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Unternehmen setzen auf die neue Energieform

Frust und Freude am Wasserstoff

Dorsten/Nottuln

Wasserstoff gilt für viele als Energieträger der Zukunft. Zahlreiche Unternehmen im Münsterland arbeiten bereits mit oder an dem neuen Verfahren. Aber sie haben es nicht immer leicht.

Von Gunnar A. Pier

Christian Hagemeister, Geschäftsführer der Hagemeister GmbH & Co. KG in Nottuln, am 4. Oktober 2021 beim Wasserstoff-Gipfel der Bezirksregierung in Dorsten. Foto: Gunnar A. Pier

Christian Hagemeister bemüht sich erst gar nicht, seinen Frust zu verbergen. „Wenn es um Fördergelder geht, sind mittelständische Unternehmer benachteiligt“, schimpfte der Geschäftsführer des Klinkerwerks Hagemeister in Nottuln, am Montag beim Wasserstoff-Gipfel der Bezirksregierung in Dorsten. Anderthalb Jahre habe er auf eine Bewilligung gewartet, obwohl ihn zwei Institute unterstützten, die sich mit diesen Verfahren auskennen. Großindustrie, da ist er sicher, habe es einfacher.

Die Geschichte von Hagemeister ist sinnbildlich für viele Unternehmen aus der Region. Die Firma mit 151 Jahre langer Tradition will sich fit für die Zukunft machen – und dazu gehört, über den Einsatz von Alternativen zur herkömmlichen Energie nachzudenken. Für das Brennen von Ziegeln wird unheimlich viel Energie gebraucht: „98 Prozent unseres CO2-Ausstoßes haben wir durch Erdgas“. Aber um auf die grüne Alternative umzustellen, muss er seine Produktionsverfahren anpassen – dazu die Fördergelder. Und er braucht reichlich Wasserstoff, hofft auf einen Anschluss ans Gasnetz: „Eine Versorgung per Lkw ist nicht realistisch“: zu groß der Verbrauch.

Ziel: Technologie wettbewerbsfähig machen

Viele Unternehmen stehen vor den gleichen Herausforderungen. Investitionen und Innovationen seien nötig, hieß es immer wieder, um technische Verfahren anzupassen und die Verteilung des Wasserstoffs zu organisieren. Als eine der wichtigsten Aufgaben nannte Dr. Stefan Kaufmann, der Innovationsbeauftragte Grüner Wasserstoff der Bundesregierung, die Technologie zu industrialisieren und so wettbewerbsfähig zu machen.

Daran arbeitet zum Beispiel das Unternehmen Enapter, das sich gerade in Saerbeck angesiedelt hat. Enapter will dort Elektrolyseure herstellen, also jene Module, mit denen Wasserstoff aus Wasser gewonnen wird. Und das in so großen Mengen, dass sie billiger werden. Bei 17.000 Euro ging es los, berichtete Philip Hainbach. Derzeit kosten die Geräte 9000 Euro, Ziel sind 2500 Euro. Dafür wird an der automatisierten Massenproduktion gefeilt.

Ein anderes Projekt treibt die Westfalen AG um, die bereits eine Wasserstoff-Tankstelle in Münster-Amelsbüren betreibt. Sie schickt bald eine mobile Tankstelle auf den Weg, die mal hier, mal dort Fahrzeuge betanken kann. Das sei, so der Vorstandsvorsitzende Thomas Perkmann, eine gute Möglichkeit, Kunden den Test von Wasserstoff-Fahrzeugen schmackhaft zu machen.

Zum Thema: Ohne Importe geht es nicht

Kommentar: Musterland Münsterland

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