur Verfügung stellen. Bei der Einrichtung hilft der Verein. https://freifunk-muensterland.de/

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