1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. „Hamsterkäufe sind unsolidarisch“

  6. >

Handelsverbände mahnen zur Besonnenheit

„Hamsterkäufe sind unsolidarisch“

Münster

Der Krieg in der Ukraine löst bei einigen Menschen offenbar Versorgungsängste aus. Die Einzelhändler melden eine erhöhte Nachfrage nach Sonnenblumenöl und Weizenmehl – zwei Produkte, die zu großen Teilen aus Russland und der Ukraine kommen.

Von Jannik Tillar und Ulrich Schaper

In Einzelfällen standen Verbraucher vor leeren Regalen, wenn sie nach Sonnenblumenöl oder preiswertem Speiseöl suchten. Auch Weizenmehl, Type 405, war mitunter ausverkauft. Foto: imago/Anja Cord

Es wirkt fast wie ein Naturgesetz: Wenn sich Menschen – rational oder nicht – in Unsicherheit wähnen, fangen sie an, Vorräte anzulegen. Man erinnere sich an den Beginn der Pandemie, als Toilettenpapier, Nudeln und Konserven zur Mangelware wurden. Nun also melden vereinzelte Supermärkte in Westfalen und im Münsterland leere Regale bei Sonnenblumenöl und Weizenmehl.

Beim Handelsverband NRW zumindest beurteilt man die Lage noch ohne Sorge. „Dass die Menschen beginnen, Vorräte anzulegen oder dass es bei bestimmten Produkten zu einer flächendeckenden Unterversorgung kommt, davon kann bislang keine Rede sein“, sagt Pressesprecherin Carina Peretzke. „Es gibt derzeit noch keinen besonderen Druck auf Lieferketten – wenn alle normal weiter einkaufen, wird es wohl keine Knappheiten geben.“

In europäischen Nachbarländern, vor allem in Spanien, meldeten die Nachrichtenagenturen gestern, dass es zu Engpässen bei Sonnenblumenöl und Mehl kommt – beides Produkte, die aus der Ukraine importiert werden.

Auch in der Zentrale der Supermarktkette Edeka gibt man sich optimistisch: „Aktuell können wir in Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten eine ausreichende Versorgung mit allen Produkten des täglichen Bedarfs sicherstellen. In Einzelfällen kann es allerdings bei bestimmten Produkten zu kurzzeitigen Lieferengpässen kommen. Dies betrifft insbesondere Speiseöle, die zum Teil auch aus der Ukraine stammen“, sagt die Pressestelle des Edeka-Verbundes Rhein-Ruhr. Mancherorts könne es daher vorkommen, dass die selbstständigen Kaufleute ihre Kunden dazu aufriefen, nur haushaltsübliche Mengen bestimmter Artikel einzukaufen. Von einem Mangel könne aber nicht die Rede sein. „Es gibt weiterhin keinen Anlass, Vorräte anzulegen“, heißt es weiter.

Der Verband der Ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (Ovid) warnt dennoch vor mittelfristigen Engpässen. „Das, was jetzt in den Regalen steht, stammt noch aus der Ernte vom vergangenen Sommer. Aber wer geht jetzt im Krieg auf die Felder und sät Sonnenblumen, geschweige denn düngt sie?“, sagt Sprecher Maik Heunsch. Das kurzfristige Problem seien Hamsterkäufe, nicht die Liefermengen. „Das Verhalten verschärft die Situation unnötig. Und unsolidarisch sind Hamsterkäufe auch noch“, kritisiert Heunsch. Mittelfristig drohten Preissteigerungen, meint der Ovid-Sprecher – jedenfalls, wenn der Krieg nicht beendet wird. Deutschland produziert nur sechs Prozent seines Bedarfs selbst, der Rest stammt überwiegend aus der Ukraine und Russland. Die Ukraine baut 6,8 Millionen Hektar Sonnenblumen im Jahr an, Deutschland nur 30.000 Hektar. „Das kann man so nicht ersetzen“, sagt Heunsch.

Startseite
ANZEIGE