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Umstrittene Aktionen

Helfen Nist­kästen gegen Eichenprozessionsspinner?

Münster

Die Idee klingt naheliegend: Wenn der Eichenprozessionsspinner uns so stört und kein Mensch so recht gegen ihn ankommt, stärken wir seine natürlichen Feinde. Nistkästen sollen her, auf dass Vögel sich fleißig vermehren und junge Raupen verspeisen, bevor sie zu allergieauslösenden Spinnern heranwachsen. Aber kommen mit neuen Nist­kästen auch neue Nistende?

Gunnar A. Pier

Die Meisen sollen es richten: Vielerorts im Münsterland werden Nistkästen aufgehängt, damit die Vögel die Raupen des Eichenprozessionsspinners vertilgen. Foto: Holger Hollemann

„Das ist eine intelligente Frage“, findet Dr. Thomas Hövelmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Nabu-Naturschutzstation Münsterland. „Gut gemeint“ nennt er die Nistkasten-Aktionen, die derzeit im Münsterland laufen. Tatsächlich seien in allzu aufgeräumten Gärten heutzutage Nistmöglichkeiten oft knapp. Eigens gefertigte Kästen aufzuhängen, „hilft ein bisschen“.

Aber der Naturschutzbund gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich das Problem auch anders lösen lässt. „In naturnahen Gärten gibt es genügend Nistmöglichkeiten“, erklärt der Fachmann. Ziel sei es also, „das ökologische Gleichgewicht zu stärken“.

Nicht genügend Futter

Singvögel anzusiedeln, um sie als Mittel gegen den Eichenprozessionsspinner zu nutzen, findet der Naturschutzbund-Mann eher zweifelhaft. „Es sind nur wenige Wochen im Jahr, in denen die Raupen der Eichenprozessionsspinner als Futter in Frage kommen“, erklärt er. Futter bräuchten die Vögel aber das ganze Jahr über. Und das werde oft knapp – in den aufgeräumten Gärten in diesen insektenarmen Zeiten.

Also bleibt es bei der Vision vom ökologischen Gleichgewicht, von lockenden Lebensräumen, in denen sich Amsel, Drossel, Fink und Meise ganzjährig wohlfühlen. Und im Frühjahr die jungen Eichenprozessionsspinnerraupen verputzen.

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