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Abschlepper für Anfänger

Josef Vorndieck hat den „Car Caddy“ erfunden

Hörstel

Irgendwann stand der Ibbenbürener Kfz-Meister Josef Vorndieck bei einem Kunden in der Einfahrt und kam einfach nicht weiter. Der Wagen sprang nicht mehr an, zum Abschleppen mit dem Seil fehlte der zweite Mann, von seinem Anhänger hatten sie ihm gerade die Reifen geklaut. „Da habe ich gesagt: Das kann es doch nicht sein!“ Am nächsten Tag begann er zu zeichnen – und erfand den „Car Caddy“.

Gunnar A. Pier

Immer dabei: Wird er nicht gebraucht, sitzt der „Car Caddy“ auf der Anhängerkupplung. Nur wenige Handgriffe sind nötig, um ihn zu einer vollwertigen Abschleppeinrichtung zu machen. Foto: Wilfried Gerharz

Wenn ein Auto nicht mehr fährt, ist guter Rat teuer. Das Abschleppen verursacht mehr Mühe und Kosten, als viele zunächst denken. Entweder ist ein zweiter Fahrer nötig, der im hinteren Wagen lenkt und bremst. Oder ein großer Abschleppwagen muss kommen, der teuer ist, lange auf sich warten lässt und in der Nachbarschaft für mehr Aufsehen sorgt, als vielen lieb ist – und den junge Mitarbeiter mit ihren Führerscheinen oft gar nicht mehr fahren dürfen.

Oder man nimmt Vorndiecks „Car Caddy“. Die Idee klingt einfach: Ähnlich wie ein Fahrradträger sitzt das Gestell auf der Anhängerkupplung eines Pkw. Immer dabei. Im Fall des Falles muss ein paar Minuten geklappt und gesteckt werden, und schon ziert das Auto eine vollwertige Abschleppeinrichtung. Kein TÜV ist nötig, kein Anhänger-Führerschein, kein zweiter Mann. In Minutenschnelle ist das Gespann abfahrbereit.

Festgebissen

Der Weg zur Marktreife war lang für Josef Vorndieck. Doch der Ibbenbürener hatte sich an seiner Idee regelrecht festgebissen. Den ersten Entwurf baute er aus Holz mit Klappscharnieren aus Metall. Dann schloss er sich mit Fachleuten der Hochschule Osnabrück kurz. „Was ich auf dem Schmierblatt hatte, haben die richtig gerechnet.“

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Am Freitag, 1. Dezember 2017, bekam Josef Vorndieck für seine Entwicklung den Innovationspreis Münsterland in der Kategorie „Klein und pfiffig“. Bericht: hier.

Stützlast als Herausforderung

Zu den Problemen, die es zu meistern galt, gehört das Gewicht. Die typische Anhängerkupplung hält eine Stützlast von 75 Kilogramm aus – schwerer darf der „Car Caddy“ also in Transportstellung nicht sein. Die erste Alu-Konstruktion hielt nicht lang. „Die ist uns nach 200 Metern verreckt.“ Zerbrochen, vorbei.

Innovationspreis 2017 für den "Car Caddy": Josef Vorndieck mit seinem Sohn Nils bei der Verleihung am 1. Dezember 2017 in Westbevern. Foto: Gunnar A. Pier

Vorndieck ließ sich nicht unterkriegen

Vorndieck gab nicht auf. Das wirst du nie hinkriegen, haben sie ihm gesagt. „Aber wenn ich etwas anpacke, dann wird das auch was!“ Also erdachte er Räder, die mitlaufen, leicht sind, höheres Tempo aushalten und nicht flattern, weil sie sich in den Kurven neigen. Er feilte an Sicherungsstiften, Hydraulik-Absenkung, Befestigungssystem. Fast 500 000 Euro hat er seit 2013 in die Entwicklung gesteckt, schätzt er. Dazu viel Mühe fern der Technik: Gutachten, Zulassungen, das Patentverfahren.

Sieht einfach aus, doch im "Car Caddy" ist pfiffige Technik verborgen. Foto: Wilfried Gerharz

Serienreif

Doch jetzt ist alles fertig. Der „Car Caddy“ ist serienreif, die ersten Exemplare für knapp 4000 Euro sind verkauft, viele Interessenten stehen bereit. Werkstätten beispielsweise und Automobilverbände, deren Pannenhilfe-Flotte mit Abschleppsystem gewinnen würde. Selbst eine Autobahnpolizei hat sich gemeldet. Die Beamten möchten liegen gebliebene Autos auf den nächsten Parkplatz schleppen können statt auf dem Standstreifen auf den Abschleppdienst zu warten.

Der Vertrieb kann beginnen

„Wir müssen jetzt eine Vertriebsstruktur aufbauen“, beschreibt Josef Vorndieck die nächsten Schritte. Dabei will er auf Partner aus der Branche setzen, aber das Heft erst mal nicht aus der Hand geben. „Ich habe etwas geschaffen – jetzt möchte ich auch den Erfolg sehen“, sagt er. Dabei denkt er gar nicht an das große Geld: „Ich möchte sehen, dass die Kunden zufrieden sind. Ich täte mich schwer damit, wenn ich irgendwann mal so ein Gerät sehe und es steht nicht ,Car Caddy‘ dran.“

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