1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. „Impfturbo“ sorgt für Zuversicht

  6. >

Impfungen im Münsterland

„Impfturbo“ sorgt für Zuversicht

Münsterland

Die Impfungen gegen das Coronavirus laufen – doch was bisher geschah, war nur der Anfang. Die Zentren im Münsterland bereiten den „Impfturbo“ vor . . .

Mirko Heuping

Das Impfzentrum des Kreises Steinfurt ist im Flughafen Münster/Osnabrück eingerichtet. Foto: Gunnar A. Pier

Der Impfstart in Deutschland war ein Mix aus Pleiten, Pech und Pannen. Von den Debatten über politische Verantwortung und Öffnungsperspektiven übertüncht, wird nun allerdings mit Verzögerung der vielzitierte „Impfturbo“ gezündet: Durch steigende Lieferungen konnte die Zahl der Erstimpfungen in NRW alleine in dieser Woche von 70 000 auf 100 000 pro Woche gesteigert werden – Tendenz steigend.

Ab April genug Impfstoff für Hausarzt-Impfungen

Anfang April soll wöchentlich so viel Impfstoff zur Verfügung stehen, dass es sich lohnt, damit auch flächendeckend in die Hausarztpraxen zu gehen.

Im Münsterland wurden in Impfzentren, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zusammen bis Donnerstag über 90 000 Menschen geimpft. Auf Anfrage unserer Redaktion meldet der Kreis Steinfurt aktuell 22 000, die Stadt Münster knapp 21 100, der Kreis Warendorf 15 500, der Kreis Coesfeld 12 400 und der Kreis Borken 19 800 Erstimpfungen. Damit sind zwischen fünf und sechseinhalb Prozent der Bevölkerung bereits geimpft.

Wer bekommt ab dem 8. März ein impfangebot?

Im Bereich der Kitas sind das nach Angaben des NRW-Familienministeriums 125 500 pädagogische Beschäftigte. Hinzu kommen 26 500 Personen, die zum Beispiel eine hauswirtschaftliche Tätigkeit ausüben oder auch als Kita-Helfer tätig sind. Außerdem gehören landesweit etwa 16 000 Tagesmütter und -väter dazu. Im Bereich der Schulen geht es um die Lehrerinnen und Lehrer sowie weiteres Personal an den Grund- und Förderschulen. Dabei werden auch die OGS-Betreuer einbezogen. Nach Daten des Gesundheitsministeriums sind das 89 000 Menschen. Bei der Polizei kommen zunächst 36 000 Polizisten mit direktem Personenkontakt beginnend mit den Einsatzhundertschaften dran. Das gilt auch für Beschäftigte und Personal der Werkstätten für behinderte Menschen.

Zuversicht herrscht vor allem mit Blick auf die Impfstoff-Lieferungen für die kommenden Wochen. So erwartet etwa der Kreis Coesfeld in der Kalenderwoche elf 3279 und sieben Tage später bereits weitere 3669 Impfdosen. Werden diese komplett verimpft, steigt die Auslastung des Impfzen­trums in nur einer Woche von 65 auf dann 73 Prozent. Auch in den übrigen Kreisen stehen wöchentlich größere Impfstoffmengen zur Verfügung.

Erfahrungen mit Astrazeneca

Die Erfahrungen mit dem ungeliebten Astrazeneca-Impfstoff sind indes unterschiedlich. Die Kreise Borken und Coesfeld berichten von keinerlei Problemen. „Wir haben eine extrem hohe Auslastung bei den Astrazeneca-Terminen“, sagt auch ein Sprecher der Stadt Münster. Währenddessen schwankt im Impfzentrum des Kreises Warendorf die Auslastung für Astrazeneca-Termine tageweise zwischen 50 und 100 Prozent. Der Kreis Steinfurt berichtet von 67 Prozent vergebener Termine seit Mitte Februar. Allerdings sei die Zahl der Buchungen mit der Öffnung für die Priorisierungsgruppe 2 deutlich gestiegen.

Neue Warteliste im Kreis Borken

Einen neuen Weg im Umgang mit Impfstoffresten geht der Kreis Borken einen neuen Weg. Bislang hat der Kreis im Impfzentrum Velen mit abends übrig gebliebenen, nicht bis zum Folgetag lagerfähige Impfdosen Einsatzkräfte des Rettungsdienstes und Bewohner nahe gelegener Behinderteneinrichtungen geimpft. Ab sofort können im Kreis Borken wohnende impfwillige Menschen in eine digitale „Rest-Impfdosenbörse“ aufgenommen werden. Aus der Liste werden – wenn Impfdosen übrig bleiben – aus der am höchsten priorisierten Gruppe Personen ausgewählt und dann kontaktiert. Interessierte müssen binnen 30 Minuten im Impfzentrum in Velen sein, teilte der Kreis am Freitag mit.

Streit um Impf-Vorgaben

Im Kreis Warendorf gibt es unterdessen Zwist über Impfungen in Hausarztpraxen. Der Kreis wollte für die am Montag startende Impfung von Kita-, Schul- und Polizeipersonal „in die Fläche gehen“.

Warenorfs Landrat Dr. Olaf Gericke

Doch der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe diese dezentrale Lösung torpediert, beklagt Landrat Dr. Olaf Gericke: „Die Entscheidung der KVWL in Dortmund ist schwer nachvollziehbar, zumal mehrere hochmotivierte Praxen vor Ort sofort bereit wären, für zusätzliche Impfkapazitäten zu sorgen.“ Jetzt müssen die Impfwilligen dieser Gruppe, die im Kreis Warendorf arbeiten, einen Termin im Impfzentrum in Ennigerloh vereinbaren.

Im Kreis Coesfeld sollen die Impfungen nach derzeitiger Planung hingegen durch mobile Teams stattfinden und zentral in einer Schule vorgenommen werden. Das Impfzentrum des Kreises wird dazu eine onlinebasierte Terminbuchung eines regionalen Anbieters freischalten. Auch aus Sicht des Kreises Coesfeld wäre wünschenswert, Impfungen in den Hausarztpraxen vornehmen zu lassen. „Das will aber auch gut vorbereitet sein“, tritt Krisenstabsleiter Ulrich Helmich etwas auf die Bremse.

Der Kreis Borken setzt auf Impfungen durch mobile Impfteams vor Ort in den Konmunen. Diese würden derzeit zusammengestellt und geeignete Impf-Örtlichkeiten festgelegt. Der Kreis rechnet damit, dass zum kommenden Wochenende hin mit den Impfungen begonnen werden kann.

Startseite