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Handwerker kassieren mehr

Hohe Energiekosten kommen bei den Kunden an

Berlin/Münster

Kunden von Handwerkern müssen sich auch wegen der gestiegenen Energiekosten auf höhere Preise einstellen. Zunehmend Auswirkungen könnte auch der Mangel an Fachkräften haben, sagte der neue Handwerkspräsident Jörg Dittrich in Berlin. Im Münsterland ist die Lage ähnlich angespannt.

Die Arbeit der Handwerker wird wegen des allgemeinen Kostenanstiegs teurer Foto: imago/photothek imago/photothek

Dieser werde in den kommenden Jahren in einen kritischen Bereich gelangen, wenn die Babyboomer-Jahrgänge in Rente gehen. „Die Gefahr besteht, dass dann im Handwerk bestimmte Dienstleistungen nicht mehr angeboten werden können. Wir müssen unbedingt und durch gemeinsame Kraftanstrengung von Politik und Handwerk verhindern, dass diese Situation eintritt.“

Der 53-Jährige ist seit Mitte Dezember neuer Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Er führt in Dresden einen Dachdeckerbetrieb in vierter Generation und ist der erste Ostdeutsche an der Spitze eines der vier Spitzenverbände der Wirtschaft.

Präsident der Handwerkskammer Münster, Hans Hund

„Unsere Betriebe kämpfen mit explodierten Erzeugerkosten“, betonte am Montag auch der Präsident der Handwerkskammer Münster, Hans Hund. Die Kosten für Energie seien in den vergangenen Monaten laut der jüngsten Konjunkturumfrage bei 90 Prozent der Betriebe gestiegen. Davon ordne über die Hälfte der rückmeldenden Betriebe (55 Prozent) die Steigerung als stark ein, so Hund.

96 Prozent der Handwerksbetriebe im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region müssen der Umfrage zufolge mehr für Rohstoffe, Vor- und Zwischenprodukte sowie Ersatzteile bezahlen. Von ihnen bewerten 71 Prozent die Steigerung als stark.

Kostensprünge

Infolge dessen müssten 73 Prozent der Befragten ihre Verkaufspreise erhöhen. Das sei also nur ein Teil der von den Kostenerhöhungen betroffenen Betriebe, hob Hund hervor. Nicht immer könnten die Kostensprünge zumindest anteilig an die Kundinnen und Kunden weitergereicht werden. So hielten 23 Prozent der Betriebe ihre Preise für Produkte und Leistungen stabil auf dem Niveau des Frühjahres 2022.

Präsident der Handwerkskammer Münster, Hans Hund

Mit Blick auf die nächsten Monate gingen die Betriebe davon aus, dass sich ihre Verkaufspreise im Zuge weiter zunehmender Kosten ebenfalls nach oben bewegen werden. Hunds Fazit: „Dem Handwerk weht ein rauer Wind entgegen.“ In einer solchen Situation müsse seitens der Politik alles getan werden, um die Last für die kleinen und mittleren Unternehmen zu erleichtern. Priorität habe jetzt die Herausnahme des akuten Kostendrucks, forderte Hund.

Handwerkspräsident Jörg Dittrich

„Die Handwerksleistung steht unter einem großen Preisdruck“, hieß es ebenso bei Dittrich. Löhne, Energiepreise und Sozialversicherungsbeiträge seien gestiegen. Auch die gestiegenen Materialpreise trügen zu einem großen Kostenschub bei. „Die Handwerksleistung wird teurer, weil viele Dinge teurer geworden sind und nicht, weil die Betriebe darauf Lust haben“, sagte Dittrich. „Mich treibt die Sorge um, dass die Handwerksleistung für Kundinnen und Kunden unbezahlbar wird. Das darf nicht sein.“

Sorge um Zunahme von Schwarzarbeit berechtigt

Der Handwerkspräsident sagte, er halte die Sorge für berechtigt, dass wegen steigender Preise die Schwarzarbeit zunehme. „Deswegen muss die Arbeitsleistung entlastet werden, weil der Unterschied zwischen dem Nettoverdienst und dem Stundenverrechnungssatz mit Mehrwertsteuer immer größer wird.“ Das Handwerk sei lohn- und personalintensiv. Deshalb erwarte er von der Bundesregierung, den Faktor Arbeit zu entlasten.

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