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Hürden zermürben Landwirte

Junge Bauern wünschen sich mehr „Drive“ von der Bundesregierung

Münster

Ein grünes Bundeslandwirtschaftsministerium und münsterländische Landwirte werden so schnell keine dicken Freunde. Aber beim Besuch der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium auf dem LVM-Landwirtschaftstag gab es viele Gemeinsamkeiten.

Staatssekretärin Dr. Ophelia Nick (Mitte) stellte sich unter anderem den Fragen der Landwirtinnen Gesa Langenberg, Katharina Leyschulte, Marie von Schnehen und des Landwirts Tobias Roeren-Wiemers (v.l.). Foto: Kai Pohlkamp

Sie würden ja gerne, aber trotzdem stehen ihnen immer wieder Hürden im Weg: Beim LVM-Landwirtschaftstag am Donnerstag in Münster berichteten vier junge Landwirtinnen und Landwirte, wie sie in eine Zukunft investieren, die Schweinemast und Naturschutz, Milchproduktion und Klimawandel oder Getreideanbau und Bodenbrüter unter einen Hut bringen wollen.

Die anstrengende Rolle als Gegenspielerin hat Dr. Ophelia Nick übernommen. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium kam als Vertreterin von Bundesumweltminister Cem Özdemir, der zwar per Videobotschaft herzliche Grüße ins „Münschterland“ schickte, aber im Tross von Bundeskanzler Olaf Scholz in Spanien dabei sein musste. Und „wenn der Bundeskanzler ruft, muss auch der Landwirtschaftsminister seinen Pflichten nachkommen“.

Veränderungen in der Landwirtschaft

So stand Staatssekretärin Nick mit den jungen Bauern vor dem Publikum, das – um es vorsichtig zu beschreiben – eher nicht auf ihrer Seite stand. In ihrem Referat hat sie lediglich einmal Applaus bekommen, als sie sich gegen antidemokratische Tendenzen in politischen Diskussionen aussprach. Ihr Fazit: Das „Nutzen und Schützen“ gehöre zusammengebracht, „damit wir von unserer Erde leben können und damit sich unsere Arbeit auch lohnt“. Viele Dinge seien auf die lange Bank geschoben worden. Damit müsse jetzt Schluss sein. „Wir müssen aufhören, Krisen gegeneinander auszuspielen und so noch zu verschärfen.“

Sie warb dafür, dass die nötigen Veränderungen in der Landwirtschaft nicht allein der Politik überlassen werden sollen, sondern dass die Landwirte zum Beispiel in der Frage um die Ver­siegelung von Flächen mehr „Rabatz“ machen sollten. Ihr Appell: „Die Politik schafft das nicht allein. Wir müssen die Probleme gemeinsam lösen.“

Katharina Leyschulte wünscht sich mehr „Drive“ von der Bundesregierung

Die Westerkappelnerin Katharina Leyschulte hat 140 Milchkühe. Sie war am Donnerstag eine von vier Landwirtinnen und Landwirten, die der Regierungsvertreterin ihren Alltag nahezubringen versuchten. Warum zum Beispiel 15 Hektar ihrer landwirtschaftlichen Flächen für eine Umspannungsanlage versiegelt werden sollen, obwohl im Nachbarort ein ehemaliges Zechengelände liegt, wo die Infrastruktur schon existiert, verstehe sie nicht. Sie entdeckt Gemeinsamkeiten mit der Grünen-Politikerin, wünscht sich aber trotzdem mehr „Drive“.

2015 hat sie einen Stall gebaut, seitdem können sich Hildegard, Hanuta und Berta frei bewegen. Sie haben weniger Stress, geben dafür mehr Milch. Leyschulte würde ja noch mehr bauen. „Die Investitionsbereitschaft ist da“, sagt sie. Was fehlt, seien die Anreize des Handels: „Der Handel zahlt nicht, dann müsste ich aus eigener Tasche löhnen. Doch ein Koch kocht ja auch keine fünf Gänge, wenn die Kunden nur zwei bezahlen.“

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