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Serie: Influencer aus dem Münsterland

Multiple Sklerose: Wie „Inkluencer“ Christian Betroffenen Mut machen will

Münster

Es war eine Diagnose, die sein Leben komplett verändert hat: Der Münsteraner Christian Knizia hat Multiple Sklerose. Als „Inkluencer“ gibt der 32-Jährige bei Instagram Einblicke in sein Leben mit der Krankheit.

Christian Knizia hat im März 2020 die Diagnose Multiple Sklerose erhalten. Schon vier Monate später saß der heute 32-Jährige im Rollstuhl. Als „Inkluencer“ klärt er jetzt über seine Krankheit auf - eine Aufgabe, die ihn voll erfüllt. Foto: Oliver Werner

Seit knapp zwei Jahren hat Christian Knizia einen großen Bruder. „Der hilft mir und bringt mich voran, aber ist auch unheimlich nervig“, sagt der 32-Jährige. Knizia redet nicht wirklich von einem großen Bruder, sondern von seinem Rollstuhl. Er nennt ihn so, weil er den Vergleich passend findet und weil er gerne in Bildern redet. Erst recht seit seiner Diagnose Multiple Sklerose (MS), über die er als „Inkluencer“ aufklärt und bei Instagram berichtet.

Christian Knizia war immer unterwegs, hat viel Sport, Kraft- und Ausdauersport gemacht. Alleine auf dem Sofa war ihm schnell langweilig. Trotzdem brachte ihn so schnell nichts aus der Ruhe. Auch nicht als er Anfang 2020 eines Morgens aufgewacht ist und ein lahmendes Bein hatte. „Ich dachte vielleicht ist ein Nerv eingeklemmt oder so“, sagt er. Den Gang zum Arzt vermied er zunächst.

Lebensverändernde Diagnose

Erst Wochen später, als er morgens zusätzlich ein Kribbeln in den Händen spürte, suchte er seinen Hausarzt auf. Der verwies Chris, wie er von allen genannt wird, an einen Neurologen. Dort musste die gelernte Fachkraft für Lagerlogistik viele Tests machen. Schnell kam der Verdacht auf, dass Knizia an MS erkrankt ist. Im Krankenhaus bestätigte sich die lebensverändernde Diagnose.

Christian Knizia über den Moment, als er die Diagnose MS realisiert hat

„Ich habe zunächst gefasst reagiert und es nicht richtig begriffen. Ich wusste nicht mal wirklich was MS bedeutet. Ich dachte erst, dass es für Muskelschwund steht“, erzählt der gebürtige Beckumer. Erst Stunden später, nachdem er sich über die Krankheit informiert hatte, realisierte er die lebensverändernde Diagnose. „Da ist plötzlich eine Welt für mich zusammengebrochen, ich habe minutenlang geweint.“

Zunächst half eine Cortison-Behandlung Christian Knizia, er spürte keine Einschränkungen mehr. Doch bei einer Krankheit, die über Nacht mit Schüben kommt, kann es immer plötzlich zu Verschlechterungen kommen. „Man weiß nicht, wie sich die Krankheit entwickelt. Manche Betroffene haben nur einen Schub und haben ein Leben lang nur wenig Probleme“, sagt Knizia, der selbst aber an sogenannter hochaktiver Multipler Sklerose erkrankt ist. Schon vier Monate nach seiner Diagnose war der 32-Jährige auf einen Rollstuhl angewiesen.

Christian Knizia beschreibt seine Nervenbahnen als Stromkabel. „Und MS greift die Isolierung an. Der Strom wird langsamer, schwächer oder funktioniert dann gar nicht mehr“, erklärt er seine Krankheit. Auch Menschen, die ihm folgen. Denn bei Instagram hat er über 5000 Follower.

Aufklärung und Inklusion

Als „Inkluencer“ hat er sich Aufklärung und Inklusion auf die Fahnen geschrieben. Es ist zu einer Art Lebensaufgabe für ihn geworden. Er möchte, dass die Menschen mehr über Multiple Sklerose wissen als er, als er die Diagnose erhalten hat. „Solange ich auch nur eine Person erreiche und die aufklären oder ihr sogar helfen kann, lohnt es sich“, sagt Knizia, der inzwischen auch auf Bühnen, bei Kongressen oder anderen Veranstaltungen als Redner auftritt.

Und erst im Juni hat er mit einem Freund, der ebenfalls an MS erkrankt ist, ein inklusives Treffen der „Kämpferherzen“ organisiert. 700 Menschen kamen dazu in der Stadthalle von Kassel zusammen. „Das war eine super Möglichkeit für einen Austausch, einfach eine tolle Veranstaltung“, sagt Knizia, der trotz seiner Krankheit den Humor nicht verloren hat. „Im Gegenteil. Jetzt erst recht! Ich mag auch schwarze Witze gerne und kann über mich selbst lachen. Ich sage auch immer, dass ich nach Münster gezogen bin, weil es so gut passt. Mit MS in MS.“

In Wirklichkeit ist Christian Knizia nach Münster gezogen, weil hier die ärztliche Versorgung besser sei. „Die Ärzte am UKM sind richtige Spezialisten.“

Kaum Hoffnung und doch positive Dinge

Auch wenn Chris Realist ist und weiß, dass es kaum Hoffnung auf eine Heilung gibt, sieht er auch die positiven Dinge, die seine Erkrankung mit sich gebracht haben: „Ich habe viele neue Freunde kennengelernt, komme sehr viel rum und habe mit Instagram und der Aufklärung eine neue schöne Aufgabe gefunden.“ Außerdem habe er gelernt, dankbar zu sein. Dankbar für kleine, aber nicht selbstverständliche Dinge.

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