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Kirchliches Arbeitsrecht wird reformiert

Endlich keine Angst mehr um den Job

Münster

Wer für die katholische Kirche arbeitet, muss sich bislang einem strengen Arbeitsrecht unterordnen. Das Privatleben konnte für Kita-Beschäftigten oder Krankenhausmitarbeitenden zum Kündigungsgrund werden. Das wollen die Bischöfe nun ändern.

Die Grundordnung gilt für alle Angestellten in katholischen Einrichtungen, so zum Beispiel für Ärzte und Pflegekräfte in Kliniken.     Foto: Imago

Sie arbeiten in Krankenhäusern und Sozialeinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen. An­gestellt bei katholischen Einrichtungen und jahrelang durchaus in der Sorge, ihren Job zu verlieren, weil sie geschieden sind und wieder geheiratet haben oder in einer homosexuellen Partnerschaft leben. Die Kita-Leiterin in zweiter Ehe oder der wiederverheiratete Facharzt einer katholischen Klinik sollen wegen ihres Privat­lebens keine Sanktionen mehr befürchten müssen

Die katholischen Bischöfe haben sich in Bonn auf den Entwurf eines neuen kirch­lichen Arbeitsrechtes, ein Stück weg von alten Ver­boten und Geboten, für die rund 800.000 Mitarbeitenden in der katholischen Kirche und bei der Caritas geeinigt. Im NRW-Teil des Bistums Münster sind rund 22. 500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer davon betroffen. Der Austritt aus der ­katholischen Kirche bleibt allerdings wie bislang Einstellungshindernis beziehungsweise Kündigungsgrund.

Bischof Genn: „Kirche muss angstfreier Raum sein“

Münsters Bischof Felix Genn begrüßt die neue Grundordnung: „Die Kirche muss ein angstfreier Raum sein, auch und gerade für die Mitarbeitenden. Die Reform des kirchlichen Arbeitsrechts ist dazu ein wichtiger Schritt.“ Im Bistum Münster gebe es weitestgehend bereits länger keine arbeitsrechtlichen Sanktionen aufgrund der persönlichen Lebensführung mehr. „Wir werden in unserem Bistum das neue kirchliche Arbeitsrecht baldmöglichst in Kraft setzen“, betont Genn.

Die Kirche als einer der größten Arbeitgeber in Deutschland hatte bislang das Angestelltenverhältnis mit bestimmten Pflichten, die weit über das hinaus­gehen, was andere Arbeitgeber von Mitarbeitenden verlangen können, verknüpft und auf das Privatleben ihrer Angestellten geschaut.

Zustimmung und Erleichterung

Vertreter aus Kirche und Politik haben mit Zu­stimmung und Erleichterung auf das neue katho­lische Arbeitsrecht reagiert. Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, bezeichnet die Reform als „überfälligen Schritt“. Der Deutsche Caritasverband spricht von einem Paradigmenwechsel. Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa fordert, dass die neue Ordnung schnell in allen Bistümern in Kraft gesetzt wird.

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