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Vorwürfe gegen Ditib

Imame bespitzeln Lehrer

Düsseldorf

Die Türkisch-Islamische Anstalt für Religion (Ditib) spioniert deutsche Lehrer aus. Die Daten gehen in die Türkei, die Landesregierung reagiert darauf überraschend.

Peter Berger

Tauben fliegen in Köln über die Zentralmoschee, in der Nähe der Zentrale der türkisch-islamischen Union (DITIB) Foto: dpa

Die Spionage-Vorwürfe gegen die Türkisch-Islamische Anstalt für Religion (Ditib) weiten sich aus. Das NRW-Innenministerium bestätigte auf Anfrage, dass fünf Lehrer an staat­lichen Schulen, die auch islamischen Religionsunterricht geben, auf Spionage-Listen auftauchen. Diese ­Listen sind der Öffentlichkeit bisher nicht oder nur in ­Teilen bekannt.

Insgesamt stünden darauf 28 Personen und elf Institutionen. Diese Listen sollen im Auftrag der türkischen Religionsbehörde Diyanet von Ditib-Predigern der ­Generalkonsulate Köln, Düsseldorf und München erstellt und nach Ankara über­mittelt worden sein.

Die Religionsbehörde hatte in einer Rundmail auch die Religionsattachés in den deutschen Generalkonsulaten aufgefordert, Berichte über mögliche Anhänger der Gülen-Bewegung zu verfassen. Sie wird von Staats­präsident Erdogan für den gescheiterten Putschversuch in der Türkei Mitte Juli 2016 verantwortlich gemacht.

Einer der fünf betroffenen Lehrer hatte sich nichts ahnend an das NRW-Schul­ministerium in Düsseldorf gewandt, um mit Fachleuten über den seiner Auffassung nach stärker werdenden Versuch der Einflussnahme der Ditib auf den islamischen Religionsunterricht an Schulen zu sprechen.

Bei dem Gespräch habe man ihm offenbart, dass sein Name auf einer der Spionage-Listen auftauche, die an die Religionsbehörde nach Ankara gegangen seien. Solange er nicht in die Türkei reise, müsse er sich keine Sorgen machen. Das NRW-Innenministerium teilte mit, derartige Gefährdeten-Ansprachen seien üblich. Das Schulministerium hat den fünf Lehrern die Namen der Spione nicht offengelegt, so dass die Opfer gezwungen sind, Strafanzeigen gegen Unbekannt zu stellen. Diese werden, so das Innenministerium, alle mit großer Sorgfalt bearbeitet. Trotz der Vorwürfe hat sich die Landes­regierung dazu entschieden, die Zusammenarbeit mit dem größten Islamverband in der gemeinsamen Islamkonferenz fortzusetzen.

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